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Zeitarbeit I.K. Hofmann: Stellenabbau, wenn es schlimm wird

von Harald Schumacher

Bis Mitte November erschien Ingrid Hofmann das, was bei ihrem Zeitarbeitsunternehmen I.K. Hofmann in passierte, "wie normales Geschäft“. Doch immer mehr Auftraggeber verlängern ihre Verträge nicht.

Arbeitnehmer-Verleiherin Ingrid Hofmann: Andere Jobs für 2000 Mitarbeiter
Arbeitnehmer-Verleiherin Ingrid Hofmann: Andere Jobs für 2000 Mitarbeiter

Bis Mitte November erschien Ingrid Hofmann das, was bei ihrem Zeitarbeitsunternehmen I.K. Hofmann in Nürnberg passierte, „wie normales Geschäft“. Nach Jahren rasanten Wachstums – das Unternehmen hatte die Zahl seiner Leiharbeitskräfte seit 2005 auf 13 000 mehr als verdoppelt – stornierte der Kunde BMW im Lauf des Jahres 2008 zwar in großem Umfang Aufträge. 2000 Leiharbeiter, die bei dem Autohersteller und bei Automobilzulieferern eingesetzt waren, musste I.K. Hofmann bis Herbst vergangenen Jahres zurücknehmen. Aber die Disponenten in den 70 deutschen Hofmann-Niederlassungen fanden für die Leute andere Einsatzmöglichkeiten – wenn auch zu schlechteren Konditionen als in der Autoindustrie.

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Doch dann kam der November, und BMW in Leipzig stellte von Zwei-Schicht- auf Ein-Schicht-Produktion um. Binnen vier Wochen waren weitere 300 I.K. Hofmann-Mitarbeiter ihren Einsatzort los. Die anderswo unterzubringen war kaum noch möglich. Der Markt rund um Leipzig sei regelrecht „zusammengebrochen“, konstatierte Firmenchefin Hofmann. Kalt erwischt kündigte sie 125 Mitarbeitern. Weitere 500 mussten zum Jahresende gehen, weil ihre befristeten Verträge bei I.K. Hofmann nicht verlängert wurden.

Es ist der erste Arbeitsplatzabbau bei dem fränkischen Arbeitskräfteverleiher seit sieben Jahren. In weiser Voraussicht hat Unternehmerin Hofmann 2008 einem Fünftel der neu eingestellten Mitarbeiter nur befristete Verträge gegeben, obwohl sie eigentlich „kein Freund von Befristungen“ ist. Heute sieht sie diesen Teil der Belegschaft notgedrungen „als Puffer“. Entlassungen wie bei I.K. Hofmann haben die schon immer umstrittenen Zeitarbeitsunternehmen wieder unter Beschuss gebracht. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung befürchtet, bis zu 250 000 der derzeit 750 000 Leiharbeitnehmer in Deutschland könnten infolge der Krise ihre Jobs verlieren. Unternehmerin Hofmann steht unter besonderer Beobachtung der Gewerkschaften, Politiker und Wettbewerber, weil sie als Vizepräsidentin des Bundesverbandes Zeitarbeit und Präsidiumsmitglied bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände eine Botschafterin ihrer Branche ist.

In der Krise reagiert die Zeitarbeit wie jedes andere Unternehmen auch

So sehr die Zeitarbeit in den vergangenen Jahren den Arbeitsmarkt entlastet hat – in der Krise reagieren die Unternehmen wie andere auch: Wo Aufträge fehlen und Arbeitszeitguthaben aufgebraucht sind, schrumpft die Belegschaft. Ein großzügigeres Vorgehen lässt das Geschäftsmodell nicht zu. „Garantietage“, sagt Hofmann – also Zeiten, in denen sie Mitarbeiter bezahlt, ohne dass diese bei einem Kunden arbeiten – „können wir nur nutzen, wenn wir eine realistische Einsatzperspektive für den Mitarbeiter haben; ansonsten würden unsere Kalkulationen ausufern.“

Die neue Regelung, dass auch Leiharbeitsunternehmen für ihre Mitarbeiter Kurzarbeitergeld beantragen können, galt noch nicht, als BMW die Hofmann-Leiharbeiter abmeldete. Eine Klausel im Gesetz hätte die Nutzung des Instruments ohnehin fast unmöglich gemacht: Beantragt werden kann Kurzarbeit nur, wenn mindestens ein Drittel eines Betriebs von teilweisem oder totalem Arbeitsausfall betroffenen ist. Hofmanns BMW-Mitarbeiter kamen aber aus 22 verschiedenen Niederlassungen. Nur eine davon – Leipzig II – hätte die Drittel-Vorgabe erfüllt.

Hofmann hat ihre Niederlassungen angewiesen, mit entlassenen Mitarbeitern in Kontakt zu bleiben. Sie sollen gerne zurückkommen, wenn es wieder Aufträge gibt. Denn die Rekrutierungskosten für neu angeworbene Kräfte seien „sehr hoch“. Gleichzeitig bemüht sich die 54-Jährige um Auswege. Sie intensiviert Geschäftskontakte in krisenfestere Branchen wie Solar- und Windenergie und Nahrungsmittel und forciert die ertragreichere Verleihung von Ingenieuren und die Personalvermittlung. Immerhin wurden 25 bis 30 Prozent ihrer Mitarbeiter von den Einsatzbetrieben übernommen. Wenn das vor dem Ablauf von sechs Monaten Einsatz geschieht, bekommt Hofmann eine Vermittlungsgebühr.

Zugleich will die Fränkin verhindern, dass die Leiharbeit zum Buhmann in der Krise erklärt wird. Rund zwei Drittel ihrer Leiharbeitnehmer waren vorher arbeitslos. Wer jetzt den Job verliert, kann mit einem aktuellen Zeugnis beweisen, dass er den Anforderungen anspruchsvoller Arbeitgeber gerecht wird – und hat, meint Hofmann, „bessere Chancen, als wenn er weiter arbeitslos gewesen wäre“.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.05.2009, 07:00 UhrAnonymer Benutzer: Bekannt

    http://www.mdr.de/exakt/5943672.html

  • 16.02.2009, 20:24 UhrAnonymer Benutzer: ZT

    Die Wirtschaftskise trifft auch die Unternehmer in der Zeitarbeitsbranche und nicht nur die Zeitarbeiter, die Wirtschaftskrise trifft alle! Alerdings die Zeitarbeiter wohl ungleich härter! ;)
    http://www.ZEiTARbEiTtransparent.de

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