Werksschließung: Nokia sucht in Ulm dringend neue Mitarbeiter

Werksschließung: Nokia sucht in Ulm dringend neue Mitarbeiter

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Nokia-Angestellte vor dem Werk in Bochum

Für die leidgeprüften Nokia-Mitarbeiter in Bochum muss es sich wie Hohn anhören: Während in Bochum tausende Mitarbeiter auf die Straße gesetzt werden, sucht Nokia in Ulm neue Ingenieure. Trotzdem trudeln in Ulm wenige Bewerbungen aus Bochum ein - aus gutem Grund.

Wenn der Eselsberg sprechen könnte, dann wüsste die Anhöhe vor Ulm von der Evolution der Mobilfunkherstellung in Deutschland zu erzählen. AEG, Siemens, BenQ und Nokia – alle haben sie hier Telefone entwickelt. Geblieben sind nur die Finnen, und im Gegensatz zu Bochum baut Nokia sein Entwicklungszentrum in Schwaben sogar aus. Fast im Tagesrhythmus schreibt Nokia seit Anfang Februar Stellen aus. Ob Antennen-Designer, Projektmanager oder „Line Manager User Interface Hardware Stream“ – Nokia braucht dringend Ingenieure.

Bewerbungen aus Bochum gibt es erst wenige. Bis zuletzt hofften die Beschäftigten auf die Rettung ihres Standortes. Außerdem sind die offenen Stellen für Entwickler und Ingenieure interessant, der Großteil der Bochumer Mitarbeiter waren jedoch in der Produktion tätig. Doch in Bochum wurden Mobiltelefone nicht nur zusammengebaut, sondern auch entwickelt - zum Beispiel das Multimedia-Handy N81. Eines von weltweit acht Research Centern steht in Bochum, wo Techniken entwickelt werden, die in fünf bis zehn Jahren zur Marktreife kommen könnten. Mit etwa zehn Millionen Euro unterstützte das Bundesforschungsministerium diese Projekte zur Grundlagenforschung. Was liegt näher, als im Ruhrgebiet die Forschung- und Produktentwicklung zu erhalten? „Wir haben Kapazitätsengpässe“, sagt der Ulmer Betriebsrat Werner Hammer, „eine Kooperation wäre ein Erfolg für beide Standorte.“ Darüber soll zwischen Konzern und Betriebsrat noch einmal gesprochen werden, aber die Chancen stehen schlecht.

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Keine vernünftige Zusammenarbeit möglich?

„Ich denke, das ist kaum möglich“, sagt der Leiter des Standortes Ulm, Anton Stock. Trotz modernster Kommunikation sei an zwei Standorten eine effektive Zusammenarbeit nicht möglich. Hinzu kommt, dass Nokia seine Forschungs- und Entwicklungsabteilungen seit einiger Zeit umstrukturiert und auf wenige größere Einheiten setzt. „Wir profitieren davon, wenn viele Leute in einer großen Abteilung zusammenarbeiten, statt in zwei kleinen“, sagt Antti Vasara, Spartenchef für die Entwicklung von Mobiltelefonen. In Bochum, allerdings auch an mehreren anderen Standorten, wurden vor allem hochwertige Smartphones entwickelt.

In Bochum arbeitet mit etwa 120 Mitarbeitern das kleinste Team. Die Ulmer Ingenieure entwickeln Telefone der mittleren Preisklasse, wie das 6300 – Nokias meistverkauftes Handy in Europa. „Ulm ist für uns ein sehr wichtiger Standort, wir werden hier weiter investieren“, sagt Vasara, konkrete Zahlen will er allerdings nicht nennen. In den vergangenen Jahren ist das Entwicklungszentrum beständig gewachsen, etwa 450 Mitarbeiter sind jetzt in Ulm angestellt.

Aber auch die Ulmer fragen sich nach der überraschenden Schließung in Bochum, wie sicher ihr Arbeitsplatz ist. Zu viele Umbrüche haben sie schon erlebt. Ende der Achtziger Jahre hatte der damalige Ministerpräsident Lothar Späth das Projekt „Science Park“ auf dem Eselsberg neben der Universität ins Rollen gebracht. AEG war eines der ersten Unternehmen, das hier eine Forschungsstätte bezog. Die Kommunikationssparte der AEG hatte der französische Matra-Konzern von Daimler Benz übernommen und dann gemeinsam mit der kanadischen Nortel betrieben. Vor zehn Jahren gab das Unternehmen den Standort Ulm auf, und Nokia übernahm die Entwicklungsabteilung mit 250 Mitarbeitern. Wie lange es noch weiter geht, ist unklar. „Heutzutage kann man keine langen Garantien abgeben“, sagt Vasara, „aber in fünf Jahren wird es Nokia in Ulm noch geben.“

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