Windenergie: Vom sinkenden Schiff zum Jobmotor

Windenergie: Vom sinkenden Schiff zum Jobmotor

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Windradpark im Schwarzwald: Nach Branchenschätzung sollen bald 200.000 Menschen in der Branche arbeiten

In Deutschland entwickelt sich eine ganz neue Industrie heraus: die Windradhersteller. Bald sollen 200.000 Menschen in dieser Branche arbeiten - zurzeit sind es 80.000. Aus den Windrädern sollen bald Konjunkturmaschinen werden.

Der Wind ist Ursprung beider Technologien: Die ersten Schiffe waren zwar Ruderboote, bald machten sich die Menschen aber den Wind zunutze, um Schiffe über die Meere zu treiben - irgendwann 10.000 vor Christi. Das stromerzeugende Windrad ist neueren Datums. Und beide Techniken hängen offenbar eng zusammen.

Das erste Windrad wurde 1970 an der norddänischen Küste aufgestellt und wirbelte so stark, dass seine Flügel bald schon abbrachen und zu Boden fielen. Dann wurde es professioneller. Am 6. Juli 1983 ging in Deutschland die erste Großtestanlage für einen Megamast mit Flügeln in Betrieb. Dem 100 Meter hohen Windrad Growian, die Fortsetzung deutscher Großmannssucht auf dem Feld der Windenergie, war so hoch, dass es kaum zu warten war. Das Windrad in Marne im schleswig-holsteinischen Dithmarschen, wo der Wind besonders heftig zu wehen pflegt, konnte meist nicht repariert werden, weil Kräne häufig schon umzufallen drohten, bevor sie die lichten Höhe der reparaturbedürftigen Windflügel erreichten. Windradmechaniker glichen todesmutigen Höhenrettern, die weit über der dithmarscher Einöde baumelten und an den Schaufelrädern um sich selbst schlingernd herumschraubten.

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Windräder ersetzen keine Kernkraftwerke, sondern Schiffswerften

1987 wurde Growian abgebaut. Seine Flügel sind heute im Technikmuseum in Sinsheim zu bewundern. 1988 dann der nächte große Schritt: Am Kaiser-Wilhelm-Koog, ebenfalls in Dithmarschen, entstand der erste deutsche Windpark mit 30 Windrädern - eine Sensation, die damals von Kernkraftwerksbefürwortern und Kohlekraftingenieuren allerdings belächelt wurden.

Das Lächeln der Atomphysiker hält bis heute an. Nur, dass sich die Windparks weltweit ausdehnen und zu einer Industrie werden und immer mehr Arbeitsplätze entstehen. Doch ersetzen die Windräder - wider Erwarten - zwanzig Jahre später nicht die Atommeiler und Steinkohleverstromer, sondern die Werften. Sie sind die letzte Chance der Schiffsbauer einen absterbenden Wirtschaftszweig arbeitsplatzschonend zu überleben - indem sie Windräder statt Schiffsräume zusammenschweißen. So will ThyssenKrupp den Zivilteil seiner Schiffsschmiede Nordseewerke Emden, wo früher Containerschiffe für deutsche Reederein gebaut wurden, an einen Windradhersteller aus dem Westerwald verkaufen. Das Familienunternehmen Siag Schaaf beabsichtigt 40 Millionen Euro in die Werftanlagen zu investieren und die Werftarbeiter vollständig zu übernehmen. Auch der Containerteil der ThyssenKrupp-Werft HDW in Kiel soll an einen Windradhersteller gehen.

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