Wüstenstaat Katar: Der ungewöhnliche VW-Großaktionär vom Golf

Wüstenstaat Katar: Der ungewöhnliche VW-Großaktionär vom Golf

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Sand und Porsche: Das Golfemirat Katar ist bald in der deutschesten aller deutschen Branchen Investor

Das Emirat Katar wird Großaktionär der Volkswagen AG. Dass Ölscheichs vom Golf reich sind, weiß jeder – doch das kleine Reich des Al-Thani-Clans ist selbst in der ungewöhnlichen Welt der Golfmonarchien einzigartig.

Denen gehört also demnächst ein Sechstel von VW, dem deutschesten aller deutschen Konzerne in der deutschesten aller deutschen Branchen. Die Halbinsel Katar bildet den einzigen Staat der Welt, den man als Flugzeugpassagier nachts mühelos und genau beim Überfliegen erkennen kann. Weil der absolutistisch regierende Emir Hamad ibn-Khalifa al-Thani die halbkreisförmige Küstenautobahn um sein Land herum aufs Hellste erleuchten lässt. Energie hat er ja im Überfluss, und Geld auch. Das Emirat Katar konkurriert mit dem Zwergstaat Liechtenstein um den Titel des reichsten Landes der Welt.

Zeit nach dem Öl ist erstmal Zeit des Erdgases

Über 100 000 Dollar beträgt das BIP pro Kopf der 1,5 Millionen Einwohner. Vor fünf Jahren waren es noch halb so viele, inzwischen machen die Landeskinder höchstens ein Viertel der Bevölkerung aus. Auch mit Hilfe der miserabel bezahlten Gastarbeiter aus den armen Ländern Asiens ist die Wirtschaftsleistung seitdem jahrelang zweistellig gewachsen – vor allem aber natürlich wegen des Öl- und Gashungers der Welt. Selbst für das globale Krisenjahr 2009 sind noch fünf Prozent Wachstum angesagt.

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15 Milliarden Barrel Erdöl liegen hier unter Wüstensand und in Küstennähe unter dem Meer. Das reicht bei heutiger Produktionsmenge immerhin noch für 37 Jahre Förderung. Und ist doch fast nichts gegenüber der gewaltigen Gasblase unter dem Emirat: 26 Billionen Kubikmeter, 14 Prozent aller weltweit nachgewiesenen Reserven und bisher nur wenig erschlossen. Die „Zeit nach dem Öl“, die den Nachbarn in Saudi-Arabien oder den Emiraten Sorgen macht, das wird für Katar ganz, ganz lange die Zeit des Erdgases sein.

Da kann man die vielen im Öl- und Gasgeschäft verdienten Milliarden ganz ruhig in Investments stecken, die auf kurze Sicht zweifelhaft wirken mögen. Genau das haben die Fondsverwalter des Emirs bisher mit ihren schätzungsweise 63 Milliarden Dollar eingesetztem Kapital gemacht: Barclays in London und Credit Suisse in Zürich sind nach herrschender Auffassung sicher nicht die krisensichersten europäischen Banken, die britische Supermarktkette Sainsburys hat ihre besten Zeiten vor vielen Jahrzehnten gesehen. Und das waren bisher mit Abstand die größten Auslandsinvestitionen des katarischen Herrscherhauses – Schnäppchenkäufe eines Investors mit sehr langem Atem. Also ein Glücksfall für die demnächst um Porsche erweiterte Volkswagen AG, dass Emir Hamad jetzt einsteigt?

Fragt sich nur, ob die Kataris von den Wolfsburgern nicht ganz andere Dinge verlangen werden als von Schweizer Bankmanagern und Londoner Gemischtwarenhändlern. Vor allem von Porsche könne Katar „als Ganzes profitieren“, sagt Abdelali Haoudi, Vizepräsident der Qatar Foundation, die im Auftrag des Herrscherhauses an der Diversifizierung der katarischen Wirtschaft arbeitet. Haoudis Chefin ist Scheicha Mosah, Gattin des Emirs und als Porsche-Fan schon lange bekannt. Die Scheicha ist eine Art informelle Technologieministerin des Emirats und hat – ganz ungewöhnlich für eine Herrschergattin vom Golf – in zahlreichen Geschäftsreisen quer durch Europa Kooperations- und Investitionsmöglichkeiten erkundet.

Qatar Airways macht Emirates Konkurrenz

Gut möglich also, dass der Anteilseigner Katar demnächst die Richtung fälliger Wolfsburger Innovationsversuche mitbestimmt: Gasantrieb? Solarzellen? VW-Forschungslabore auf der kleinen Halbinsel, die man so gut aus der Luft erkennen kann? Alles noch ungewiss, und in Katar redet keiner von so etwas.

Weil es schon wieder etwas Neues gibt: Am Montag dieser Woche verkündete die Fluggesellschaft des Landes eine überaus kühne Wachstumsstrategie, unter anderem das Ziel, die Erlöse in Europa im kommenden Jahr um 40 Prozent zu erhöhen. Qatar Airways will so bekannt und erfolgreich werden wie Emirates aus dem Konkurrenzemirat Dubai.

Und darum werden wir wahrscheinlich auch das Land demnächst „Qatar“ schreiben mit Q statt mit K, wie es die Amerikaner schon machen. Als hilfloses Zeichen dafür, dass der erste Buchstabe des Landesnamens im Arabischen ein Laut ist, der nur entfernt unserem „k“ ähnlich ist und für die meisten Nicht-Araber unaussprechbar. Wenigstens wird dann niemand mehr denken, der Landesname klinge wie das Fremdwort für Halsentzündung.

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