Werbeaktion: Wie die Kunden Media Markt austricksen

07. Januar 2010
Einkaufswagen in einem Media Quelle: APBild vergrößern
Einkaufswagen in einem Media Markt Quelle: AP
von Niklas Hoyer

Pfiffige Kunden nutzen eine Werbeaktion von Media Markt aus und kaufen kostenlos ein. Doch nicht immer klappt die Masche. Ein Schnäppchenjäger hat nun sein Konto überzogen und weiß nicht weiter.

Die Masche einiger Schnäppchenjäger zieht immer weitere Kreise. Wie wiwo.de berichtete, hatten Internetnutzer einen Plan ausgeheckt, mit dem sie kostenlos bei der Elektronikkette Media Markt einkaufen wollten. Der Hintergrund: Eine aktuelle Werbeaktion, bei der Media Markt verspricht, dass jeder zehnte Kunde seinen Einkauf erstattet bekommen soll. Die Idee der Sparfüchse: Wer mit neun Freunden an einer Kasse einkauft, hat auf jeden Fall einmal gewonnen und kann die restlichen neun Artikel am nächsten Tag zurückbringen.

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Ganz so unverfroren sind die meisten Kunden nicht. Doch eine ähnliche Strategie nutzen einige. Die Studentin Sylvia Schneider (Name geändert) kaufte sich zum Beispiel am Dienstag ein neues Notebook bei einer Media-Markt-Filiale in Düsseldorf. Auf ihrem Kassenbon stand als letzte Ziffer eine 2. Nach der Ziehung am Abend gab Media Markt bekannt, dass alle Kassenzettel mit der Endziffer 0 gewonnen hätten. Kunden mit einem solchen Kassenbon könnten sich ihren Einkauf innerhalb von vierzehn Tagen in ihrer Filiale erstatten lassen.

Schneider hatte nicht gewonnen. Am nächsten Morgen stand sie in der Media-Markt-Filiale und gab das Notebook zurück. "Ohne Probleme", wie sie berichtet. An der Kasse habe die Kassiererin mitleidig geschaut, als sie ihr den Kaufbetrag auszahlte. "Die wusste sofort, dass ich wohl auch nicht die richtige Nummer gehabt hätte", erzählt Schneider. "Da scheint es einige Kunden zu geben, die so verfahren."

Ohne Risiko ist die Masche aber nicht. Beim selbstständigen Programmierer Robert Schmitz (Name geändert) aus Reutlingen ging das Kalkül nicht auf. Er ging am Montag gemeinsam mit einem Freund in eine Media-Markt-Filiale in seiner Heimatstadt. Auf dem Einkaufszettel standen: Eine Festplatte, zwei Spielekonsolen, zwei Fotoapparate, zwei Flachbildschirme, ein Camcorder und zwei Netbooks. Für die Artikel im Gesamtwert von mehr als 5000 Euro ließ sich Schmitz zehn separate Kassenbons ausstellen. So hatte er auf den verschiedenen Kassenzetteln jede Ziffer einmal stehen und konnte  sicher sein, auf jeden Fall ein Mal gewonnen zu haben. So sicher, dass Schmitz für die Einkaufstour sogar sein Konto überzog.

Gewonnen hatte Schmitz abends tatsächlich. "Leider war es nur eine Spielekonsole für 199 Euro, die im Endeffekt kostenlos war", sagt Schmitz. Problemlos bekam er am nächsten Tag das Geld dafür ausgezahlt. Als er jedoch die neun anderen Artikel zurückgeben wollte, stellte sich der Reutlinger Filialleiter quer. "Nachdem ich ganz ehrlich gesagt hatte, dass ich bei diesen Artikeln die falsche Bonnummer gehabt hätte, haben die sich geweigert, die Sachen zurückzunehmen", erzählt Schmitz. Der Geschäftsführer habe ihm nur gesagt: "Wir machen hier die Spielregeln. Viel Spaß mit ihren Artikeln."

Umtausch gegen Bargeld wird oft verweigert

Die Expertin für Umtausch- und Rückgaberecht Carolin Uhrig, Rechtsanwältin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, mahnt Kunden deshalb zur Vorsicht: "Bei mangelfreier Ware basiert das Rückgaberecht auf rein freiwilliger Basis." Eine Filiale könne Kunden daher verweigern, Artikel zurückzunehmen. Auch eine mündliche Zusicherung, wie Robert Schmitz sie in Reutlingen erhalten haben will, biete im Zweifelsfall nichts ausreichend Sicherheit. "Der Kunde kann nur schlecht beweisen, dass ihm beim Kauf die Rückgabe zugesichert wurde", sagt Uhrig.

Immer mehr Kunden berichten davon, dass Media-Markt-Filialen sich weigern, Artikel gegen Auszahlung von Bargeld zurückzunehmen. Die Düsseldorfer Studentin Schneider berichtet, dass Mitarbeiter noch am Mittwochmorgen versichert hätten, ein Umtausch gegen Bargeld sei möglich. Am Abend hätte es dann aber schon geheißen, beim Umtausch würden nur Gutscheine ausgegeben.

