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Wirtschaftsspionage: Evonik: Mit Keksdosen gegen Chinas Geheimdienst

von Jürgen Berke

Mit unorthodoxen Methoden und mühevoller Kleinarbeit wehrt sich der Chemieriese Evonik gegen Industriespionage. Die größte Bedrohung kommt von ausländischen Geheimdiensten, vor allem aus China.

Bei Evonik landen die Handys bei wichtigen Besprechungen in einer Dose Quelle: Foto: Patrick Schuch
Bei Evonik landen die Handys bei wichtigen Besprechungen in einer Dose Quelle: Foto: Patrick Schuch

Den Trick mit der blechernen Keksdose beherzigen inzwischen alle Top-Manager bei Evonik. Sobald sie in der Konzernzentrale gegenüber dem Essener Hauptbahnhof oder anderswo Vertrauliches besprechen, läuft immer die gleiche Prozedur: Handys in die Dose, Deckel drauf.

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Und schon umgibt die Geräte ein sogenannter Faradaykäfig, der alle elektromagnetischen Wellen draußen hält. Die Funkverbindung bricht ab, kein Anruf und keine E-Mail kommt an. Dies ließe sich zwar auch durch Abschalten erreichen, nicht aber der Missbrauch der Handys durch ausländische Geheimdienste. Denn die leiten die Verbindungen auf eigene, heimlich aufgestellte Mini-Funkstationen um oder schalten das Mikrofon als Wanze scharf. Der Lauschangriff lässt sich nur verhindern, wenn die Handys in der geschlossenen Blechdose liegen.

Die Keksdose als Wanzenkiller gehört zu den unorthodoxen Vorsichtsmaßnahmen, die Andreas Blume bei dem Essener Chemiekonzern als absolutes Muss durchgesetzt hat. Viele Dax-Konzerne verstärken ihre Sicherheitsvorkehrungen. Doch keiner geht so virtuos gegen mögliche Angriffe von Agenten und andere Eindringlinge vor wie der Chef der Spionageabwehr bei Evonik.

Dauerbeschuss aus China

Der 38-Jährige ist einer der Ersten in Deutschland, der sich mit dem Titel Know-how Protection Officer schmückt. Den Posten hat Werner Müller, der Vorgänger des heutigen Evonik-Chefs Klaus Engel, vor vier Jahren geschaffen, damit die neu entwickelten Produkte des Konzerns nicht in fremde Hände fallen. Evonik besitzt zum Beispiel das Patent für Superabsorber, die in Pampers Pipi aufsaugen („Auch wenn sie nass sind, sind sie trocken“).

Chinesische und russische Nachrichtendienste, klagt das Bundesamt für Verfassungsschutz, nehmen High-Tech-Unternehmen wie Evonik wegen solcher Erfindungen unter Dauerbeschuss. Mal hacken sie Computernetze, um E-Mails und andere Dokumente abzufangen. Mal schleusen sie Maulwürfe ein, um direkten Zugriff auf Forschungsergebnisse zu bekommen. Oder sie verwandeln die Handys der Vorstände in Wanzen, um live vertrauliche Gespräche abzuhören. Mitunter finden solche Attacken auch zeitgleich statt.

Wirtschaftskrieg tobt

„Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner kriegt es mit“, sagt Blume in Abwandlung eines Spruches des US-Dichters Carl Sandburg. „In Deutschland tobt ein heißer Wirtschaftskrieg, der – wenn wir nicht aufpassen – unseren Wohlstand gefährdet.“

Mehr als andere Unternehmen befindet sich Evonik im permanenten Ausnahmezustand, weil der Konzern nach Informationen aus Geheimdienstkreisen ganz oben auf der Liste der begehrtesten Spionage-ziele steht. Zurzeit haben es die leibhaftigen und elektronischen Schlapphüte besonders auf eine Technologie abgesehen, die kurz vor der Serienproduktion steht und die für die Zukunft der Autoindustrie eine zentrale Rolle spielt: die Lithium-Ionen-Batterie, die Evonik zusammen mit dem Stuttgarter Autokonzern Daimler entwickelt.

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.06.2011, 10:54 UhrAnonymer Benutzer: AndiDD

    "Denn die leiten die Verbindungen auf eigene, heimlich aufgestellte Mini-Funkstationen um oder schalten das Mikrofon als Wanze scharf."

    Könnte es möglicherweise sein, dass der Verfasser zu oft "Navy CiS" geschaut hat? Kleiner Hinweis: Wir reden hier von der realen Welt, in der Geräte ohne Spannungsversorgung nicht funktionieren.

  • 29.06.2011, 15:05 UhrAnonymer Benutzer: Schichtführer

    Die größte bedrohung für deutsches Know-How ist die Leiharbeit.
    Zumal sich diese auch immer mehr in den Teppichboden-Etagen ausbreitet.
    Daran will aber wohl niemand etwas ändern.

  • 29.06.2011, 13:49 UhrAnonymer Benutzer: Minstrel

    Zur Zeit des Kalten Krieges kursierte ein Witz: wenn die Sowjetunion irgend etwas erforscht sehen wollte, ohne selbst Geld dafür auszugeben, dann ließ man "die richtigen Leute" zufällig erfahren, daß mit Hochdruck an einer auf den ersten blick unsinnigen Sache gearbeitet werde. im Vertrauen darauf, daß die amerikanischen Geheimdienste diese information aufschnappen und nach Hause melden, wo dann unverzüglich ebenfalls in diese Richtung geforscht werden würde - koste es, was es wolle! - um den vermeintlichen Vorsprung der Roten aufzuholen.
    Und wenn bei diesen Forschungen wider Erwarten irgendwas Verwertbares herauskommen sollte - ja, dann schlug eben die Stunde des KGb und seiner informationsbeschaffer ...

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