Yahoo-Übernahme: Microsofts Frontalangriff auf Platzhirsch Google

Yahoo-Übernahme: Microsofts Frontalangriff auf Platzhirsch Google

Bild vergrößern

Microsoft-Chef Steve Ballmer.

Mit der Übernahme von Yahoo will sich der Softwareriese Microsoft Claims im mobilen Internet sichern und den Rivalen Google endlich ausstechen.

Kaum hatte der Softwareriese Microsoft sein gewaltiges, fast 45 Milliarden Dollar schweres Gebot für die Suchmaschine Yahoo abgegeben, griff David Drummond in die Tasten: „Wird Microsoft versuchen“, fragte sich der Chefjurist des Yahoo-Konkurrenten Google in seinem Internet-Tagebuch, „die gleichen unfeinen und illegalen Methoden im Internet anzuwenden wie einst bei den Computern?“ Wirklich überrascht war Google-Manager Drummond nicht von dem Vorstoß aus Redmond. Bemerkenswert an der Microsoft-Offerte war für Insider vor allem, dass sich der Softwarekonzern nach drei Jahren langer Planspiele endlich zu einem konkreten Angebot durchringen konnte.

Für Aufsehen sorgte allenfalls der Zeitpunkt – Drummond und seine Kollegen hatten schon im vergangenen Herbst mit einem Vorstoß gerechnet. Entsprechend cool schnappte sich ein paar Türen weiter Google-Chef Eric Schmidt das Telefon und klingelte bei Yahoo-Vorstandschef Jerry Yang an – er versicherte ihn seines Mitgefühls angesichts der bedrohten Selbstständigkeit.

Anzeige

Macht Microsoft, verstärkt durch Yahoo, jetzt Google platt? Wird ein „Microhoo“, die neue Nummer zwei im Online-Such und -Anzeigengeschäft, den Kurs des Internets bestimmen, wie Bill Gates & Co. dies will? Experten halten das für Unsinn – Microsoft, sagen sie, hinke im Internet gnadenlos den neuen Entwicklungen hinterher.

Jahrelang waren alle Versuche des Microsoft-Gründers, seine Macht auch auf die neue Welt des Internets auszudehnen, erfolglos. Stets hatten kleine, junge Unternehmen wie die Browserfirma Netscape, die Suchmaschine Google, das Videoportal Youtube oder das Netzwerk Facebook die besseren Ideen, um die globale InternetGemeinde anzulocken. MySpace und Co. waren zudem hipper als die Produkte der in Computerkreisen ob ihrer Dominanz so verhassten Windows-Programmierer.

Was auch immer Microsoft im Internet werden will – Google ist es längst: die dominierende Macht, an der kaum jemand vorbeikommt. Wenn ein Deutscher im Internet surft, nutzt er in neun von zehn Fällen Google. Längst hat der Begriff „googeln“ Einzug gehalten in das deutsche Standard-Wörterbuch Duden. Wie ein schwarzes Loch saugt die Suchmaschine weltweit lukrative Werbeverträge an und lässt die Konkurrenz in immer mehr Märkten aussehen wie kleine ferne Sternchen in einem Paralleluniversum. Ein Zustand, den Microsoft nicht länger dulden will – darum ist um die Vorherrschaft im Internet ein heftiger Kampf entbrannt.

Trotz aller Schreckensgespenster, die Google vom gefräßigen Monopol-Ungeheuer Microsoft an die Wand malt – der Vorstoß von Microsoft-Chef Steve Ballmer konnte für den Suchmaschinenriesen nicht besser kommen. Lenkt er doch vom eigenen Machtstreben des übermächtigen Marktführers willkommen ab.

Längst ist auch Google ein Platzhirsch. Der Markt für Online-Werbung wird sich in den nächsten drei Jahren auf 80 Milliarden Dollar verdoppeln, prognostiziert Microsoft. Doch bisher macht sie trotz aller Bemühungen nicht einmal fünf Prozent des Umsatzes bei dem Konzern aus. Deshalb will Microsoft mit der Megafusion endlich einen größeren Teil des Geschäfts abhaben.

Google verdient hier viel Geld. Mithilfe eines komplexen mathematischen Modells platziert das Unternehmen neben den Suchanfragen thematisch passende Textanzeigen. Google dominiert dieses Suchwortmarketing. In den USA führt das Unternehmen nach Analysen der Citigroup bei der Online-Werbung mit etwa 40 Prozent Marktanteil, gefolgt von Microsoft/Yahoo mit etwa 26 Prozent. Bei den Suchabfragen führt Google, so der Marktforscher Comscore, noch deutlicher: Weltweit hat Google mit über 60 Prozent die Nase vorn, Microsoft und Yahoo kommen dort gemeinsam auf nur 15,7 Prozent.

