Yves Carcelle im Gespräch: Yves Carcelle: "Der Luxus meiner Jugend war das Reisen"

Yves Carcelle im Gespräch: Yves Carcelle: "Der Luxus meiner Jugend war das Reisen"

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Eine Passantin läuft an einem Louis Vuitton-Geschäft in New York City vorbei.

Im Gespräch mit fivetonine erläutert Louis-Vuitton-Präsident Yves Carcelle, warum die Interaktion mit der Kunst im Geschäft mit dem Luxus unverzichtbar ist.

WirtschaftsWoche: Monsieur Carcelle, Ihr Unternehmen engagiert sich schon seit Jahren intensiv für zeitgenössische Kunst. Sind Sie persönlich in alle Projekte eingebunden?

Carcelle: Ja, ich mache das zusammen mit Bernard Arnault, dem Chef unserer Gruppe LVMH, und Marc Jacobs, dem Kreativdirektor von Louis Vuitton. Es ist uns eine Freude, zu erleben, wie in unserem Auftrag wunderbare Werke von so großen Künstlern wie Olafur Eliasson, Richard Prince oder Takashi Murakami entstehen, die wir in die Welt von Louis Vuitton integrieren. Wie bereichernd, Kreativität unterstützen zu dürfen...

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...und Geld in Vision und Ästhetik zu verwandeln? 

Genau. Und wir bringen die Kunst einem riesigen Publikum nahe, das ihr in unseren Läden und Schaufenstern und durch unsere Produkte begegnen kann. Unsere Kunden lernen so, wie faszinierend es ist, mit Kunst zu leben. 

Und was lernen Sie von den Künstlern?

Sehr viel. Wir begleiten sie ja während der Entstehung ihrer Arbeiten, diskutieren mit ihnen und lassen uns immer wieder von ihrer Kreativität überraschen. Am radikalsten in seinen Konzepten war sicherlich Olafur Eliasson. Zuerst entwarf er diesen total schwarzen, geräuschisolierten Aufzug in unserer Maison, dem Flagship-Store an den Champs-Élysées. Jedes Mal, wenn ich diesen Lift benutze, um in den Espace Louis Vuitton zu fahren, unseren Ausstellungsraum im 7. Stock, stockt mir der Atem! 

Stammten von ihm nicht auch die spiegelnde Leuchtpupillen-Schaufensterinstallation „Eye see you“? 

Ja. Das Projekt war eine Herausforderung. Damals hatten wir eines Tages auch eine Besprechung mit unserer Merchandising-Abteilung. „Und wie arrangieren wir die Produkte zu Ihrem Werk?“, wollte Mitarbeiter wissen. Olafur sah ihn nur an und meinte: „Machen Sie Witze? Bei meiner Kunst haben Ihre Produkte nichts zu suchen“. Es war ein Risiko, aber wir wagten es, und am Ende wurden wir reich belohnt.

Was ist die größte Herausforderung für Ihr Unternehmen im Umgang mit Künstlern?

Die gemeinsame Produktgestaltung. Das Paradebeispiel ist Takashi Murakami, Japans Andy Warhol, wie ihn die Medien nennen. Mit ihm arbeiteten wir erstmals 2002 zusammen. Sechs Monate nach dem Anschlag aufs World Trade Center sagte mir Marc Jacobs, er würde nach dem deprimierenden Ereignis gern mit jemandem kooperieren, dessen Kunst Heiterkeit und vielleicht einen Hauch Naivität ausstrahlt. Er machte mich auf Murakami und seine Arbeiten aufmerksam. Ich war begeistert. 

War es im Jahr 2005 nicht auch Murakamis Kirschmotiv-Tasche, die Ihrem Haus Umsatzrekorde bescherte?

Ja. Wissen Sie, wie die Idee entstand? In Japan blühen ja in einer bestimmten Woche im April alle Kirschbäume plötzlich auf einmal, sie explodieren förmlich. Für kurze Zeit ist das ganze Land rosafarben, und die Frauen tragen Schirme, damit sich die Blüten nicht in ihren Haaren verfangen. Statt der Schirme produzierten wir die Taschen! Es war phänomenal!

Aber Louis Vuitton ist in der Kunstszene nicht allein. Setzen andere Label nicht auch Kunstprojekte um?

Stimmt. Aber unser Engagement ist ein gewachsenes und damit vermutlich tiefer, reifer. Aber wir maßen uns nicht an, die Vorreiter zu sein. Wenn Kunst den Leuten hilft, ihr Leben glücklicher zu verbringen, dann freue ich mich über jede Form der Förderung. Bringt die Kunst doch auf die Straße, in die Büros, in die Läden, bringt sie bis in die letzten Winkel – je mehr, desto besser. Schenkt den Leuten positive Gefühle!

Ihre jüngste Initiative ist die Fondation Louis Vuitton pour la création. Was ist das?

Die Fondation Louis Vuitton war schon seit Jahren ein Traum von Monsieur Arnault. Es ist unser mit Abstand ehrgeizigstes Engagement. Mit dem Amerikaner Frank Gehry haben wir den idealen Architekten gefunden. Er wird eine beschwingte Konstruktion entwerfen, eine elegante gläserne Superstruktur für den Jardin d’Acclimatation im Herzen des Bois de Boulogne, dem Hauspark von Paris. Die Architektur selbst ist eine kreative Geste, unabhängig von ihrem Inhalt. 

Und was genau ist der Inhalt?

Ein Teil der Sammlung unserer Gruppe wird dort permanent zu sehen sein, dazu gibt es ein temporäres Ausstellungsprogramm, Lesungen, Konzerte und andere Events. Es ist noch in der Entstehungsphase. Die Eröffnung planen wir für 2011.

Was fasziniert Sie an der Kooperation mit Künstlern?

Wie sie Ideen sinnlich werden lassen. Noch ein Beispiel: Für unser Maison in Hongkong hat der italienische Videopionier Fabrizio Plessi den Film „Il lusso è lento“ („Luxus ist langsam“) produziert. Auf einem Großbildschirm schmilzt Gold, das Ursymbol des Überflusses, langsam vor sich hin. Plessi veranschaulicht mit der Installation, dass Luxus eben nicht oberflächlich ist: Man braucht notwendig die Zeit, um ihn zu verstehen und zu genießen.

Wann entdeckten Sie die Kunst?

Vor vielen Jahren. Als Kind stieß ich in einem Bildband auf Salvador Dalís „Christus am Kreuz“. Dieses Gemälde zog mich in seinen Bann, vor allem durch sein Licht. Mit 13 stand ich während einer Spanienreise im Museum erstmals vor einem Werk von Joan Miró – und war schockiert. Seine Abstraktionen erschienen mir tollkühn. Diese beiden Künstler also prägten mein Kunstverständnis. 

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