Windows Phone 7: Letzte Chance für Microsoft

Windows Phone 7: Letzte Chance für Microsoft

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Achim Berg, Vorsitzender der Geschäftsführung Microsoft Deutschland und Area Vice President International

von Matthias Hohensee und Michael Kroker

Im mobilen Internet ist Microsoft zum Zwerg geschrumpft. Das neue Handy-Betriebssystem Windows Phone 7 soll nun die Wende bringen. Ein Deutscher hat dabei die Fäden in der Hand und soll das verkorkste Mobilfunkgeschäft retten.

Der Mann hat den härtesten Job der Softwarebranche. Dafür wirkt er erstaunlich gelassen und entspannt, ja fröhlich. Falls er doch Zweifel haben sollte, kann er sie verdammt gut verbergen.

Doch was, wenn der Plan nicht funktioniert? Wenn das neue Handy-Betriebssystem Windows Phone 7 von Microsoft floppt, wenn es nicht gegen das erfolgreiche  iPhone von Apple und die wachsende Armada von Mobiltelefonen mit der Software Android von Google ankommt?

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"Das klappt. Ich weiß das, weil unsere Partner, die Mobiltelefongesellschaften, von den Windows-Smartphones begeistert sind", sagt Achim Berg und tätschelt seine Umhängetasche. In ihr verbirgt sich eine ganze Palette neuer internetfähiger Handys, also Smartphones, die mit dem neuen Microsoft-Betriebssystem arbeiten.

Berg ist der ehemalige Deutschland-Chef von Microsoft. Im Mai hat ihn Konzernchef Steve Ballmer in die Unternehmenszentrale in Redmond bei Seattle berufen, wo Berg nun der ranghöchste deutsche Manager ist. Der 46-Jährige will das scheinbar Unmögliche erreichen – er soll Microsoft zu einer Größe im Handymarkt machen.

Offiziell wird Windows Phone 7 an diesem Montag, dem 11. Oktober, weltweit vorgestellt. Zu den Partnern beim Marktstart gehören die Handyhersteller HTC aus Taiwan sowie Samsung und LG aus Korea.

Verkorkste Mobilfunkstrategie

Bergs Agenda ist die anspruchsvollste in der 35-jährigen Microsoft-Geschichte. Denn Windows Phone 7 ist die mit Abstand wichtigste Markteinführung eines Microsoft-Produkts seit Langem. Es gibt derzeit schlicht keine wichtigere Aufgabe bei dem größten Softwarekonzern der Welt.

Berg muss nichts Geringeres vollbringen als die verkorkste Mobilfunkstrategie von Microsoft umdrehen. Denn nach anfänglichen Erfolgen ist der Weltmarktführer bei Betriebssystemen ("Windows") und PC-Software ("Office") im Handygeschäft fast eine zu vernachlässigende Größe geworden. Microsoft kommt weltweit auf einen Anteil von nur noch rund fünf Prozent. Um das zu ändern, muss Berg die bisher überlegenen Wettbewerber Research in Motion (RIM) mit dem Business-Smartphone Blackberry, Google mit Android und vor allem Apple mit dem iPhone maximal angreifen. Gleichzeitig muss er verhindern, dass nicht auch noch die zukunftsträchtigen mobilen internetfähigen Flachcomputer auf Betriebssystemen der Wettbewerber laufen. Hewlett-Packard (HP) etwa hat im Mai den Smartphone-Pionier Palm übernommen. Dadurch angelte sich der weltgrößte Computerhersteller ein eigenes mobiles Betriebssystem, das angeblich auf HP-Tablet-Computern installiert werden soll. Und Dell nutzt auf seinem neuen Tablet-Computer Streak, der das iPad von Apple herausfordern soll, bereits Android von Google.

Berg plante Attacke auf Android

Machen die Beispiele Schule, wäre das für Microsoft eine Katastrophe. Denn die Flachcomputer und Smartphones ersetzen zunehmend Notebooks, sind also ein wichtiger Wachstumsmarkt. Machen sich dort Betriebssysteme von der Konkurrenz breit, muss Microsoft nicht nur um die künftigen Umsätze mit Windows, sondern auch mit dem lukrativen Softwarepaket Office fürchten. Die Wettbewerber könnten dann ihre eigenen Programme durchsetzen.

Um dem vorzubeugen, will Berg mit dem neuen Handy-Betriebssystem Windows Phone 7 vor allem den aufstrebenden Wettbewerber Android von Google attackieren, der in den USA gerade Apple mit seinem speziellen Betriebssystem auf dem iPhone überholt hat. Berg spekuliert darauf, dass der bisherige Vorteil von Android sich zunehmend auch als Schwäche erweist. Denn Android ist offen für Veränderungen. Das heißt, Handyhersteller können das Betriebssystem nach Belieben für ihre eigenen Zwecke anpassen, beispielsweise um verschiedene Bildschirmgrößen zu unterstützen.

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