Eine Sprecherin der Media-Markt-Zentrale in Ingolstadt sagte gegenüber wiwo.de, dass es generell keine Einschränkungen im Rückgaberecht während der Aktion gebe: "Wir sind da in aller Regel sehr kulant und wollen das auch bleiben." Auf der Media-Markt-Website heißt es: "Umtausch: Da machen Sie garantiert nichts falsch. Sollte Ihnen ein bei uns gekaufter Artikel nicht gefallen, können Sie ihn innerhalb von 14 Tagen zurückgeben. Wir tauschen um. Ohne Wenn und Aber."

Wenn es jedoch vermehrt zu Missbrauchsfällen komme, müssten die Filialen ihre Praxis ändern, sagte die Media-Markt-Sprecherin: "Es steht jedem Geschäftsführer frei, die freiwillige Rückgabemöglichkeit gegen Bargeld einzuschränken." Prinzipiell könne die Rücknahme bei mangelfreier Ware auch komplett verweigert werden. Rechtsanwältin Uhrig rät Kunden, sich im Zweifelsfall die Rückgabemöglichkeit schriftlich versichern zu lassen. Nur dann habe der Kunde gute Karten, den Artikel problemlos zurückgeben zu können.

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Kommentare | 113Alle Kommentare
  • 12.06.2011, 12:13 UhrProvisionsgeschäfte

    Erfahrung im Mediamarkt Cottbus
    ich habe mir ein Notbook gekauft, welches im Angebot mit einem DEbiTEL- Vertrag angeboten wurde. Nach ein paar Tagen wurde es immer langsamer. ich fuhr also in den Mediamarkt und schilderte einen Mitarbeiter mein Problem. -- wir überprüfen und können umtauschen----- Das war Freitags. Montag mit dem Rechner in den Mediamarkt. Der Verkäufer , der mir das Gerät verkauft hatte war vor Ort und ich schilderte ihm mein Problem. -- Er schien so etwas schon zu kennen, denn er kontaktierte sofort DEbiTEL . dann erhielt ich die Auskunft, daß ich mein KONTO bei DEbiTEL innerthalb von 3 DREi Tagen überschritten hätte und das es deshalb nicht mehr funktionierte. Er hätte mir bei Vertragsaabschluß mitgeteilt, daß ich nur 3 gb hätte und ich hätte ja den Vertrag unterschrieben. Mein Einwand, dass ich nicht weis, wieviel das in Zeit bedeutet, --- das weis er auch nicht. .Also habe ich gebeten zur Klärung den Abteilungsleiter zu holen. Jetzt wurde mir versprochen, das man mit DEbiTEL sprechen wolle, ich möge mich etwas gedulden.... Die Woche verging und -- es wurde nichts erreicht . Jetzt wurde mir gesagt, daß ich ja einen Vertrag unterschrieben hätte und dieser gültig wäre. Mein Einwand, das drei funktionierende Tage im Monat zu den restlichen 27 nicht funktionierenden Tagen in keinem Verhältnis stehen und ich deshalb auf Lösung des Vertrages und Rücknahme des Sticks bestehe, wurde abgelehnt. Man könne nicht jedem Kunden das KLEiNGEDRUCKTE erlären, dazu ist keine Zeit.
    Mein Vorschlag: beendigung des Vertages ich bezahle die SCHEi--- zwei Monate DEbiTEL und kaufe den PC -- wurde abgelehnt, es gebe hier einen Provisionsvertrag und den hätte man mit DEbiTEL nicht lösen können. Außerdem sind jetzt die 14 Tage Rückgaberecht verstrichen ---- es gilt der Vertrag !!!!!!!!!!!!
    ich bitt um Tipps, wie ich aus diesem Sche------ rauskomme -----

  • 16.05.2011, 19:18 UhrNanno

    Mittlerweile steht auf jedem Kassenbon das die Rückgabe nur gegen Gutschein erfolgt. Habe meine Artikel aber bis jetzt problemlos umtauschen können. Auch gegen bargeld. Denke auch das es nur passiert wenn die Rückgabe Statistik zu hoch ist. Oder irgendwelche Aktionen laufen. Ansonsten Media Markt Hut ab, Umtausch bei andren Einkaufshäusern gestalltet sich bis heute sehr schwierig.

  • 14.07.2010, 19:36 UhrNiklas Hoyer

    @Paddy: Media Markt bietet Kunden sowohl vor Ort in den Filialen als auch im internet in aller Regel ein freiwilliges 14-Tages-Rückgaberecht. Dass die Erstattung des Kaufpreises bei mangelfreier Ware eine reine Kulanzleistung ist, hat bereits der hier verlinkte, frühere Artikel zu diesem Thema beschrieben. Wiwo.de ist übrigens der Online-Auftritt der WirtschaftsWoche. Damit hätten wir auch das geklärt.

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