Werbeagentur BBDO: Das Gift der Cobra

Werbeagentur BBDO: Das Gift der Cobra

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BBDO-Chef Lotze. Werbeprimus unter besonderer Beobachtung

von Peter Steinkirchner

Die Insolvenz einer kleinen Frankfurter Agentur könnte Folgen haben für Deutschlands größten Werbekonzern BBDO.

Mit voller Kraft wuchtet der Muskelmann den schweren Hammer wieder und wieder auf zwei kleine Worte: „Under Construction“, in Arbeit, steht in einer Comic-Version auf der Web-Seite der Wiesbadener Agentur MP Sales Marketing. Konstruiert wird hier allerdings so bald nichts mehr: MP ist seit Mitte August insolvent, das Amtsgericht Wiesbaden eröffnete inzwischen das Insolvenzverfahren.

Das Aus der kleinen, auf Handelsmarketing und Ladenwerbung spezialisierten Agentur wäre selbst der Branchenpresse kaum eine Zeile wert gewesen, hätte sie nicht noch kurz zuvor BBDO Sales geheißen – die Butze ist ein Ableger des Düsseldorfer Werbekonzerns BBDO, der wiederum zur weltweit zweitgrößten Kommunikationsholding Omnicom mit Sitz in New York gehört und hierzulande mit mehreren Dutzend Ablegern mehr als 400 Millionen Euro Umsatz macht. Die Pleitefirma änderte kurz vor dem Aus den Namen – offensichtlich um das BBDO-Image nicht zu beschädigen.

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Was ist los mit BBDO?

Wie nötig die Kosmetik war, zeigt sich wenige Wochen später, denn Sales ist kein Einzelfall. Gerade meldete ein zweites Unternehmen aus der BBDO-Welt Insolvenz an. Cobra Tradepoint heißt der Frankfurter Marketingdienstleister, der rund sechs Millionen Euro Umsatz macht und an dem BBDO seit 2002 mit 51 Prozent beteiligt ist. Am 8. September erklärte er seine Zahlungsunfähigkeit. Ein vorläufiger Insolvenzverwalter ist bestellt.

Zwei Insolvenzen in so kurzer Zeit – die Branche wird hellhörig: Was ist los bei BBDO? Herrscht jetzt das große Reinemachen? Entledigt sich der Reklameriese schwacher Töchter? Gibt er den Renditedruck weiter, den Omnicom ausübt? Deren Bonität wurde Anfang August von der Ratingagentur Standard & Poor’s von A- und A2 auf BBB+ herabgestuft. Branchenkenner munkeln zudem, BBDOs Deutschland-Chairman Anton Hildmann schwinge im Hintergrund den Besen, damit Neu-CEO Frank Lotze – seit Januar im Amt und immerhin der achte BBDO-Chef in nur zehn Jahren – durchstarten könne.

Der Werbeprimus steht unter besonderer Beobachtung. Denn obwohl die hierzulande 29 Milliarden Euro schwere Werbekonjunktur derzeit wieder leicht anzieht, geht es vielen Agenturen schlecht. „Dort draußen herrscht ein leises Sterben“, sagt Oliver Klein, der mit seinem Hamburger Unternehmen Cherrypicker Werbungtreibende bei der Wahl der richtigen Agentur berät.

Auch bei BBDO stehen Töchter auf dem Prüfstand: „Wir behalten uns vor, uns aus Beteiligungen zurückzuziehen, wenn wir von dem Geschäftsmodell nicht mehr überzeugt sind und sie nicht nachhaltig ertragreich sind“, sagt Sprecher Dirk Popp. Das habe auch gar nichts zu tun mit Druck aus den USA – das sei eine „Chimäre“. Klingt eindeutig.

Doch abgehakt ist der Fall damit für BBDO nicht – die Cobra-Insolvenz könnte noch Folgen haben. Zum einen, weil BBDO zu den Gläubigern gehört. Zum anderen, weil nun zu klären ist, wer die Verantwortung für die Zahlungsunfähigkeit der Frankfurter Agentur trägt – Cobra oder BBDO.

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