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Windkraft: Windkraft: Wenn Stürme zu Strom werden

von Helmut Steuer Quelle: Handelsblatt Online

Ein gigantischer Windpark in der Nordsee soll zwei Prozent des Strombedarfs in Dänemark decken. Das Kraftwerk sprengt alle Rekorde. Die Deutschen trauen sich dagegen nur zögerlich an Offshore-Projekte.

Windanlagen in Deutschland: Dänemark prescht im Offshore-Bereich vor. Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com
Windanlagen in Deutschland: Dänemark prescht im Offshore-Bereich vor. Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com

STOCKHOLM. Hochspannung an der dänischen Nordseeküste: Rund 30 Kilometer vor Esbjerg wird am heutigen Donnerstag der größte Offshore-Windpark der Welt eingeweiht: Horns Rev II besteht aus 91 vom Münchener Siemens-Konzern entwickelten Turbinen, die auf einem Areal von etwa 35 Quadratkilometern aufgestellt wurden. Die Gesamtleistung der Anlage beträgt 209 Megawatt. Damit lassen sich rund 200 000 dänische Haushalte und einige Großunternehmen mit Strom versorgen.

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Beim Betreiber der Riesen-Anlage, dem dänischen Stromkonzern Dong, spricht man von einem "historischen Tag". Tatsächlich bricht der gigantische Hochsee-Windpark viele Rekorde: Nicht nur, dass er zunächst der größte der Welt sein wird, auch die Baukosten von rund 470 Mio. Euro sprengen alle bisherigen Investitionen in die kohlendioxidfreie Energie. Niemals zuvor wurde zudem eine Wohnplattform in die Anlage integriert. Sie soll es - wie bei Ölplattformen üblich -, möglich machen, dass Wartungspersonal vor Ort übernachten kann. Und: Der Abstand zur Küste war mit 30 bis 40 Kilometern nie so groß wie bei Horns Rev II.

Die 91 Windkraftwerke wurden auf dem Horns Rev errichtet, einer Sandbank mit nur neun bis 17 Metern Wassertiefe. An dem Projekt war unter anderem das deutsche Bauunternehmen Bilfinger Berger beteiligt. Durch den Standort auf einer Sandbank ist auch die Berufsschifffahrt in der Nordsee-Region nicht beeinflusst: Sie muss in jedem Fall einen großen Bogen um die Untiefen herum machen.

Mit der Inbetriebnahme von Horns Rev II macht Dänemark einen weiteren großen Schritt Richtung umweltverträglicher Energieversorgung. Die neue Anlage, die insgesamt 800 Gigawattstunden pro Jahr liefern soll, wird etwa zwei Prozent des gesamten dänischen Stromverbrauchs decken. Zusammen mit dem in der Nähe bereits vor fünf Jahren in Betrieb genommenen Windpark Horns Rev I und vielen tausend weiteren Windkrafträdern und -parks deckt die stürmische Energie mittlerweile mehr als ein Fünftel des gesamten Strombedarfs in Dänemark ab. Bis 2012 soll der Anteil erneuerbarer Energien noch einmal um rund 40 Prozent erhöht werden. Kein Wunder, dass der größte Windanlagenhersteller der Welt, Vestas, aus Dänemark kommt.

Dieses Mal hat sich der staatlich kontrollierte Energiekonzern Dong allerdings für Turbinen von Siemens entschieden. Warum der einheimische Lieferant übergangen wurde, will bei dem Unternehmen niemand sagen. Allerdings dürften Probleme bei den von Vestas aufgestellten Windturbinen in Horns Rev I zu der Entscheidung beigetragen haben: Schon kurz nach der Einweihung des Windparks mit seinen 80 Kraftwerken setzte die salzhaltige, feuchte Nordseeluft den Anlagen dermaßen zu, dass die riesigen Rotoren und Transformatoren wieder abgebaut und repariert werden mussten. Es war nicht nur ein enormer Imageschaden für Vestas und den Transformatoren-Zulieferer ABB, sondern auch ein finanzielles Debakel, das mit 30 Mio. Euro zu Buche schlug.

