Xerox-Chefin Ursula Burns: "Das papierlose Büro ist Jahre entfernt"

Xerox-Chefin Ursula Burns: "Das papierlose Büro ist Jahre entfernt"

von Michael Kroker

Die Xerox-Chefin Ursula Burns sieht die Sanierung des Drucker- und Kopiererherstellers als beendet an – und verdient zunehmend Geld mit Diensten rund um die Zettelwirtschaft ihrer Kunden.

WirtschaftsWoche: Frau Burns, Sie und Ihre Vorgängerin Anne Mulcahy haben Xerox nach der Beinahe-Pleite Anfang des Jahrtausends gerettet. Die jüngste Wirtschaftskrise hat Ihr Unternehmen aber wieder arg in Mitleidenschaft gezogen – ein Indiz dafür, dass die Sanierung noch nicht beendet war?

Burns: Nein, wir sprechen hier über zwei getrennte Phänomene. Sanierung, Restrukturierung und Wiederauferstehung von Xerox sind abgeschlossen. Aber 2009 war für jedes Unternehmen ein extrem herausforderndes Jahr. Dennoch war Xerox auch 2009 profitabel. Und die ersten neun Monate 2010 konnten wir bereits wieder ordentlich wachsen. Das heißt: Wir kommen aus der Rezession stärker heraus als das Gros unserer Wettbewerber.

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Welche Erkenntnisse aus dem Turn-around haben Ihnen dabei geholfen, Xerox jetzt besser durch die Rezession zu navigieren?

Es klingt zugegebenermaßen wie eine Binsenweisheit: den Kunden zuzuhören. Denn das bedeutet, ihnen nicht nur immer mehr zu verkaufen, sondern zu verstehen, wo genau ihre Wünsche und Probleme sind. Wenn dann die Wirtschaft wieder anzieht und die Unternehmen neue Investitionen erwägen, kaufen sie im Idealfall als Erstes bei uns. Zudem hatten wir in guten wie in schlechten Zeiten unsere Kosten im Auge.

Also kommt es am Ende doch nur auf die nackte Zahl der Mitarbeiter an?

Nein, das ist ja nur einer der Kostenfaktoren. Es geht auch um Kapitalinvestitionen oder Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Wichtig ist ein hocheffizientes Geschäftsmodell. Zwar ist ein Großteil der Kosten mit Mitarbeitern verknüpft.  Man wird aber durch reine Stellenstreichungen nicht automatisch effizient. Das funktioniert erst, wenn die geeigneten Leute an den passenden Stellen arbeiten.

Xerox litt lange unter dem Image, dass die Tage als Wachstumsunternehmen vorbei seien. War dies das Hauptmotiv für die Übernahme des Outsourcing-Anbieters ACS für 6,4 Milliarden Dollar mitten in der Krise des vergangenen Jahres?

Der Hauptgrund für den Zukauf war, die Fertigkeiten wie etwa das vorhandene Dienstleistungsgeschäft von Xerox durch die Kombination mit ACS besser nutzen zu können. Und das wiederum führt dann zu mehr Wachstum.

Warum?

Weil unsere Kunden uns ständig fragen, ob wir mehr für sie tun können. „Hier sind unsere Kopierer und Multifunktionsdrucker, aber könnt ihr auch -unsere gesamte digitale Büro-Infrastruktur für uns betreiben?“ Ja, das können wir. „Könnt ihr jeden papierbasierten -Büroprozess für uns abwickeln?“ Auch das können wir. Daher haben wir mehrere Dienstleistungsgeschäftsfelder gestartet, beispielsweise zum Dokumenten-Outsourcing: Dabei betreiben wir die gesamte Geräte-Infrastruktur für unsere Kunden.

Also alle Services rund um Dokumente?

Ja. Wir haben auch Spezialanbieter gekauft, die auf das Dokumenten--Management von Anwaltskanzleien oder Hypothekenfinanzierern ausgerichtet sind. Beides sind Branchen mit papier--intensiven Prozessen, die eine genaue Nachverfolgung verschiedener -Dokumenten-Versionen sowie deren re-visionssichere Speicherung bedürfen. Dieses Know-how können wir nun in -weitere dokumentenintensive Branchen transferieren.

Viele IT-Anbieter verbreitern ihr Portfolio, um mehr Dollar vom IT-Budget ihrer Kunden abgreifen zu können. So bietet der Softwarehersteller Oracle seit dem Kauf von Sun auch Server-Computer an. Will Xerox in völlig neue Felder vordringen?

Wir haben nicht vor, ein Anbieter von Netzwerkausrüstungen oder Unternehmenssoftware zu werden. Unsere Strategie dreht sich rund um dokumentenbasierte Geschäftsprozesse. Aber wir verfügen durch ACS auch über eine IT-Outsourcing-Sparte mit einem Umsatz von rund 1,5 Milliarden Dollar...

...die Sie weiter betreiben wollen?

Ja. Das Geschäft läuft gut und richtet sich an kleinere und mittlere Firmen.

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