Zahlentricksereien: Analysten rechnen den Wert der GM-Aktie schön

Zahlentricksereien: Analysten rechnen den Wert der GM-Aktie schön

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Kursmakler

von Andreas Henry

Mit bis zu 90 Milliarden Dollar bewerten Analysten General Motors. Sie vollbringen mühsame Klimmzüge zur Rechtfertigung.

Ein Zyniker von der Wall Street weiß schon jetzt, wie der Börsengang von General Motors (GM) ausgeht. „Egal, zu welchem Kurs GM wieder an die Börse kommt“, sagt der Vertreter eines institutionellen Investors, „verlieren wird der amerikanische Steuerzahler.“ Selbst bei einem hohen Emissionspreis, der den Eindruck erweckt, die 50-Milliarden-Dollar-Spritze der US-Regierung zur Rettung des Autokonzerns werde in die Steuerkasse zurückgezahlt, müsse der normale Amerikaner bluten, meint der Fondsmanager. „Wenn der Kurs der Aktie nach dem Börsengang fällt, weil sie zu teuer in den Markt gedrückt wurde, werden die Verluste eben auf Millionen amerikanischer Anleger in Investmentfonds und Pensionskassen verteilt.“

Ehrlich wäre es, Präsident Barack Obama würde das schlechte Geschäft eingestehen und die neuen GM-Aktien zu einem Preis anbieten, der Spielraum nach oben lässt. Doch das ist politisch fast unmöglich. Denn Obama hat versprochen, dass der Steuerzahler jeden Dollar zurückbekommt. Und in neun Wochen stehen wichtige Wahlen an. Die Gegner des Präsidenten werden es als weiteren Beleg einer gescheiterten Wirtschaftspolitik werten, sollte GM nicht zu einem Preis platziert werden, mit dem Obama sein Versprechen einlöst.

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Die Analysten der Banken gaben dem Präsidenten bisher Rückendeckung. Im Frühjahr, als der Schönheitswettbewerb für die Suche der Konsortialführer unter den Banken lief, errechnete Eric Selle von JP Morgan Chase sogar einen Marktwert von 90 Milliarden Dollar. Damit würde die Rettungsaktion sogar zum profitablen Geschäft. Bei rund 75 Milliarden Dollar Börsenwert dürfte der US-Staat in etwa mit plus/minus null herauskommen.

Doch die Klimmzüge der Bankanalysten, um die hohen Bewertungen zu rechtfertigen, sind mühsam. Eine neue Kennziffer muss herhalten, die an die Bewertungsexzesse der Dotcom-Blase vor gut zehn Jahren erinnert: Ebitdapo, Erträge vor Zinsen, Steuern, Abschreibung – und Pensionsverpflichtungen. Aber die haben es bei GM in sich: In der Pensionskasse klafft ein 27-Milliarden-Dollar-Loch und bei der Krankenversicherung für Mitarbeiter eine weitere 8,7 Milliarden Dollar breite Lücke.

Vor allem beim Vergleich mit der Konkurrenz sieht eine Bewertung von GM mit 75 Milliarden Dollar sehr ambitioniert aus: Ford (Börsenwert 39 Milliarden Dollar) ist operativ deutlich profitabler und hat das bessere Management. Volkswagen (Börsenwert 44 Milliarden Dollar), Daimler (53 Milliarden Dollar) und BMW (32 Milliarden Dollar) sind alle profitabler und haben ein deutlich besseres Markenportfolio als GM. Nur der durch die Rückrufkrise geschüttelte Toyota-Konzern wäre mit rund 120 Milliarden Dollar Börsenwert teurer als GM.

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