Die Siemens-Sparte Wind Power gibt sich dagegen zuversichtlich, dass ihre Anlagen den aggressiven Nordseestürmen widerstehen werden. Die Rotorblätter sind aus einer patentierten Mischung aus Balsaholz, Epoxid und Fiberglas. Damit weder Feutigkeit noch Salz den hochsensiblen Anlagen zusetzen, werden sie mit einer Spezialfarbe versiegelt.

Wenn heute der dänische Kronprinz Frederik in Gegenwart des dänischen Premiers Lars Løkke Rasmussen Horns Rev II einweiht, muss sich der Betreiber Dong keine Sorgen über die Stromabnahme machen: Mehrere Gemeinden und die Pharma-Konzerne Novo Nordisk sowie Novozymes haben bereits langfristige Lieferverträge unterzeichnet.

Vor dem Weltklimagipfel im Dezember in Kopenhagen kann Dänemark mit der erneuerbaren, kohlendioxidfreien Energie punkten: Kein anderes Land auf der Welt hat einen so hohen Windenergie-Anteil wie das kleine Königreich.

Vor deutschen Küsten stehen erst wenige Windräder

DÜSSELDORF. In Deutschland fallen die Erfolgsmeldungen weit bescheidener aus als in Dänemark: Im Juli wurde überhaupt erst das erste Windrad auf hoher See installiert - im Testfeld Alpha Ventus vor der Nordsee-Insel Borkum -, und im August landeten die ersten Kilowattstunden Strom an Land. Gemessen am ambitionierten Ziel, die Offshore-Windkraft zu einer wichtigen Säule der deutschen Stromversorgung zu machen, kommt die Technologie hierzulande nur schleppend voran.

Um den Bau voranzutreiben, hat das Bundeskabinett gestern einen Vorrangplan für Offshore-Flächen in der Nordsee verabschiedet. Demnächst soll ein Plan für die Ostsee folgen. Damit soll der Bau von Windrädern in der sogenannten ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) erleichtert werden.

In dieser Zone zwischen zwölf und 200 Kilometern vor seiner Küste muss ein Staat stärker als in Küstennähe die Belange der internationalen Schifffahrt berücksichtigen. Nach Angaben des zuständigen Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung kommt es in diesen Regionen auch häufiger zu Konflikten mit den Umweltschutz auf dem Meer. Der nun beschlossene Plan soll demnach erlauben, schon in einer frühen Planungsphase die Belange der beteiligten Energiekonzerne, der Umweltschützer und der betroffenen Schifffahrt aufeinander abzustimmen.

Derzeit sind nach Angaben der Behörde in Deutschland rund 40 Offshore-Windparks in Planung, die rund zwölf Millionen Haushalte mit Strom versorgen sollen. Bis 2020 sollen so rund 2000 Windräder mit einer Kapazität von 12 000 Megawatt Strom stehen. Das wäre knapp die Hälfte der Zielmarke von 25 000 Megawatt, die das Erneuerbare-Energien-Gesetz bis 2030 vorsieht.

Genehmigt sind bereits 25 Projekte, 22 in der Nordsee und drei in der Ostsee. Rund ein Dutzend weitere befinden sich schon in einem fortgeschrittenen Genehmigungsverfahren. Dass die geplanten Anlagen aber auch zügig gebaut werden, wird von vielen Branchenexperten bezweifelt.

Denn zum einen gibt es nach wie vor große technische Probleme, um die Anlagen in den großen Wassertiefen zu verankern. In Deutschland werden die Anlagen schließlich besonders weit vor der Küste geplant - Alpha Ventus etwa ist 40 Kilometer von Borkum entfernt, das Wasser ist dort 25 Meter tief. Auch die Anbindung an das deutsche Stromnetz erweist sich deshalb als schwierig. Im Zuge der Finanzkrise bekommen kleinere Projektgesellschaften zudem Schwierigkeiten mit der Finanzierung. HB

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