Wirtschaftskrise: Stahlproduktion halbiert sich

Wirtschaftskrise: Stahlproduktion halbiert sich

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An den Hochöfen in Deutschland gibt es immer weniger zu tun.

Weltweit werden immer weniger Autos und Maschinen gebaut. Die Folge: Die Nachfrage nach Stahl bricht rapide ein. Die Stahlkonzerne Salzgitter und Thyssen-Krupp reagieren ganz unterschiedlich auf die Krise.

In der Stahlbranche gibt es nur noch wenig Glanz. Die deutschen Hüttenwerke haben ihre Produktion im März so stark gedrosselt wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden heute mitteilte, stellten die Hüttenwerke 50,3 Prozent weniger Roheisen und 49,8 Prozent weniger Rohstahl her als im März 2008. Die Produktion sank auf 1,28 Millionen Tonnen Roheisen und 2,10 Millionen Tonnen Rohstahl. „Das ist der höchste Rückgang seit 1990“, sagte ein Statistiker.

Im direkten Vergleich zum Vormonat Februar ging die Produktion um 14,2 beziehungsweise 17,5 Prozent zurück. Im gesamten ersten Quartal 2009 lag die Produktion rund 40 Prozent unter dem Vergleichszeitraum 2008.

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Die Stahlkocher reagieren mit den Kürzungen auf die Absatzkrise wichtiger Abnehmer wie Maschinenbau und Autoindustrie. Während Marktführer ThyssenKrupp wegen des Nachfrageeinbruchs Tausende Stellen abbaut, will der Stahl- und Röhrenhersteller Salzgitter einem Pressebericht zufolge auf Kündigungen verzichten. Der Vorstand habe einer entsprechenden Forderung von Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall zugestimmt, berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf einen Brief der Konzernführung an die Mitarbeiter.

Bei Salzgitter Kurzarbeit bis Mitte 2010

Dennoch sind auch die Salzgitter-Beschäftigten von der Krise betroffen. Bereits jeder Dritte der 24.000 Mitarbeiter arbeitet kürzer. Vorstand und Betriebsrat haben sich darauf geeinigt, dass alle Kurzarbeiter mindestens 90 Prozent des Nettolohns erhalten, egal wie lange sie arbeiten. Gesetzlich vorgeschrieben sind nur 67 Prozent. Im Gegenzug setzte der Vorstand durch, dass die Kurzarbeit-Regelung verlängert wird. Sie reicht nun bis Mitte kommenden Jahres.

Salzgitter-Chef Wolfgang Leese vermeidet mit den neuen Einigungen einen Konflikt mit dem Betriebsrat. Abgeschreckt haben dürften ihn die Proteste bei Thyssen-Krupp. Am Montag hatten in Duisburg mehr als 10.000 Thyssen-Arbeiter gegen den Stellenabbau bei Deutschlands größtem Stahlkonzern demonstriert. ThyssenKrupp will weitere Stellen streichen - rund 5000 Leiharbeiter mussten bereits gehen.

Mit Transparenten wie „Unser Vertrauen ist am Ende“ und „Sparen ja, aber nicht auf unsere Kosten“ forderten die Demonstranten Konzernchef Ekkehard Schulz dazu auf, beim geplanten Umbau des Unternehmens auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Thyssen-Krupp beschäftigt in Deutschland an rund 200 Standorten etwa 85.000 Mitarbeiter.

Thyssen-Krupp will 500 Millionen Euro einsparen

„Dieser Konzernumbau wird nicht ohne die Arbeitnehmer und ihre Vertretungen gehen. Und wir werden nicht zulassen, dass die Beschäftigten jetzt in der Krise auch noch für die Managementfehler die Zeche zahlen sollen“, sagte IG Metall-Vorstandsmitglied Bertin Eichler. „Wir werden uns für die Sicherung aller Standorte einsetzen und wenn es sein muss mit Kampf“, kündigte Eichler an, der stellvertretender Aufsichtsratchef von Thyssen-Krupp ist. Die Arbeitnehmervertreter fordern ein Gesamtkonzept bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 13. Mai.

Vorstandschef Schulz will den Konzern von fünf Sparten auf zwei verschmelzen, weitere Stellen streichen und jährlich zusätzlich rund 500 Millionen Euro einsparen. Die Arbeitnehmervertreter hatten im Konzernaufsichtsrat den Umbauplänen unter der Bedingung zugestimmt, dass auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet wird. Schulz hatte nur wenig später auf einer Pressekonferenz weder betriebsbedingte Kündigungen noch Standortschließungen ausgeschlossen.

Rund 5000 Leiharbeiter mussten bereits gehen, eine Größenordnung für den weiteren Stellenabbau hat Thyssen-Krupp bislang nicht genannt. Die Spekulationen reichen von 3.000 bis 15.000 bedrohten Stellen.

Experten sind sich uneins, wie sich die weltweite Stahlnachfrage in diesem Jahr entwickeln wird. Die Deutsche Bank korrigierte ihre Prognose nach unten und rechnet für 2009 mit einem Rückgang von 17 Prozent. Die Analysten von Merrill Lynch und von Societe Generale geben sich optimistischer. Sie gehen davon aus, dass die Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte wieder anziehen wird.

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