Werbeaktion: Wie die Kunden Media Markt austricksen

Werbeaktion: Wie die Kunden Media Markt austricksen

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Einkaufswagen in einem Media Markt

von Niklas Hoyer

Pfiffige Kunden nutzen eine Werbeaktion von Media Markt aus und kaufen kostenlos ein. Doch nicht immer klappt die Masche. Ein Schnäppchenjäger hat nun sein Konto überzogen und weiß nicht weiter.

Die Masche einiger Schnäppchenjäger zieht immer weitere Kreise. Wie wiwo.de berichtete, hatten Internetnutzer einen Plan ausgeheckt, mit dem sie kostenlos bei der Elektronikkette Media Markt einkaufen wollten. Der Hintergrund: Eine aktuelle Werbeaktion, bei der Media Markt verspricht, dass jeder zehnte Kunde seinen Einkauf erstattet bekommen soll. Die Idee der Sparfüchse: Wer mit neun Freunden an einer Kasse einkauft, hat auf jeden Fall einmal gewonnen und kann die restlichen neun Artikel am nächsten Tag zurückbringen.

Ganz so unverfroren sind die meisten Kunden nicht. Doch eine ähnliche Strategie nutzen einige. Die Studentin Sylvia Schneider (Name geändert) kaufte sich zum Beispiel am Dienstag ein neues Notebook bei einer Media-Markt-Filiale in Düsseldorf. Auf ihrem Kassenbon stand als letzte Ziffer eine 2. Nach der Ziehung am Abend gab Media Markt bekannt, dass alle Kassenzettel mit der Endziffer 0 gewonnen hätten. Kunden mit einem solchen Kassenbon könnten sich ihren Einkauf innerhalb von vierzehn Tagen in ihrer Filiale erstatten lassen.

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Schneider hatte nicht gewonnen. Am nächsten Morgen stand sie in der Media-Markt-Filiale und gab das Notebook zurück. "Ohne Probleme", wie sie berichtet. An der Kasse habe die Kassiererin mitleidig geschaut, als sie ihr den Kaufbetrag auszahlte. "Die wusste sofort, dass ich wohl auch nicht die richtige Nummer gehabt hätte", erzählt Schneider. "Da scheint es einige Kunden zu geben, die so verfahren."

Ohne Risiko ist die Masche aber nicht. Beim selbstständigen Programmierer Robert Schmitz (Name geändert) aus Reutlingen ging das Kalkül nicht auf. Er ging am Montag gemeinsam mit einem Freund in eine Media-Markt-Filiale in seiner Heimatstadt. Auf dem Einkaufszettel standen: Eine Festplatte, zwei Spielekonsolen, zwei Fotoapparate, zwei Flachbildschirme, ein Camcorder und zwei Netbooks. Für die Artikel im Gesamtwert von mehr als 5000 Euro ließ sich Schmitz zehn separate Kassenbons ausstellen. So hatte er auf den verschiedenen Kassenzetteln jede Ziffer einmal stehen und konnte  sicher sein, auf jeden Fall ein Mal gewonnen zu haben. So sicher, dass Schmitz für die Einkaufstour sogar sein Konto überzog.

Gewonnen hatte Schmitz abends tatsächlich. "Leider war es nur eine Spielekonsole für 199 Euro, die im Endeffekt kostenlos war", sagt Schmitz. Problemlos bekam er am nächsten Tag das Geld dafür ausgezahlt. Als er jedoch die neun anderen Artikel zurückgeben wollte, stellte sich der Reutlinger Filialleiter quer. "Nachdem ich ganz ehrlich gesagt hatte, dass ich bei diesen Artikeln die falsche Bonnummer gehabt hätte, haben die sich geweigert, die Sachen zurückzunehmen", erzählt Schmitz. Der Geschäftsführer habe ihm nur gesagt: "Wir machen hier die Spielregeln. Viel Spaß mit ihren Artikeln."

Umtausch gegen Bargeld wird oft verweigert

Die Expertin für Umtausch- und Rückgaberecht Carolin Uhrig, Rechtsanwältin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, mahnt Kunden deshalb zur Vorsicht: "Bei mangelfreier Ware basiert das Rückgaberecht auf rein freiwilliger Basis." Eine Filiale könne Kunden daher verweigern, Artikel zurückzunehmen. Auch eine mündliche Zusicherung, wie Robert Schmitz sie in Reutlingen erhalten haben will, biete im Zweifelsfall nichts ausreichend Sicherheit. "Der Kunde kann nur schlecht beweisen, dass ihm beim Kauf die Rückgabe zugesichert wurde", sagt Uhrig.

Immer mehr Kunden berichten davon, dass Media-Markt-Filialen sich weigern, Artikel gegen Auszahlung von Bargeld zurückzunehmen. Die Düsseldorfer Studentin Schneider berichtet, dass Mitarbeiter noch am Mittwochmorgen versichert hätten, ein Umtausch gegen Bargeld sei möglich. Am Abend hätte es dann aber schon geheißen, beim Umtausch würden nur Gutscheine ausgegeben.

Eine Sprecherin der Media-Markt-Zentrale in Ingolstadt sagte gegenüber wiwo.de, dass es generell keine Einschränkungen im Rückgaberecht während der Aktion gebe: "Wir sind da in aller Regel sehr kulant und wollen das auch bleiben." Auf der Media-Markt-Website heißt es: "Umtausch: Da machen Sie garantiert nichts falsch. Sollte Ihnen ein bei uns gekaufter Artikel nicht gefallen, können Sie ihn innerhalb von 14 Tagen zurückgeben. Wir tauschen um. Ohne Wenn und Aber."

Wenn es jedoch vermehrt zu Missbrauchsfällen komme, müssten die Filialen ihre Praxis ändern, sagte die Media-Markt-Sprecherin: "Es steht jedem Geschäftsführer frei, die freiwillige Rückgabemöglichkeit gegen Bargeld einzuschränken." Prinzipiell könne die Rücknahme bei mangelfreier Ware auch komplett verweigert werden. Rechtsanwältin Uhrig rät Kunden, sich im Zweifelsfall die Rückgabemöglichkeit schriftlich versichern zu lassen. Nur dann habe der Kunde gute Karten, den Artikel problemlos zurückgeben zu können.

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