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Werbesprech: Satt sind nur die Manager

Kolumne von Ralf Schwartz und Thomas Koch

Es gibt keine gesättigten Märkte, nur satte Manager, sagen Ralf Schwartz und Thomas Koch von Craft & Vision. Sie fordern mehr Mut zur Kannibalisierung der eigenen Marke.

Koch und Schwartz
Koch und Schwartz

Schwartz: Es gibt keine gesättigten Märkte… nur satte Manager.

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Koch: Wo hast du denn sowas Weises gelesen?

Schwartz: Das hat Werben&Verkaufen aus einem meiner Texte zu einer Artikel-Überschrift geadelt.

Koch: Das beschreibt sehr treffend viele unserer Märkte da draußen.

Schwartz: Ich weiß, z.B. Mobilfunk vor der Einführung von Simyo und Base. Der Biermarkt vor den ganzen neuen Einstiegsdrogen-Biermixes. Der Energiemarkt vor dem Atomausstieg.

Koch: Warum lassen sich die etablierten Marken und Unternehmen nur so einfach die Butter vom Brot nehmen?

Schwartz: Na, weil die Manager und Vorstandsmillionäre satt sind! Beispiel Mobilfunk: Telekom und Vodafone ergehen sich in Imagekampagnen mit Marktführeranspruch und meinen, den Markt unter sich aufteilen zu können. Die Kampagnen gehen zwar unter die Haut - aber sie enthalten keine Produkt-Differenzierung oder gar -Innovation. Die verletzbare Flanke wird ohne Not geöffnet.

Koch: Die Hungrigen fressen die Satten… Aber: Ohne sie gäbe es nicht die Märkte, in denen jetzt junge, hungrige und neue Marken eine Chance bekommen, sich auszutoben.

Schwartz: So kann man es auch sehen: ohne die Oligopole an schwerfälligen und satten Unternehmen gäbe es nicht einen einzigen Krümel für die kleinen, wendigen, frechen Spatzen.

Koch: Es könnte so schön sein. Allein mit den Satten. Wir führen noch mit der Kutsche. Morsten unsere Powerpoint-Präsentationen zum Kunden. Hätten Schwarz-Weiß-TV und kein Internet. Kein Wachstum, unsere Ruhe...

Schwartz: Genau, denn im Zweifel sorgen die Hungrigen für Innovation. Neue Marken wie Simyo und Base, die 2005 völlig neuartige Produkte, spricht Verträge, in den Markt einführten. Und zwar mit großem Erfolg.

Koch: Ich erinnere mich: Erst 2007 zieht die Telekom mit Congstar nach. Nach 2 Jahren! Und scheitert…  

Schwartz: Ein Produkt wie Base hätte ebenso gut von Telekom oder Vodafone kommen können. Wie es im Biermarkt - umgekehrt - die Marktführer um Beck’s, Krombacher und Co. waren, die die neue Vielfalt an Bier und Biermixes entwickelten. Beck‘s Gold: 2002, Beck’s Green Lemon: 2005, Beck’s Lime: 2011, etc.pp.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.10.2011, 12:07 UhrAnonymer Benutzer: ralf schwartz

    @Sunny Ade - Danke für die klaren Worte.

    Was aber könnte man dagegen tun? Und warum wäre das hilfreich?

  • 26.10.2011, 18:38 UhrAnonymer Benutzer: Sunny Ade

    "Werben, drücken und pressen und die Freiheit ist vergessen".

    Märkte sind niemals gesättigt, weil immer irgendwo wieder neue, wichtige "Waren" produziert und mit erheblichem Aufwand dort hinein gepresst werden. Sicher kann man immer wieder kleine Anbieter austricksen, als "Kunden" euphemisierte unwissende "Konsumenten" überrumpeln und sonstige hypnotisierte Massen vom Kauf ungemein notwendiger Gadgets, wie überflüssiger, entfremdender Tools, zu deren eigenem Nachteil, überzeugen.

    Der entsprechende, dafür notwendige Werbeaufwand in quasi monopolistisch aufgestellter und ebenso höriger Medienlandschaft, geht ja auch nur in die Milliarden und alle davon profitabel-betroffenen Menschen sind "käuflich"! besonders aber die schamlosen, ethisch ausgetrockneten Jubel-Verkäufer dieses erstickenden Warenüberangebots.

    Menschen werden zu domestizierten Singdrosseln des Werbemarkts und mit verkaufsfördernder "Über-bedarfsdeckungs-Werbung" erst zu den Lakaien einer industrie und ihre interessen künstlich bombardierenden Werbewelt, Menschen die so richtig ausgenommen, verhöhnt, zu Marionetten verkommen und überaus "Gewinn-bringend" mehrfach, koste es was es wolle, fremdverwertet werden.

    Die Apologetik und ideologie des angeblich notwendigen und auf-, wie überkonditionierenden Kaufzwangs im Einklang mit einer hohnlächelnden, positivistisch übertünchten pseudo Glückseligkeit, erzeugt durch überzogene Apparate und Technikglauben Strukturen, die noch mal so richtig absahnen wollen und daher um so notwendiger, jene stupide gehaltenen, roboterisierten vollverwertbaren, völlig entmündigten „Vollkonsumenten“ benötigen.

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