Wendelin Wiedeking wird 65: „Es gibt ein Leben nach Porsche“

Wendelin Wiedeking wird 65: „Es gibt ein Leben nach Porsche“

, aktualisiert 27. August 2017, 13:08 Uhr
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Der frühere Porsche-Chef, hier im Jahr 2007, hat schon immer gegen Dieselmotoren gewettert und fühlt sich bestätigt.

Quelle:Handelsblatt Online

Wendelin Wiedeking brachte den Sportwagenbauer Porsche einst auf Vordermann. Doch nach einer dramatischen Übernahmeschlacht mit Volkswagen musste er gehen. Das war vor acht Jahren. Und heute?

Stuttgart Diesel? Wendelin Wiedeking schüttelt den Kopf. „Ich habe schon immer gegen den Selbstzünder gewettert - die Probleme beim Stickoxid habe ich kommen sehen“, sagt der frühere Porsche-Chef. „Dass es die ganze Autoindustrie nun so erwischt, habe ich mir beileibe nicht gewünscht - aber Probleme waren schon früher absehbar.“ Unter seiner Führung setzte Porsche auf Benzin, erst nach Wiedekings Abgang 2009 verkaufte das Unternehmen Dieselautos in nennenswerter Zahl. „Ich wollte immer Autos, die weltweit verkaufbar waren - und diese Sicherheit konnte mir der Diesel angesichts der anspruchsvollen Grenzwerte in den USA nicht bieten.“

Viel mehr will er nicht sagen zu den Problemen in Deutschlands Autobranche. „Ich halte mich da raus.“ Der einst schillernde Branchenstar wird am Montag, den 28. August, 65 Jahre alt.

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Der gebürtige Westfale zählt zu den erfolgreichsten deutschen Automanagern. Anfang der 1990er Jahre übernahm er den Chefsessel des Sportwagenbauers Porsche - die Firma war damals schwer in der Krise. Der promovierte Maschinenbauer griff hart durch: Stellen wurden abgebaut, Produktionsprozesse umgestellt. Wiedeking brachte Porsche auf Kurs, die Firma wurde der profitabelste Autobauer der Welt. Unter seiner Führung sei der Aktienkurs bis zu seinem Abschied um das 22-Fache geklettert, sagt er - und das, obwohl der Kurs am Tag seines Abgangs „runtergeprügelt“ war.

Diese „Prügel“ an der Börse überschatteten seine Karriere. In den Jahren 2008 und 2009 führte Wiedeking eine Übernahmeschlacht gegen Volkswagen: Das relativ kleine Unternehmen Porsche wollte sich Europas größten Autobauer einverleiben. Der Plan ging schief, Porsches Schuldenberg wurde zu groß - im Juli 2009 musste Wiedeking gehen.

Der Übernahmeversuch hatte ein juristisches Nachspiel: In einem Strafprozess warf die Stuttgarter Staatsanwaltschaft Wiedeking Marktmanipulation vor, er soll 2008 mit gezinkten Karten gespielt und so Börsenkurse gesteuert haben. Ein halbes Jahr musste Wiedeking immer mal wieder auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts Platz nehmen, ehe er im März 2016 einen lupenreinen Freispruch bekam. An den Vorwürfen sei absolut gar nichts dran, so der Richter.

Auf dem Chefposten einer großen Firma saß Wiedeking seit seinem Aus bei Porsche nicht mehr. Und das sei gut so, beteuert der Manager - er will sein eigenes Ding machen und bloß kein Angestellter mehr sein. Beteiligungen an 20 Firmen hält er nach eigenen Angaben, darunter die Pizzakette tialini, die Ferienhaus-Vermietung e-domizil mit 250 Mitarbeitern, die Kreuzfahrt-Plattform e-hoi und ein Schuhhändler.

Beim Karstadt-Eigentümer Signa verkaufte er kürzlich Anteile an einer Immobilientochter für schätzungsweise mehr als 50 Millionen Euro. Warum? „Der stationäre Handel kommt durch das Internet brutal unter Druck“, sagt er. Man müsse als Unternehmer einen „Riecher für Veränderungen haben und darf nicht derjenige sein, der sogar beim allerletzten Klingeln an der Firmentür noch da ist“.


Der eigenwillige Starmanager

Und sein Rückblick auf Porsche? „Eine tolle Zeit, aber es gibt ein Leben nach Porsche“, sagt Wiedeking. Seit seinem Studium sei er unternehmerisch tätig gewesen, dies habe er auch in seiner Zeit als angestellter Manager fortgesetzt. „Das war enorm wichtig, denn dadurch habe ich meine Eigenständigkeit bewahrt.“

Wiedeking hält bis heute einen deutschen Rekord: Im Geschäftsjahr 2007/08 hat er als Porsche-Chef 100,6 Millionen Euro verdient, so viel wie kein anderer angestellter Manager. Der hohe Betrag lag aber auch an einer unternehmerischen Entscheidung von Wiedeking: Als er 1992 das Porsche-Steuer übernahm, bekam Porsche nur einen 200-Millionen-Mark-Kredit, weil Wiedeking persönlich dafür haftete. Im Gegenzug bewilligte Porsche ihm eine Beteiligung an zukünftigen Gewinnen. Wiedekings damalige Risikobereitschaft ging auf - als Porsche später kräftige Gewinne einfuhr, machte auch er Kasse.

100 Millionen Euro in einem Jahr - zu viel? Wiedeking hat kein Verständnis für so eine Frage. „In Deutschland gibt es eine unehrliche Neid-Diskussion - Topmanagern mit viel Verantwortung für ihre Mitarbeiter wird das Geld nicht gegönnt, aber bei Fußballspielern sind Millionenverträge kein Problem.“ Zudem würden Aktionäre mit teils ererbtem Geld reich, ohne dabei zu arbeiten - dies spiele in der öffentlichen Diskussion um hohe Einkommen aber keine Rolle, moniert Wiedeking. Er selbst habe nichts von zu Hause geerbt und sein Vermögen selbst aufgebaut. „Mein Vater starb, als ich 15 war, ich musste meine Mutter und meine jüngeren Brüder später mit meinem ersten verdienten Geld noch unterstützen.“

Als Wiedeking Porsche 2009 verließ, bekam er 50 Millionen Euro Abfindung. Mit dem Geld gründete er verschiedene Stiftungen, etwa für Musikunterricht für Kinder und Sprachkurse für Migranten. Von den 50 Millionen Euro Abfindung habe er „keinen Cent“ gesehen - die eine Hälfte sei in die Stiftungen geflossen, die andere als Steuern an den Staat. Allerdings bekomme er noch immer Jahr für Jahr steuerliche Rückerstattungen, dies seien aber eher niedrige Beträge.

Und wie geht es weiter mit ihm? 65. Geburtstag - früher war das üblicherweise der Übergang in die Rentenzeit. Wiedeking lacht da nur. „Ich bin kein Mensch, der sich zur Ruhe setzen will.“ Er sei nun mal Unternehmer. „Und Unternehmer haben immer Arbeit.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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