Wirtschaft: Neue Manager-Generation: Techniker verdrängen Juristen

Wirtschaft: Neue Manager-Generation: Techniker verdrängen Juristen

In den Vorstandsetagen sinkt die Zahl ausgebildeter Juristen. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Studie des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung (MPIfG) hervor, die der WirtschaftsWoche vorliegt.

Hatte noch 1990 jeder dritte Vorstandschef (32 Prozent) Jura studiert, war es 2005 nicht einmal mehr jeder zehnte (8,3 Prozent). Im Gegenzug steigt die Zahl der Techniker in den Chefetagen. Über eine technische Ausbildung verfügten 1990 genau 32 Prozent der Unternehmenschefs, im Jahr 2005 stieg ihre Zahl auf 58,3 Prozent. Für die Studie hat das MPIfG die Ausbildungswege der Vorstandsvorsitzenden der 50 größten deutschen Industrie-Unternehmen untersucht.

Für das Verhältnis von Managern und Politikern hat die Verdrängung der Juristen durch Techniker grundlegende Folgen. Sie verringere die Bindung zwischen Wirtschaft und Staat, heißt es in der Studie. Ihre Ausbildung eröffne Juristen ein besonderes Verständnis für Politik. Durch die Erfahrung im öffentlichen Sektor, die schon durch Stationen im Referendariat entsteht, brächten Juristen „eine stärkere Staatsorientierung mit als Ingenieure, Naturwissenschaftler, Betriebs- und Volkswirte“, sagte Max-Planck-Wissenschaftlerin Saskia Freye der WirtschaftsWoche. Den sinkenden Anteil der Juristen erklärt die Autorin der Studie auch damit, dass sich Unternehmen seit dem Ende der Deutschland AG stärker am Shareholder-Value orientierten und weniger an gesamtgesellschaftlichen Zielen.

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„Politische Ansprüche an Unternehmen werden von immer weniger Führungskräften verstanden“, heißt es in der Studie. Schließlich hätten immer weniger Manager während ihrer Laufbahn in öffentlichen Unternehmen gearbeitet, dort also, „wo politische Ziele und Interessen wie selbstverständlich berücksichtigt werden müssen“. Das hängt auch mit der Privatisierungswelle zusammen: Hatte 1970 noch jeder dritte Vorstandsvorsitzende Erfahrungen bei Unternehmen in Staatsbesitz, so war es im Jahr 2005 nur noch jeder zehnte.

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