Wohnen: Interpretationen einer neuen Gemütlichkeit

Wohnen: Interpretationen einer neuen Gemütlichkeit

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Liege "Charpoy": in üppigen Mustern und kräftigen Farben schwelgen

Bunte Farben, neue Materialien, raffinierte Formen: Wie Designer die neue Gemütlichkeit interpretieren.

Dutzende Glaskugeln, ein Gerüst aus Metall, das Licht matt, das Gewicht fast 30 Kilogramm: Als Carlo Urbinati-Ricci Mitte 2003 den Prototypen einer neuen Deckenlampe in Händen hielt, war er nur mäßig begeistert. Zu schwer, zu teuer war der Entwurf nach einer Idee der spanischen Designerin Patricia Urquiola. Also tüftelten Urbinati-Ricci und Alessandro Vecchiato, die beiden Geschäftsführer der italienischen Lampenfirma Foscarini, noch mal 18 Monate an Caboche, einer modernen Interpretation eines klassischen Lüsters.

Das Ergebnis: eine um viele Kilo leichtere Deckenlampe, deren Licht kunstvoll gebrochen wird von 360 Kunststoffkugeln, die auf einen transparenten Plastikrahmen gesteckt werden. Ein dank günstiger Produktionskosten bezahlbarer Bestseller, dem nun ein zweites Modell folgt – eine Version mit goldgelben Kugeln, die doch weit mehr ist als nur eine beliebige zusätzliche Variante eines drei Jahre alten Entwurfs. „Das goldgelbe Licht verströmt Wärme, bedient mit ihrer Aura den Wunsch nach dezentem, raffiniertem Luxus“, sagt Foscarini-Geschäftsführer Urbinati-Ricci. „Das passt genau in die Zeit.“

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Die neue Gemütlichkeit kommt raffinierter daher

Zeiten, deren Zeichen momentan auf Sturm stehen – weil die Börse Achterbahn fährt, die Rezession vor der Tür steht, Unternehmer um stornierte Aufträge ringen, Angestellte mit der Kündigung rechnen müssen. Zeiten für eine neue Rezessionsästhetik, die zwar den Fokus von einer zunehmend raueren Außenwelt in eine neue Innerlichkeit verlegen. Aber nur wenig gemein haben mit einer Rückkehr zum klassischen Cocooning, einer einfachen Renaissance des sich Einspinnens, sich Verkriechens ins Bürgerliche, dekoriert im Sinne des Gelsenkirchener Barock, mit seinen dunklen Schrankwänden aus massiver Eiche oder dunkelgrünen Plüschsofas.

Die neue Gemütlichkeit kommt raffinierter daher, im delikaten Gewand eines Biedermeier reloaded, der das Ende der formalen Zurückhaltung selbst bei jenen anzeigt, die eigentlich auf ein ausgeglichenes Miteinander von Farben und Formen, von Altem und Neuem Wert legen. Da werden Versatzstücke der Industriekultur zum Design-objekt umfunktioniert, alte Materialien wie Aluminium und Plexiglas durch neue Verarbeitungsmethoden verjüngt. Selbst Harmonie-Liebende lassen sich vom Design-Virus anstecken, der als Botschafter neuer Technologien und gesellschaftlicher Utopien die Wohnung auf den Kopf stellt.

Zeitalter des „Extra Much“ nennt Stephen Burks diese neue Designströmung. „Minimalismus ist tot“, sagt der US-Designer, der zur Jury der Studie „Interior Trends 2009“ der Kölner Möbelmesse IMM Cologne gehört. Auch bei konserva-tiven Konsumenten, so heißt es in der Studie, dürfe es gerne wieder „ein bisschen mehr“ sein: komplexere und verspieltere Formen, neue Materialien, ausdrucksstarke Farben von Maigrün über knallige Gelb- und Orange-Töne auf der Grundfarbe Blaugrün.

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