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Weltordnung: Der Weltpolizist

von HANS JAKOB GINSBURG / KLAUS METHFESSEL

Mit Amerikas Sieg über den Irak ist nicht nur Saddam gestürzt, sondern auch die alte Weltordnung. Wo bleiben die Deutschen?

US President George W. Bush (2. v. r.) am 17. März mit Dennis Hastert (2.v.l.), Nancy Pelosi (l.) und seiner Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice (r.).  dpa
Letzte Beratung im Weißen Haus.

Als US-Präsident George W. Bush Saddam Hussein den Krieg erklärte, beschäftigte sich das Bundeskabinett in Berlin gerade mit dem "Entwurf eines Gesetzes zur Neuregelung der Kriegsdienstverweigerung". Schrecklicher lässt sich die Weltfremdheit der deutschen Politik kaum illustrieren. Statt über die Vereinfachung des Anerkennungsverfahrens für weibliche Bundeswehrangehörige sollte die Bundesregierung besser über die Rolle Deutschlands in der künftigen Welt nachdenken. "Wir treten in eine neue Weltordnung ein", sagt der Bonner Politikwissenschaftler Christian Hacke. Der Leipziger Zeithistoriker Dan Diner konstatiert eine "Revision der Ordnung, die nach 1945 etabliert wurde".

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1945 in Jalta redeten die Kriegsverbündeten Franklin D. Roosevelt, Josef Stalin und Winston Churchill als formal Gleiche über die europäische Nachkriegsordnung. Im Verbündeten-Trio dieses Jahres, das sich vergangenen Sonntag auf den Azoren traf, spielen der Brite Tony Blair und der Spanier José María Aznar nur Nebenrollen. Die Auswirkungen der amerikanischen Vorherrschaft für die internationalen Organisationen wie UN und Nato und für die Machtverhältnisse in Europa treffen vor allem Deutschland. "Der Bundeskanzler und auch zum Teil der Außenminister haben sich vom Chefdiplomaten zum Chefankläger der amerikanischen Außenpolitik profiliert," kritisiert der Politikwissenschaftler Hacke. "Das deutsch-amerikanische Verhältnis ist auf lange Sicht irreparabel beschädigt, wir werden dafür zahlen müssen." Tatsächlich waren die deutschen Diplomaten am Sitz der UNO in New York nicht etwa darauf aus, die USA in eine gemeinsame Entschließung einzubinden. Berlin wollte zusammen mit Paris Washington im Sicherheitsrat isolieren und so geradezu zum Alleingang gegen den Irak zu zwingen. Das belegt ein vertraulicher Bericht des deutschen UN-Botschafters Gunter Pleuger: Mit dieser Taktik, so Pleuger, verband sich die Hoffnung, Amerika werde sich später "reumütig" den Vereinten Nationen wieder zuwenden, weil anders der Wiederaufbau im Irak nicht zu schaffen sei.

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