Werbesprech: "Selten war Werbung so eintönig"

kolumneWerbesprech: "Selten war Werbung so eintönig"

Bild vergrößern

Koch und Schwartz

Kolumne

Der Werbung fehlt es an Kreativität. Auch Innovation und Wertschöpfung sind eher Mangelware. Der westlichen Gesellschaft droht werbetechnisch der ideenlose Untergang. Das sagen Thomas Koch und Ralf Schwartz.

Koch: Was steht auf der Agenda unseres heutigen Werbesprechs?

Schwartz: Die Leute wollen Werbung, die sie endlich wieder hinter dem Ofen hervorlockt.

Anzeige

Koch: Die Leute kaufen doch eh, was da ist. Und die Marketing- und Werbefuzzis rangieren inzwischen ganz weit unten im Vertrauen, noch hinter Bankern und Beamten.

Schwartz: Marketing und Kommunikation mangelt es bei uns oft an Innovation und vor allem Wertschöpfung. Die globalen Player ziehen längst weiter und investieren lieber irgendwo anders. „Kernzielgruppen sind immer mehr junge Konsumenten in Asien und Afrika, hispanische Käufer in den USA und islamische Kunden im Mittleren Osten - für die nächsten 30 Jahre“, so Bob McDonald, der Chef des Konsumgüterriesen Procter & Gamble, zu dem so bekannte Marken gehören wie Blend-a-med, Olaz oder Ariel.

Koch: Und Agenturen folgen ihren Kunden, denn „Kunden wählen Agentur-Networks immer stärker nach ihren Talenten und Kompetenzen im asiatischen Raum“, sagt John Wren, der Chef des US-Werbekonzerns Omnicom.

Schwartz: Klingt fast apokalyptisch, ist aber leider wahr. Unser reicher Westen wird von vielen als alt, hochverschuldet und ideenlos angesehen - jedenfalls im Vergleich zu den eher jungen, schwungvollen und aufstrebenden Märkten.

Koch: Die gesamte Kommunikation muss sich der Zeit anpassen, ihr im Idealfall sogar vorauseilen.

Schwartz: Heute sind Web, Digitalisierung und Mobilität die Treiber von Innovation und Kreativität. Aber eben längst nicht mehr Marketingleute und Agenturen.

Koch: Dann sind wir nicht nur im neuen globalen Nullsummenspiel die Verlierer. Selbst der deutsche Michel treibt die Werbung inzwischen vor sich her. Und Marketing und Agenturen rennen der Zeit eindeutig hinterher.

Schwartz: Kein Wunder: Jahrelang hockte die Agentur vor dem Internet wie das Kaninchen vor der Schlange. Aber die Agenturen sind nicht alleine schuld. Das Marketing muss sie herausfordern - zu Innovation und revolutionärer Kommunikation.

Koch: Das Marketing? Wo ist denn bitte DAS Marketing? Das wurde längst aller Verantwortung beraubt, hat seine Führungsposition verloren und beschäftigt sich nur noch mit Reklame. Die Unternehmen sind selbst schuld, wenn sie nicht führen. Stattdessen interessiert sie nur noch das nächste Quartalsergebnis.

Schwartz: Der Fehler liegt im System. Es muss doch möglich sein, dass Marketing, Kommunikation und Agentur an einem Strang ziehen - und auf Augenhöhe mit ungeduldigen Konsumenten reden.

Koch: Möglich? Das ist mehr als dringend. Selten war Werbung so eintönig. Seit der Einführung des Return on Investment im Marketing beschleicht einen sowieso das Gefühl, jede Kampagne und jeder Mediaplan entstamme dem Computer.

Schwartz: Ja, dem Computer des Controllers. Konsumenten fordern das genaue Gegenteil: Sie wollen mit ihren Problemen ernstgenommen werden, sie wollen Lösungen statt banaler Reklame.

Koch: Zumindest Telekom und Bahn haben reagiert mit @Telekom_hilft und @DB_Bahn via Twitter. Bezeichnenderweise hat das in beiden Fällen die Unternehmensspitze verstanden und Maßnahmen ergriffen, obwohl der Return on Investment zuvor nicht auszurechnen war. Das lässt hoffen.

Schwartz: Wenn es nicht nur Feigenblatt ist für fehlenden Service, fehlende Produktqualität, -kreativität und -innovation!? Wir brauchen ein neues Denken. Alter Wein in neuen Schläuchen reicht längst nicht mehr.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%