Zeitarbeit: Das Bohrloch schließen!

KommentarZeitarbeit: Das Bohrloch schließen!

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Schlecker-Filiale

von Harald Schumacher

Die Zahlen der Arbeitnehmerüberlasser nähern sich schon wieder den Rekordständen der Vorkrisenzeit. Gleichzeitig steckt die Zeitarbeits-Branche im Image-Tief. Daran wird sich nichts ändern, solange sie den Schlecker-Skandal nicht als ihren eigenen begreift.

Am Donnerstag dieser Woche tagte der Spitzenverband der Zeitarbeitsbranche. Zu beobachten war ein Wirtschaftzweig, der einerseits vor Selbstbewusstsein nur so strotzt und auf der anderen Seite zutiefst verunsichert ist.

Das Selbstbewusstsein wird getragen von der aktuellen Geschäftsentwicklung.

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So rapide, wie die Mitarbeiterzahlen zu Beginn der großen Konjunkturkrise einbrachen, so zügig gehen sie jetzt wieder hoch: Richtung 800 000, bald vermutlich Richtung der in Deutschland noch nie erreichten Millionengrenze. Händeringend suchen manche Unternehmen schon nach Personal.

Selbst die lange befürchtete Öffnung der Grenzen nach Osteuropa erscheint plötzlich nicht mehr als Sorge, sondern als Chance, weil dort vielleicht ein neues Arbeitskärfte reservoir zu erschließen wäre. Eine fulminante Trotzreaktion ist das nach der Verzagtheit von 2009.

Nun zeigt sich: Das Ab und das Auf der Zahl der Zeitarbeits-Beschäftigten entspricht der gesamtwirtschaftlichen Funktion der Arbeitnehmerüberlassung: Sie federt die Spitzen der volatilen Geschäftsentwicklung bei den entleihenden Betrieben und auch im Arbeitsmarkt insgesamt ab.

Solange weiter geschleckert wird, ist der Skandal nicht vorbei

Die tiefe Verunsicherung der Branche ist Folge der Schlecker-Debatte.

Weil der Drogeriekonzern mit einem ihm nahestehenden Zeitarbeitsunternehmen tausende von zuvor regulär beschäftigten Verkäuferinnen  zu schlechter bezahlten Leih-Arbeitnehmerinnen machen wollte, geriet die ganze Arbeitnehmerüberlassungsbranche ins Zwielicht.

Mit der schnell verkündeten Einsicht, man müsse den Missbrauch stoppen, ist es aber nicht weit her. Die Versuche, per Tarifvertrag und per Gesetz einzugreifen, sind nur geeignet, die schlimmsten Exzesse des Schleckerns zu verhindern. Nicht verhindert wird dadurch, dass Unternehmen aller möglicher Branchen weiterhin eigene potemkinsche Zeitarbeitsfirmen gründen, um aus großen Teilen ihrer Stammbelegschaften Leiharbeiter-Kolonnen zu machen.

Was auch nicht weiter führt, ist die in der Branche gern vertretene These, der Imageschaden habe die Zeitarbeit zu Unrecht ereilt, denn Schlecker sei ja kein Zeitarbeits- sondern ein Einzelhandelsunternehmen.

Stimmt zwar. Aber Meniar - so hieß Schleckers Partner-Unternehmen - ist sehr wohl ein Zeitarbeitsunternehmen und gehörte jahrelang einem der drei Branchenverbände an.

Und auch die Zeitarbeits-Töchter von Arbeiterwohlfahrt, Zeitungsverlagen, Unikliniken oder anderen Krankenhäusern, sind Mitglied beim  Bundesverband Zeitarbeit (BZA), bei der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) oder dem Arbeitgeberverband Mittelständischer Personaldienstleister (AMP).

Sie schleckern weiter im ganz großen Stil und mit System, auch wenn Schlecker selber inzwischen die Methode des Personalkostendumpings aufgibt. 

Der Schlecker-Skandal ist also ein Zeitarbeitsskandal. Er funktioniert wie die ganze Branche auf Grundlage des unter dem damaligen Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement 2003 liberalisierten Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes.

Die Zeitarbeitsbranche braucht eigentlich ein sehr gutes Image, weil sie schnell Personal rekrutieren muss und zudem immer mehr um höher qualifizierte Arbeitnehmer wirbt.

Um als Arbeitgeber für solche Bewerber attraktiv zu sein, muss die Zeitarbeit jetzt nicht in erster Linie teure Kampagnen inzenieren, sondern die Substanz in Ordnung bringen.

Warum keine Ausschlussverfahren gegen Verbandsmitglieder?

Das ist nicht in erster Linie Sache des Gesetzgebers, sondern der Branche.

Da ist wohl eine klare Entscheidung notwendig und ein harter Schnitt. 

Wenn Arbeitnehmerüberlasser, die allein dem Zweck dienen, Tarife zu umgehen und Personalkosten zu drücken, Teil der Branche bleiben, dann können sich Funktionäre und Manager nicht beschweren über den miserablen Ruf, den die Zeitarbeit hat - auch wenn die untersten Branchen-Tariflöhne auf ein respektables Niveau steigen und die meisten Unternehmer natürlich keine gewissenslosen Ausbeuter sind.

Warum keine Ausschlussverfahren gegen Mitglieder, die den Ruf der Branche ruinieren?

BP muss schließlich auch erst das Bohrloch im Golf von Mexiko schließen und erst dann darüber nachdenken, was nun für´s Image des Konzerns zu tun ist.

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