WirtschaftsWoche: Letzte Runde im Rechtsstreit mit Ron Sommer

WirtschaftsWoche: Letzte Runde im Rechtsstreit mit Ron Sommer

Bild vergrößern

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg

von Jürgen Berke

Es begann mit einer satirischen Fotomontage des damaligen Telekom-Chefs Ron Sommer, jetzt geht die WirtschaftsWoche im Kampf für die Pressefreiheit vor den Europäischen Gerichtshof.

Für den damaligen Superstar unter Deutschlands Top-Managern war es der erste Kratzer im Lack. „Wie ein Sonnenkönig“ regiere Ron Sommer als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom. Mit seiner „selbstherrlichen“ Art führe der Telekom-Chef das Unternehmen in eine schwere Krise, schrieb die WirtschaftsWoche am 14. September 2000. Illustriert wurde das kritische Porträt mit einer satirischen Fotomontage: Ein „allmächtiger Sommer“ – so der damalige Titel – sitzt lächelnd auf einem magentafarbenen T. Das Markenzeichen der Telekom zeigt tiefe Risse. Schon damals zeichnete sich ab, dass Sommers Tage an der Telekom-Spitze gezählt waren. Nach Milliardenverlusten und dem Absturz der T-Aktie beendete der Aufsichtsrat zwei Jahre später die Ära Sommer.

Die Fotomontage beschäftigt die Gerichte bis heute. Fast auf den Tag genau elf Jahre nach der Erstveröffentlichung zieht jetzt der Verleger der WirtschaftsWoche, die Handelsblatt GmbH, wegen der „grundsätzlichen Bedeutung für die Pressefreiheit“ vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Die deutschen Gerichte hatten letztinstanzlich Sommers Unterlassungsklage stattgegeben und der WirtschaftsWoche eine Verbreitung der Fotomontage wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte verboten. „Die Verurteilung ist ein Eingriff in die Ausübung des Rechts auf freie Meinungsäußerung und verstößt gegen Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention“, sagt der Presserechtler Roger Mann von der Hamburger Kanzlei Damm & Mann, die die WirtschaftsWoche in diesem Fall vertritt.

Anzeige

Gefährlicher Präzedenzfall

Die europäischen Verfassungsrichter stehen vor einer Grundsatzentscheidung: Sind Fotomontagen rechtlich insgesamt als erkennbar künstliche Werke zu beurteilen? Oder können die Betroffenen gegen missliebige Einzelheiten einer derartigen Darstellung vorgehen?

Presserechtler Mann sieht in der bisherigen Rechtsprechung einen gefährlichen Präzedenzfall: „Sie eröffnet ein großes Missbrauchspotenzial, um gegen missliebige Fotomontagen vorzugehen. Jede Fotomontage kann jetzt so lange in ihre Einzelbestandteile zerlegt werden, bis eine unzulässige Veränderung nachweisbar ist.“ Nur der Europäische Gerichtshof könne diese Willkür und damit verbundene Einschränkung der Meinungsfreiheit mit einem Grundsatzurteil beenden.

Stein des Anstoßes ist die Art und Weise, wie die Montage entstand. Um Sommer auf das bröckelnde T zu setzen, musste die Redaktion seinen Kopf auf einen anderen Körper montieren. Die dadurch erforderlichen technischen Anpassungen – das Gesicht musste ein klein wenig gestaucht und gedehnt werden – wollte Sommer nicht hinnehmen. Sein Gesicht, empörte sich der von Sommer eingeschaltete Medienanwalt Matthias Prinz, erscheine insgesamt länger, die Wangen fleischiger und breiter, der Kinnbereich fülliger, der Hals kürzer und dicker und die Hautfarbe blasser.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%