Wirtschaftspolitik : Bosse gegen Schwarz-Gelb

Wirtschaftspolitik : Bosse gegen Schwarz-Gelb

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Rainer Brüderle

Viele Manager wenden sich von ihrer politischen Heimat ab. Zu viele Versprechen wurden gebrochen.

Die Herzschlagader der baden-württembergischen Industrie ist die Autobahn A81. Links und rechts reihen sich die Fabriken. Im Süden von Stuttgart, gleich an der Ausfahrt Sindelfingen, liegt das große Daimler-Werk. Im Norden, entlang der Strecke hinauf nach Heilbronn, produzieren die großen Zulieferer, Maschinenbauer und Werkzeugmacher. Zehntausende Facharbeiter fahren jeden Morgen über die A81 zu ihren Betrieben.

Es gehört zu den Besonderheiten im Ländle, dass auch Arbeiter ihr Kreuz traditionell bei den bürgerlichen Parteien machten. Das ist nun anders. Viele haben am Wahlabend erstmals nicht CDU oder FDP gewählt – sondern die Grünen. Das mag mit der Atomkatastrophe in Japan und dem Streit um den deutschen Atomausstieg zu tun haben. Die Arbeitgeber dieser Arbeiter aber sind von Schwarz-Gelb schon länger enttäuscht.

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Adenauer soll es richten

Überall in der Republik wächst der Frust über die schwarz-gelbe Regierungspolitik – nicht nur in Baden-Württemberg. Und so gilt diese Landtagswahl als Denkzettel für den Kurs von Union und FDP in Berlin. Als Wahl der Wut. Als Ausdruck der Enttäuschung.

Die Unterstützung durch die Unternehmen war seit jeher die Machtbasis der bürgerlichen Parteien. Nun fällt ausgerechnet die Wirtschaft vom Glauben ab. Nur wenige lassen sich in den ersten Tagen nach der Wahl mit ihrer Wut zitieren. Viele Unternehmer meiden die Medien. Politische Statements gelten als schlecht fürs Geschäft. Einer, der sich zitieren lässt, ist Patrick Adenauer, Chef der Kölner Baufirma Bauwens und Präsident des Verbands der Familienunternehmer. "Viele von uns Unternehmern haben durch die wankelmütige Politik der Bundesregierung ihre politische Heimat verloren", sagt er. Adenauer ist seit dreißig Jahren in der CDU, er ist der Enkel des ersten Bundeskanzlers, und seine Kritik ist deswegen bemerkenswert, weil vor der Wahl der selbst ernannte Enkel Konrad Adenauers – Helmut Kohl – die Regierung gerügt hatte. Nun legt der wirkliche Enkel nach.

Merkel hat sich für nichts eingesetzt

Patrick Adenauer ist Unternehmer und spricht für die Unternehmer. Er kennt deren Unzufriedenheit mit Schwarz-Gelb. »Politiker werden danach bewertet, ob sie etwas durchgefochten haben. Ob sie für etwas eingestanden haben«, sagt er. "Das vermisse ich – insbesondere bei der Euro-Rettung – bei Angela Merkel."

Wenn man mit Managern und Unternehmern über die Regierung spricht, dann ist viel von mangelnder Glaubwürdigkeit die Rede. Von fehlender Haltung. "Die Wirtschaft erwartet, dass man zu seinen Überzeugungen steht und nicht in vorauseilendem Gehorsam die Seiten wechselt", sagt der Vorstand eines Dax-Konzerns. Und der Geschäftsführer eines Familienunternehmens fragt: "Wofür habe ich bei der Bundestagswahl Schwarz-Gelb gewählt?" Es ist der typische Blick von Unternehmern, die von einer Regierung – zumal von einer bürgerlichen – vor allem eines verlangen: Verlässlichkeit. Aus Sicht der Bosse ist das Wirtschaftsleben schon unberechenbar genug.

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