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Windenergie: Vom sinkenden Schiff zum Jobmotor

von Andreas Wildhagen

In Deutschland entwickelt sich eine ganz neue Industrie heraus: die Windradhersteller. Bald sollen 200.000 Menschen in dieser Branche arbeiten - zurzeit sind es 80.000. Aus den Windrädern sollen bald Konjunkturmaschinen werden.

Windradpark im Schwarzwald: Quelle: dpa
Windradpark im Schwarzwald: Nach Branchenschätzung sollen bald 200.000 Menschen in der Branche arbeiten Quelle: dpa
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Der Wind ist Ursprung beider Technologien: Die ersten Schiffe waren zwar Ruderboote, bald machten sich die Menschen aber den Wind zunutze, um Schiffe über die Meere zu treiben - irgendwann 10.000 vor Christi. Das stromerzeugende Windrad ist neueren Datums. Und beide Techniken hängen offenbar eng zusammen.

Das erste Windrad wurde 1970 an der norddänischen Küste aufgestellt und wirbelte so stark, dass seine Flügel bald schon abbrachen und zu Boden fielen. Dann wurde es professioneller. Am 6. Juli 1983 ging in Deutschland die erste Großtestanlage für einen Megamast mit Flügeln in Betrieb. Dem 100 Meter hohen Windrad Growian, die Fortsetzung deutscher Großmannssucht auf dem Feld der Windenergie, war so hoch, dass es kaum zu warten war. Das Windrad in Marne im schleswig-holsteinischen Dithmarschen, wo der Wind besonders heftig zu wehen pflegt, konnte meist nicht repariert werden, weil Kräne häufig schon umzufallen drohten, bevor sie die lichten Höhe der reparaturbedürftigen Windflügel erreichten. Windradmechaniker glichen todesmutigen Höhenrettern, die weit über der dithmarscher Einöde baumelten und an den Schaufelrädern um sich selbst schlingernd herumschraubten.

Windräder ersetzen keine Kernkraftwerke, sondern Schiffswerften

1987 wurde Growian abgebaut. Seine Flügel sind heute im Technikmuseum in Sinsheim zu bewundern. 1988 dann der nächte große Schritt: Am Kaiser-Wilhelm-Koog, ebenfalls in Dithmarschen, entstand der erste deutsche Windpark mit 30 Windrädern - eine Sensation, die damals von Kernkraftwerksbefürwortern und Kohlekraftingenieuren allerdings belächelt wurden.

Das Lächeln der Atomphysiker hält bis heute an. Nur, dass sich die Windparks weltweit ausdehnen und zu einer Industrie werden und immer mehr Arbeitsplätze entstehen. Doch ersetzen die Windräder - wider Erwarten - zwanzig Jahre später nicht die Atommeiler und Steinkohleverstromer, sondern die Werften. Sie sind die letzte Chance der Schiffsbauer einen absterbenden Wirtschaftszweig arbeitsplatzschonend zu überleben - indem sie Windräder statt Schiffsräume zusammenschweißen. So will ThyssenKrupp den Zivilteil seiner Schiffsschmiede Nordseewerke Emden, wo früher Containerschiffe für deutsche Reederein gebaut wurden, an einen Windradhersteller aus dem Westerwald verkaufen. Das Familienunternehmen Siag Schaaf beabsichtigt 40 Millionen Euro in die Werftanlagen zu investieren und die Werftarbeiter vollständig zu übernehmen. Auch der Containerteil der ThyssenKrupp-Werft HDW in Kiel soll an einen Windradhersteller gehen.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.09.2009, 18:51 UhrAnonymer Benutzer: vandale6906

    Wind of Change..... Finden Sie in die Wirklichkeit zurueck

    Die Windstromeinspeisung schwankt in Deutschland gem. der UTC und der bDEW Daten gem. den Launen des Windes zwischen etwa 0 und 20.000 MW. Tagesschwankungen von bis zu 14.000 MW kommen vor. Zum Ausgleich dieser Schwankungen werden zahlreiche Kraftwerke befeuert in bereitschaft gehalten. An manchen Tagen uebersteigt der Energieverbrauch der in bereitschaft gehaltenen Kraftwerke die Windstromeinspeisung. Deshalb kann Windstrom keine Kraftwerke ersetzen, lediglich ein Teil der brennstoffkosten wird gespart. Die Kosten fuer Kohle liegen bei 1 - 2 c/KWh. Kernbrennstoff kostet etwa 0,5c/KWh. Ein Marktpreis fuer derartigen Zufallsstrom koennte bei etwa 1c/KWh liegen. Die EEG Einspeiseverguetung (Subvention) fuer den umweltschaedlichen Windstrom liegt bei 9.2 + 0.5c/KWh Land je nach Windertrag fuer knapp 20 Jahre. Da eine Windmuehle in der Regel nicht einmal die betriebskosten erwirtschaftet werden diese nach Ablauf der Subventionsperiode durch neue umweltschaedliche Windmuehlen ersetzt (Repowering).

    Vandale

    Wenn Sie ein wenig Wirklichkeit vertragen, so habe ich einen Artikel geschrieben : Ein wenig Kritik an der Windenergie www.oekoreligion.npage.de

  • 15.09.2009, 17:48 UhrAnonymer Benutzer: Wind of change

    @Vandale. Windenergie ist die effektivste regenerative Energie bis heute. ihr Preis ist bis auf ca. 1,5 cent pro KWST an fossile Großkraftwerks Energie herangekommen, in Kürze wird Augenhöhe erreicht werden. Die modernern High Tech Anlagen sind inzwischen bei durchschnittlich 3 bis 4 MW angekommen, bei konsequentem Repowering können spätestens bis 2030 zusammen mit der off-shore Technik ca 50 % des Strombedarfs Deutschlands allein mit Windstrom gedeckt werden. Das sind die Fakten leicht zu ergoogeln. Es bleibt völlig schleierhaft, woher Sie ihre behauptungen zur angeblich teuren und low Tech Windenergie haben. Vielleicht ein Geahltsempfänger von RWE und Co ?

  • 15.09.2009, 13:37 UhrAnonymer Benutzer: Genau

    in mehreren Kommentaren und Streitgesprächen zwischen z.b. Trittin und Vertretern der Energiewirtschaft wird immer wieder angeprangert, dass sich die Energiewirtschaft sperren würde die Netze so auszubauen, dass sich z.b. Energie aus Windkraftwerken problemlos einspeisen lassen würde. Da dies eine Grundvoraussetzung ist nehme ich mal an, dass erst einmal das Stromnetz mit Milliarden ausgebaut werden muss bevor hier überhaupt etwas in Richtung mehr Arbeitsplätze gehen kann. Außerdem gibt es ja wohl Zuschüsse und hierdurch werden wohl Fonds platziert. Liege ich da falsch?! Trotzdem bin ich natürlich für regenerative Energien, wenn es sich rechnet....und zwar in der Umweltbilanz und nicht nur für die Anbieter auf Grund von Umverteilung.

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