Dabei ist es ein Treppenwitz der kurzen, aber turbulenten Internet-Historie, dass Yahoo den Wettbewerber am eigenen Busen nährte. Google hatte im Juni 2000 als Dienstleister die Suchmaschine von Yahoo übernommen, nachdem Yahoo die Suche damals als strategisch nicht so wichtig eingestuft hatte. Ein verheerender Fehler von Ex-Yahoo-Chef Timothy Koogle. Dazu ermuntert hatte ihn ausgerechnet der Google-Finanzierer Sequoia Capital, der auch einst Yahoo mit Wagniskapital ausgestattet hatte. Yahoo-Gründer Jerry Yang hat sich darüber nie beschwert, noch heute ist er mit den Google-Gründern Larry Page und Sergey Brin bestens bekannt.

Doch die Folge war, dass Terry Semel, Koogles Nachfolger als Yahoo-Chef, sich gezwungen sah, für Zigmilliarden Dollar Suchtechnik und Infrastruktur einzukaufen – um vom immer selbstbewussteren Konkurrenten Google unabhängig zu werden. Außerdem konzentrierte Semel seine Entwicklungsressourcen auf eine Plattform mit dem Namen Panama, mit der Werbekunden ihre Online-Anzeigen und Kampagnen im Internet platzieren können.

Das dauerte wegen technischer Probleme länger als geplant. In der Zwischenzeit schmiedete Google eifrig Allianzen mit Medienanbietern wie Time Warner, indem das Unternehmen für eine Milliarde Dollar einen kleinen Anteil der Time-Warner-Tochter AOL erwarb. Dafür durfte Google die Werbung für die vielbesuchte Internet-Seite verkaufen und die dort installierte Suchmaschine betreiben. Ähnlich lukrative Verträge mit Google konnte auch Rupert Murdochs MySpace einsacken. Und Yahoo? Ging leer aus. Denn die potenziellen Werbepartner wie das aufstrebende Startup Facebook sicherte sich Microsoft, indem der Softwareriese mit seiner Finanzkraft wucherte.

Einen Etappensieg schien Microsoft errungen zu haben, als die Gates-Truppe Ende der Neunzigerjahre den Silicon-Valley-Pionier Netscape und dessen populären Browser in die Knie zwang, indem es seinen eigenen Internet-Explorer auf alle Windows-Rechner gleich mit aufspielte. Doch der Erfolg währte nicht lange, Neueinsteiger wie Firefox und Opera fanden schnell viele Fans. Vor allem aber unterschätzte Gates die Google-Jungs gewaltig. „Das wird doch alles von der Presse hochgespielt“, tat der Microsoft-Gründer noch im Juli 2004 die Erfolge des Aufsteigers aus dem Silicon Valley ab. „Wir stehen bei der Suche doch erst am Anfang“, kündigte der Milliardär damals vollmundig an.

Doch Google erwies sich als hartnäckiger als gedacht, warb bald frech Top-Talente von Microsoft ab und bot dank seines Börsenerfolgs und wachsenden Renommées dem reichen Softwaregiganten sogar bei Übernahmen Paroli: Youtube wanderte ebenso ins Google-Reich wie jetzt voraussichtlich der Werbevermarkter Doubleclick.

Heute kommt niemand, der im Netz Geschäfte macht, an Google vorbei. Die Vermittler von Autoversicherungen, Lebenspartnern oder Online-Speicherplatz messen ihren Erfolg daran, wie prominent ihre Offerten in der Google-Suchmaschine auftauchen und wie viel Kundschaft ihnen die Werbung via Google einbringt. In Europa sind die Online-Werbeverkäufer von Yahoo und Microsoft schier verzweifelt. Denn obwohl Google die Kunden mit häufig wechselnden Ansprechpartnern nervt und bei Anfragen oft erst nach Tagen reagiert, nehmen die Werbekunden diese Arroganz bislang ohne Protest hin: „Google bringt Resultate. Das allein zählt“, sagt der Geschäftsführer eines großen deutschen Internet-Portals.

Laut Untersuchungen von Webhits Internet Design, einem Unternehmen, das Statistiken über die Internet-Nutzung erstellt, gehen 89 Prozent aller Deutschen bei der Internet-Suche zu Google. Yahoo belegt zwar den zweiten Platz – jedoch mit kaum wahrnehmbaren drei Prozent. Als Dritter folgt T-Online, doch deren Suchfunktion wird ebenfalls von Google geliefert. „Es gibt wohl kein Land, in dem Google mehr Marktanteile hat“, sagt Thomas Eisinger, Gründer von Explido Webmarketing, einer Agentur für Online-Werbung mit Sitz in Augsburg.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%