WPP-Chef Sorrell : "Wir sind Freund und Gegner"

WPP-Chef Sorrell : "Wir sind Freund und Gegner"

Bild vergrößern

Sir Martin Sorrell REUTERS/Kiyoshi Ota (JAPAN)

von Yvonne Esterházy

Martin Sorrell, Chef des Werberiesen WPP, über Tiger Woods, die bevorstehende Fusionswelle, das Wachstum in China und Brasilien oder die Schlacht um bezahlte Angebote im Internet.

WirtschaftsWoche: Sir Martin, die Unternehmensberatung Accenture hat ihre Werbespots mit dem Golfspieler Tiger Woods storniert. Wie stark haben die Enthüllungen über die Affären des Sportlers die Marke Tiger Woods beschädigt?

Martin: Einige der Firmen, mit denen er Werbeverträge hat, haben klargemacht, dass sie über die Vorfälle nicht besonders glücklich sind. Tiger ist eine starke Marke und wurde als eine untadelige Persönlichkeit dargestellt. Was den Golfsport angeht, ist er die große Attraktion, wenn es um Zuschauerratings geht. Für den Golfsport war sein Erfolg sehr wichtig, aber es steht und fällt nicht alles mit einem Individuum.

Anzeige

Wird sich Tiger Woods von diesem Imageschaden erholen können?

Zweifellos hat seine Marke einen gewissen Schaden erlitten. Es wird interessant sein, zu beobachten, ob er sich davon erholen kann. Was die Sponsoren angeht, so haben einige sich wegen eines Strategiewechsels zurückgezogen.

Wie geht es WPP?

Ich bin jetzt rund 33 Jahre im Geschäft und kann mich nicht erinnern, dass die Verhältnisse jemals so schwierig waren wie heute. 2009 war brutal! Bei WPP ging der Umsatz in den ersten drei Quartalen um rund acht Prozent zurück. Ich rechne auch im neuen Jahr nicht mit einer entscheidenden Besserung der Lage.

Womit rechnen Sie für die Werbebranche insgesamt?

Sie steht weiter unter enormem Druck. Die meisten Kunden – vor allem in den USA und Westeuropa – sparen. Metro, Lidl, Wal-Mart, Tesco, Carrefour, alle diese Einzelhandelsriesen üben Druck auf die Hersteller niedrigpreisiger Massengüter aus. Ich glaube, dass das im Wesentlichen auch 2010 so sein wird. Daher bleibt die Lage sehr schwierig.

Was bleibt den Agenturen in dieser Situation zu tun?

Ich bin davon überzeugt, dass es weitere Fusionen und Übernahmen geben wird. Ich behaupte ja schon seit drei Jahren, dass Havas den Rivalen Aegis erwerben wird. 2010 wird es so weit sein!

Woher wird das Wachstum kommen, wenn es bei WPP wieder aufwärts geht?

Sehr verkürzt gesagt: aus China und aus dem Internet. Wenn die chinesische Wirtschaft um acht Prozent wächst, legen die Werbeumsätze um das Doppelte, also um etwa 15 Prozent, zu. Rein geografisch gesehen, zeigt Asien mit Ausnahme Japans und Australiens ein positives Wachstum, ebenso Lateinamerika, Afrika, der Nahe Osten, Zentral- und Osteuropa. Das nächste Jahrzehnt wird das Jahrzehnt Brasiliens sein. Wir haben in Lateinamerika einen Umsatz von rund einer Milliarde Dollar im Jahr – rund die Hälfte entfällt auf Brasilien. Auch Russland läuft gut, obwohl es für andere schwierig war. In Afrika und Nahost – dort mit Ausnahme Dubais – wird es für uns interessante Möglichkeiten geben.

Welche Regionen sind schwächer?

Westeuropa und dort vor allem Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien. Die USA erholen sich und werden 2010 wieder besser abschneiden. WPP hat es sich zum Ziel gesetzt, ein Drittel des Umsatzes in den Schwellenländern zu erzielen, im Augenblick sind es rund 27 Prozent.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%