Wirtschaftsaufschwung: Evonik: Früherer Börsengang möglich

Wirtschaftsaufschwung: Evonik: Früherer Börsengang möglich

von Jürgen Salz

Der Chef des Essener Mischkonzerns Evonik, Klaus Engel, schließt einen früheren Börsengang seines Unternehmens nicht aus.

Bislang war der Evonik-Börsengang für nach 2012 geplant. "Die Entscheidung müssen die Gesellschafter treffen", sagte Engel gegenüber der WirtschaftsWoche. "Wenn ein früherer Börsengang den Vorstellungen der Gesellschafter entsprechen sollte, werde ich da sicher nicht bremsen. Wir werden bereit sein." Der Grund für einen möglichen früheren Börsengang liegt in den positven wirrtschaftlichen Entwicklung. "Das wirtschaftliche Umfeld hellt sich auf", so der Evonik-Chef, "wir sind auf gutem Weg, die Krise hinter uns zu lassen und lagen nach dem ersten Quartal bei der Kapazitätsauslastung und beim Gewinn sogar über dem Niveau, das wir vor der Krise, also im ersten Quartal 2008, hatten. Auch unser zweites Quartal entwickelt sich gut."

Im wichtigsten Geschäftsfeld Chemie könnte Evonik auch "mittelgroße Akquisitionen" stemmen, sagte Engel. Gleichzeitig strukturiert Evonik das Chemiegeschäft um. So hat laut Engel der Aufsichtsrat des Unternehmens kürzlich beschlossen, die Sparte Industrieruß mit 1700 Mitarbeitern und etwa einer Milliarde Euro Umsatz auszugliedern. Über das weitere Vorgehen soll noch in diesem Jahr entschieden werden. "Denkbar ist, dass wir das Geschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem anderen Anbieter einbringen oder ganz verkaufen oder als stand-alone-Variante außerhalb des Kern-Konzerns, aber dafür mit größerer unternehmerischer Selbständigkeit weiterführen", so der Evonik-Chef. Von der zudem geplanten Ausgliederung des sogenannten Colorants-Geschäft (umweltverträgliche Mischsysteme für die Lack- und Farbenindustrie) seien rund 200 Mitarbeiter betroffen.

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Für den zweiten großen Bereich, das Energiegeschäft, sucht Evonik "einen oder mehrere finanzkräftige Partner". Eine beachtliche "zweistellige Zahl" von Angeboten sei bereits eingegangen. Engel betont jedoch: "Eine Filetierung wird es dabei nicht geben." Evonik werde im Herbst entscheiden. "Falls wir keinen Preis bekommen, der unseren Vorstellungen entspricht, dann wird es auch keinen Deal geben", stellt der Evonik-Chef klar. In der Branche wird der Wert des Evonik-Energiegeschäftes auf drei Milliarden Euro geschätzt.

Auch das dritte Geschäftsfeld Immobilien wird derzeit neu strukturiert. Den eigenen Wohnungsbestand legt Evonik mit den Einheiten des Immobilienunternehmen THS, an dem Evonik und die Gewerkschaft IG BCE paritätisch beteiligt sind, zusammen. Zu den Zielen des neuen Unternehmens sagt Engel: "Wir wollen mit der Zusammenführung das drittgrößte und zugleich beste Immobilienunternehmen in Deutschland bauen. Dafür nehmen wir uns viel Zeit. Unser Ziel ist es zu zeigen, dass die Interessen von Mietern, Mitarbeitern und Gesellschaftern gut zusammen gehen. Das wird das Gegenmodell zu großen Wettbewerbern."

Evonik ist aus dem früheren Kohlekonzern RAG hervorgegangen, gehört mehrheitlich einer Stiftung und soll mittelfristig für die Stilllegungs- und Folgekosten des Bergbaus aufkommen, die auf sieben Milliarden Euro geschätzt werden. Das Unternehmen erwirtschaftet einen Umsatz von 13 Milliarden Euro und beschäftigt weltweit mehr als 38.000 Mitarbeiter.

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