Zeitarbeits-Manager Schulz: "Die Schlecker-Debatte ist der Albtraum"

Zeitarbeits-Manager Schulz: "Die Schlecker-Debatte ist der Albtraum"

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Marcus Schulz

von Harald Schumacher

Der Chef der Zeitarbeitsfirma USG People Germany, Marcus Schulz, über den Ruf seiner Zunft und Tricks im Tagesgeschäft.

WirtschaftsWoche: Herr Schulz, kaum aus der Krise, beschäftigt die Zeitarbeitsbranche in Deutschland bald mehr Mitarbeiter als je zuvor. Haben Sie den Sekt schon kalt gestellt?

Schulz: Nicht Sekt, sondern Selters. Dieser Rekord ist ein Erfolg in der Statistik, aber nicht im sozialen und politischen Umfeld. Nach Feiern wäre mir zumute, wenn wir nur 700.000 statt 800.000 Beschäftigte, dafür aber gesellschaftliche Akzeptanz hätten. Die haben wir aber nicht.

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Liegt das an der Schlecker-Affäre, die das systematische Ersetzen von Stammbelegschaften durch Leiharbeit offenbarte?

Die Schlecker-Debatte ist der Albtraum unserer Branche. Sie entlarvt schonungslos die Fehler in unserer Selbstwahrnehmung und -darstellung. Wir müssen Kritik endlich ernst nehmen. Wenn selbst die FDP mit uns etwa über Equal Pay diskutieren will – also über die Gleichbezahlung von Zeitarbeitnehmern und Stammbeschäftigten im entleihenden Betrieb –, dann ruiniert das nicht automatisch die Branche. Aber das malen manche reflexartig an die Wand. So sind wir nicht diskussionsfähig. Da agieren auch die Verbände zu defensiv.

Sind die Anti-Schlecker-Klauseln in den Zeitarbeits-Tarifverträgen geeignet, um das Schleckern zu unterbinden?

Nein, diese Klauseln lassen sich leider noch umgehen. Es gibt bessere Möglichkeiten, Missbrauch durch konzerninterne Zeitarbeitsunternehmen zu verhindern. Die sollten, wenn sie mehr als zwei Drittel ihrer Mitarbeiter intern vermitteln, gezwungen sein, sie wie die dortige Stammbelegschaft zu bezahlen. Intern heißt: an im Sinne des Aktienrechts mit ihnen verbundene Unternehmen.

Andere fühlen sich zu Unrecht verfolgt: Da Schlecker kein Zeitarbeitsunternehmen sei, stehe die falsche Branche am Pranger.

So zu argumentieren bringt uns nicht weiter. Schlecker ist zwar ein Branchenfremder, aber das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, das da missbraucht werden sollte, ist die Geschäftsgrundlage unserer Branche. Außerdem sind auch einige der konzerneigenen Zeitarbeitsunternehmen Mitglied in einem der Verbände und werden der Branche zu Recht zugerechnet.

Wie viele schwarze Schafe gibt es denn?

Es geht eben nicht nur um schwarze Schafe, sondern um Grautöne und Grauzonen, die in einigen Zeitarbeitsunternehmen im Alltagsgeschäft noch gang und gäbe sind.

Was meinen Sie?

Da liegt noch vieles im Argen: Immer noch werden Mitarbeiter vorsätzlich falsch eingruppiert, systematisch wird mit Krankenstand und Urlaubsansprüchen getrickst, um einsatzfreie Zeiten zu unterlaufen, die die Unternehmen eigentlich bezahlen müssten, oder um geringfügig Beschäftigte länger einzusetzen als erlaubt. Es liegt an der Branche und den Unternehmen, das zu ändern. Wir müssen verbindliche Standards einfordern, die Missbrauch und Tricks im Umgang mit Mitarbeitern und Vorschriften endlich unterbinden. Wir müssen dem Eindruck entgegenwirken, dass wir Geld damit verdienen, dass wir Menschen schlecht für ihre Arbeit bezahlen. Die Zeitarbeit hat nicht nur Korrekturbedarf in der Kommunikation, sondern auch in der Art, wie manche arbeiten.

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