Inzwischen ist sogar Greenpeace unter die Lottoanbieter gegangen. Gemeinsam mit Organisationen wie Misereor, WWF, Unicef und Welthungerhilfe betreiben die Umweltschützer in Nordrhein-Westfalen „Unsere Welt – die Lotterie für Mensch und Natur“. Die Loseinnahmen fließen unter anderem in Maßnahmen zum Schutz des Wattenmeeres oder Initiativen gegen Kinderarmut. Zu gewinnen gibt es maximal eine Million Euro – mehr lassen die staatlichen Aufseher in den Finanzministerien nicht zu.
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Sie berufen sich dabei auf das Glücksspielmonopol des Staates: Der natürliche Spieltrieb der Bevölkerung solle so in geeignete Bahnen gelenkt werden. Die besonders lukrativen Spiele behalten sich die staatlichen Lottogesellschaften lieber selbst vor. „Der Staat legitimiert seine eigenen Lotterien unbegrenzt, die anderen dürfen sich bestenfalls mit Brosamen abgeben“, klagt der Geschäftsführer einer gemeinnützigen Organisation.
Doch immerhin erhalten gemeinnützige Organisationen vom Staat eine Lizenz zum Glücksspiel, wenn auch mit entsprechenden Auflagen. Private Anbieter, die allein unternehmerische Ziele verfolgen, können das vergessen. Es sei denn, sie haben ihre alten DDR-Lizenzen in das neue Deutschland hinübergerettet: Daher dürfen etwa Betandwin und Sportwetten Gera Wetten in Eigenregie veranstalten.
Die anderen Privatunternehmen müssen sich auf die Gründung so genannter gewerblicher Spielgemeinschaften beschränken: Sie betreiben keine eigenen Lotterien, sondern bieten für die bestehenden Glücksspiele lediglich einen besonderen Service an – wie Faber mit seinen vom Computer ausgespuckten Zahlenreihen. In den vergangenen Jahren ist der Umsatz der gewerblichen Spielgemeinschaften von 200 Millionen auf etwa 600 Millionen Euro gestiegen. Nach dem neuen Staatsvertrag unterliegen die Spielvermittler künftig stärkerer Aufsicht – irreführende Werbung soll ebenso unterbunden werden wie undurchsichtige Gebühren.
Zu den Spielvermittlern zählen auch Unternehmen wie Tipp24 oder fluxx.com,die ebenfalls keine eigenen Lotterien anbieten, aber Glücksspiele über das Internet vermitteln. Bislang können sie sich über steigende Erlöse freuen: 100 Millionen Euro setzte Tipp24 im vergangenen Jahr um, Konkurrent fluxx.com brachte es auf 82 Millionen Euro; beide erwirtschaften Gewinne. Bei der fluxx.com-Tochter Jaxx können Spieler unter einer einzigen Kennnummer an verschiedenen Spielen teilnehmen. „Allein im vergangenen Jahr sind die Online-Umsätze in Deutschland um rund 50 Prozent gewachsen“, sagt Jaxx-Geschäftsführer Neil Steinberg. Freilich von einem niedrigen Niveau aus: Denn weniger als drei Prozent der Lottoeinsätze werden in Deutschland über das Internet gespielt. In skandinavischen Ländern machen die Online-Umsätze bereits sieben Prozent des Marktes aus.
Doch Steinberg hat bereits andere Märkte im Visier. Künftig will er mehr Glücksspiele über das Handy vermitteln. Und schon bald, so hofft er, werden sich Livewetten am heimischen Fernseher durchsetzen, wie sie heute schon etwa bei Betandwin möglich sind. Noch während der Übertragung wetten die sportbegeisterten Deutschen dann, wer den olympischen Marathon gewinnt oder welcher Fußballer das nächste Tor erzielt.













