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Xing-Gründer Lars Hinrichs: "Ich bin ein Netzwerker"

von A. Auler und G. Lawecki Quelle: Handelsblatt Online

"Ein Fehler ist es ja nur, wenn man ihn zweimal macht", findet Lars Hinrichs. Vor fünf Jahren gründete er den Open Business Club. Heute heißt die Online-Plattform Xing und hat sechs Millionen Mitglieder. Im Interview spricht der 31-Jährige über Selbstzweifel, Unternehmensgründungen und Neinsager.

"Wenn jemand Unternehmer ist, ist er Unternehmer. Egal, was passiert", sagt Lars Hinrichs. Quelle: PR
"Wenn jemand Unternehmer ist, ist er Unternehmer. Egal, was passiert", sagt Lars Hinrichs. Quelle: PR

Handelsblatt: Herr Hinrichs, fünf Jahre Xing - ziehen Sie für uns bitte Bilanz.

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Lars Hinrichs: Vor fünf Jahren mussten wir unsere Idee noch erklären, heute ist sie in aller Munde. Wir haben es geschafft, ein Unternehmen auf die Beine zu stellen, das mittlerweile richtig Gewinne erwirtschaftet. Wir sind stark gewachsen, haben über 100 Millionen Peer-to-Peer-Verbindungen und mehr als sechs Millionen Mitglieder, darunter 470 000 zahlende Premium-Kunden. Wir sind in Hamburg, Barcelona, Istanbul und Peking vor Ort und eröffnen weitere Auslandstöchter in den kommenden Monaten.

Wie haben Sie persönlich sich in dieser Zeit entwickelt?

Ich habe viel gelernt. Die Erfahrungen als Gründer eines Ein-Mann-Unternehmens, das zu einem börsennotierten 150-Mann-Unternehmen geworden ist, mit null Umsatz hin zu 16 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2008, das ist schon ein großer Schritt gewesen. Es gab viele Dinge, die gut funktioniert haben und einige Dinge, über die man im Nachhinein sagt: Warum hast du diesen Fehler gemacht?

Welche Fehler meinen Sie?

Ein Fehler ist es ja nur, wenn man ihn zweimal macht.

Ihre erste Firma musste 2001 Insolvenz anmelden, Ihren damaligen Partner Arne Böttcher sahen Sie vor Gericht wieder. Was haben Sie daraus für Xing, früher Open Business Club, gelernt?

Bei Xing gab es von Anfang an einen ganz klaren Geschäftszweck, eine ganz klare Strategie, ganz klare Ziele. Und: Es gab immer nur einen Firmenchef, nicht zwei. Ich habe hier nur mein eigenes Geld investiert, wir haben kein staatliches Geld in der Firma. Das war einer unserer größten Fehler bei Böttcher Hinrichs.

Inwiefern?

Die staatliche Technologie-Beteiligungsgesellschaft (TBG) hat uns am Anfang 1,5 Millionen Euro gegeben. Als wir absehen konnten, dass unser Geschäftsmodell nicht funktioniert, haben wir der TBG zumindest eine interessante Quote für die Rückzahlung angeboten. Die Antwort: Entweder zurückzahlen oder Insolvenz. Das war eine der bittersten Erfahrungen. Diese Ignoranz, über den eigenen Schatten zu springen. Wir mussten mit über einer Million Euro auf dem Konto Insolvenz anmelden. Hätten wir nicht gemusst, hätte die TBG auch eine Quote akzeptiert. Das ist der Grund, warum die Firma pleitegegangen ist.

Dennoch haben Sie weitergemacht. Keine Selbstzweifel?

Ich glaube, wenn jemand Unternehmer ist, dann ist er Unternehmer. Egal, was passiert. Für mich gab es keine Überlegung, in ein Angestelltenverhältnis zu wechseln.

Wann hatten Sie die Idee für Xing?

Ich habe mir nach der Insolvenz eine dreimonatige Auszeit genommen. In dieser Zeit habe ich ein wundervolles Buch gelesen: "The Tipping Point" von Malcolm Gladwell. Da kam die Idee. Es geht in dem Buch darum, wie Massenphänomene entstehen und welche Menschen man dazu braucht. Ich bin jemand, der sich wahnsinnig gern mit Menschen unterhält, neue Leute kennenlernt und noch lieber Leute miteinander verbindet. Ich bin ein Netzwerker. Ich wollte immer die Kontakte meiner Kontakte kennenlernen, weil da das große wirtschaftliche Potenzial liegt. Und meine Idee war, dass das nur in einem Social Network funktionieren kann. Ein halbes Jahr später kam Tim O?Reilly dann auf die Idee, das Ganze "Web 2.0" zu nennen.

Sie haben mal gesagt: Man muss hinreichend beratungsresistent sein, damit man den Neinsagern entgegentritt.

Ich glaube, Veränderungen sind etwas, was den Deutschen nicht gut bekommt. Als ich in einer Mail meinen Kontakten von der Idee erzählte, da sagte die eine Hälfte: "Ach, das kann nicht funktionieren, daran glaube ich nicht." Und die andere Hälfte hat mitgemacht. Das ist sicherlich ein Punkt, an dem man beratungsresistent gegenüber den Leuten sein sollte, die nicht an einen glauben.

Haben Sie das den Leuten krummgenommen?

Nein. Man bekommt über die Jahre so ein dickes Fell als Unternehmer, dass man einfach sagt: "Kein Problem. Wenn du nicht dran glaubst, dann ist das halt so." Das stört mich nicht und hält mich schon gar nicht von meinen Plänen ab. Es gibt tausend Gründe, warum etwas nicht funktionieren kann. Aber Leute, die an eine Idee glauben, die sehen nur die Chancen.

Wie viel Zeit bleibt Ihnen privat für Ihre Tochter, Familie und Freunde?

Da muss ich Sie erst mal aufklären, dass ich ja nicht arbeite, sondern meiner Leidenschaft nachgehe. Der Tag hat 24 Stunden, und ich versuche, nur das zu machen, was mir wirklich Spaß macht. Ein Meeting ist für mich keine Arbeit. Hört Arbeitszeit auf, wenn ich aus dem Büro gehe? Nein. Wenn ich abends mit Freunden essen gehe, ist das dann nur privat, oder gibt es eine Schnittmenge? Natürlich liege ich auch mal am Strand und lese ein Buch. Aber auch dabei hat man ja Ideen.

Wie viele Kontaktanfragen bei Xing erhalten Sie täglich?

Ich habe täglich einige Anfragen. Ich füge aber nur die Leute hinzu, die ich persönlich kenne.

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