WestLB: Versuch macht klug: Die erste Bad Bank funktioniert

KommentarWestLB: Versuch macht klug: Die erste Bad Bank funktioniert

von Anke Henrich

Die Erste Abwicklungsanstalt in Düsseldorf (EAA), vulgo die Bad Bank für ausgelagerte Risiko-Papiere und überzählige Geschäftsbereiche der WestLB, hat ihre Bilanz für das erste Geschäftsjahr (2009/2010) vorlegt. Ihr Geschäftsmodell - in höchster Not, ziemlicher Eile und ohne Vorbild im vergangenen Jahr gestrickt - scheint zu funktionieren und könnte zum Vorbild für andere trudelnden Banken werden. Auch wenn es noch mindestens zwei Haken gibt.

Papiere und Beteiligungen mit einem Buchwert von 77 Milliarden Euro liegen seit dem Start 2009 in den Händen der bislang nur 33 EAA-Mitarbeiter. Ihr Auftrag lautet, im Laufe der nächsten, nicht festgeschriebenen Jahre diese Assets zum jeweils bestmöglichen Zeitpunkt zu verkaufen. Eine Herkulesaufgabe, denn ihr Bauchladen beinhaltet alles von US-Subprime-Ramsch über gedeihliche Staats- und Unternehmensanleihen bis zu derzeit begehrten, weil vom Kunden gut bedienten, Kreditfinanzierungen.

Erst seit wenigen Monaten steht die Truppe – und arbeitet gut. 11,9 Prozent ihres Portfolios hat sie inzwischen an den Mann bringen können. Einerseits sind Käufer, vor allem internationale Banken, für Kredite, handelbare Wertpapiere sowie strukturierte, also gebündelte und umetikettierte Kredit- bzw. Wertpapierpakete gefunden worden. Andererseits hat die Abwicklungsbank ihr Recht genutzt, Kreditlinien zu ziehen. Den Steuerzahler darf’s freuen, manchen WestLB-Kunden weniger.

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Insgesamt sind so 9,2 Milliarden Euro in die EAA-Kasse gespült worden. Das Glück der EAA ist derzeit das Unglück aller Anleger: für überschaubares Risiko gibt es weltweit nur mickrige Zinsen, da sind die risikoärmeren Papiere aus dem Düsseldorfer Depot gefragt. Das operative Ergebnis vor Risikovorsorge liegt für die Düsseldorfer bei 200 Millionen Euro.

Die Vorstände schwören Stein und Bein, dass sie nicht zwecks gutem Start die aussichtsreichsten Papiere der rund 6600 Einzelpositionen verscherbelt haben, sondern strategisch wertvolle und mit langem Horizont gefragte Papiere halten. Die haben teilweise Laufzeiten bis 2090, da treffen sich alle Verantwortlichen längst six feet under.

Zugleich aber muss die EAA den Vorgaben des Handelsgesetzbuches folgend 1,4 Milliarden Euro für mögliche Ausfälle aus dem gesamten Bauchladen zurückstellen. Die zahlt sie aus dem Eigenkapital, dass ihr das Land Nordrhein-Westfalen und die dortigen Sparkassenverbände als Eigentümer der WestLB mit auf den Weg gegeben haben. Das Ausfallrisiko deckt aber auch das nicht: Das liegt weit höher und Sparkassen beziehungsweise das Land haben dafür weiter Garantien von je 4,5 Milliarden übernommen.

Trotz Verlust wegen der Risikovorsorge: Das Konzept scheint zu funktionieren. Die Frage ist nur: Wie viel Ballast kann man in die EAA kippen? Sollten tatsächlich WestLB und die schwer gebeutelte Bayerische Landesbank zusammengehen, läge die Idee nahe, den Schrott der Münchener doch auch gleich der EAA zu überantworten. Juristen arbeiten im Hintergrund bereits daran, das eigentlich auf WestLB-Überbleibsel beschränkte Portfolio zu öffnen. Begeistert klingen die beiden EAA-Chefs, die mühsam eine auf die WestLB-Assets zugeschnittene Spezialistentruppe angeheuert haben, darüber nicht.

Hochgiftiges im Extra-Paket

Doch wie wollten sie klagen? Die inzwischen verstaatlichte Hypo Real Estate (HRE) hat soeben mit Hilfe des Bankenrettungsfonds Soffin zweifelhafte Darlehen und Wertpapiere im Wert von 173 Milliarden Euro in eine Bad Bank abgeschoben. Geht doch, wird man in München sagen.

Auch an anderer Stelle darf man sich wundern bei der Konstruktion der Düsseldorfer EAA . Die womöglich schlimmsten Papiere von allen hat die WestLB schon vor der eigentlichen EAA-Gründung im so genannten Phönix-Paket zusammengeschnürt. Allein die EAA muss rund eine Milliarde Euro von ihren insgesamt 1,4 Milliarden Rückstellungen dafür hergeben. Das kostet sie rund ein Drittel ihres Eigenkapitals und sie würden es nicht machen, lägen die Ausfallwahrscheinlichkeiten nicht über 50 Prozent.

Die Assets in dem Phönix-Paket werden aber nicht von den Mitarbeitern der EAA verwaltet, sondern von der externen – und wohlbeleumdeten – Fondsgesellschaft Pimco. Die wiederum ist nur dem Land NRW und den dortigen Sparkassenverbänden verpflichtet – Verluste aus den Papieren aber muss die EAA tragen. Einfluss können die Düsseldorfer Chefs auch hier nur nehmen, in dem sie ihre Sicht der Dinge dem NRW-Finanzminister und den Sparkassen-Bossen einflüstern.

Man muss sich wohl einiges bieten lassen als Vorstand einer Abwicklungsbank.

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