Wucherzins und Strafgebühr: Zwickmühle für gerettete US-Banken

Wucherzins und Strafgebühr: Zwickmühle für gerettete US-Banken

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Citigroup-Schild

Die geretteten amerikanischen Banken stehen vor einem kuriosen Dilemma. Je verbraucherfreundlicher sie werden sollen, desto schlechter ist das für die Steuerzahler, die für die Rettung der Banken letztendlich aufkommen. Denn ohne die Erhebung hoher Strafgebühren bei ihren Kunden, bleiben die Banken noch lange auf den Staat angewiesen. Ein Lehrstück über die Folgen von Staatseingriffen.

Jennifer Kusack* aus Cleveland im US-Bundesstaat Ohio zählt nicht zu den Betuchtesten. Als alleinerziehende Mutter muss sie für ihren Sohn Robert aufkommen, der das College in Cincinnati besucht. Was sie jetzt erlebt habe, „das macht mich ganz krank“, sagt sie. „Wir haben den Banken das Geld aus Washington nur so zugeschoben, und jetzt ziehen sie die über den Tisch, die sich am wenigsten wehren können.“ Der Filius hatte sein Konto immer wieder um kleinere Beträge überzogen, sich aber nicht getraut, der Mutter davon zu erzählen. „Innerhalb von acht Monaten haben sie ihm 2664 Dollar Überziehungsgebühren aufgebrummt“, sagt die 44-Jährige, „das sollte verboten werden.“

Diese Forderung könnte bald in Erfüllung gehen. Denn die internationale Finanzkrise, die mit Baudarlehen für ahnungslose und finanzschwache Amerikaner startete und den Rest der Welt infizierte, wird nicht spurlos an den Geschäftspraktiken der US-Banken vorübergehen. Präsident Barack Obama will eine neue Verbraucherschutzbehörde einrichten, die für mehr Transparenz bei Finanzprodukten sorgen soll und die bestimmte Produkte, die den Verbraucher übervorteilen, sogar verbieten könnte.

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* Name geändert

Steuerzahler müssen büßen

Doch was wie eine logische Reaktion auf Schwächen des US-Finanzsystems aussieht, erweist sich in der Praxis als höchst widersprüchliches Unterfangen. Denn je verbraucherfreundlicher sich die Banken künftig geben müssen, desto mehr bekommen dies die Amerikaner auf einer ganz anderen Seite zu spüren: als Steuerzahler.

Verzichten nämlich jene Banken, die der Staat durch Stützung oder durch seinen Einstieg gerettet hat, künftig aufs Abkassieren, werden diese nur schwerlich in der Lage sein, die erhaltenen Steuergelder wieder in die Staatskasse zurückzuzahlen.

38 Milliarden für Überziehungsgebühren

Der öffentliche Aufschrei über unverschämte Bankgebühren und Minizinsen für Guthaben ist in den USA immer lauter geworden. Tatsächlich drehen die US-Banken bereits seit Längerem heftigst an der Gebühren- und Zinsschraube. Die Strafe für unzureichende Deckung auf einem Konto stieg nach einer Untersuchung des Branchendienstes Bankrate.com innerhalb von zehn Jahren um rund 34 Prozent auf knapp 29 Dollar pro Fall. Für Abhebungen am Automaten ihrer Geldinstitute zahlen Amerikaner inzwischen doppelt so viel wie 1998.

Das Research-Unternehmen Moebs Services hat errechnet, dass die US-Banken im Rezessionsjahr 2009 mehr als 38 Milliarden Dollar nur für Überziehungsgebühren von ihren Kunden kassieren dürften – mehr als doppelt so viel wie 2000. Was die Sache für die Betroffenen noch schwieriger macht: Nur etwa zehn Prozent der Kunden zahlen rund 90 Prozent der Summe, im Schnitt rund 2700 Dollar pro Jahr und Kopf.

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