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Zerfall geht weiter: Teldafax-Verwalter scheitert mit Radikalplan

von Sönke Iwersen und Jürgen Flauger Quelle: Handelsblatt Online

Für Insolvenzverwalter sind schwierige Fälle normales Geschäft. Doch was Biner Bähr in der vergangenen Woche beim Stromanbieter Teldafax vorfand, stellt auch ihn vor unlösbare Probleme.

Insolvenzverwalter Biner Bähr Quelle: dpa
Insolvenzverwalter Biner Bähr Quelle: dpa

Eine Abfuhr nach der anderen. Als der Rechtsanwalt Biner Bähr am 14. Juni vom Amtsgericht Bonn zum vorläufigen Insolvenzverwalter des Stromhändlers Teldafax berufen wurde, glaubte er noch an das Gute im Unternehmen. „Es wäre bedauerlich, wenn ein aktiver und unabhängiger Wettbewerber wie Teldafax aufgeben müsste“, sagte Bähr. Drei Tage später stellte er den Betrieb ein. Ein Brief von Bähr, der dem Handelsblatt vorliegt, zeigt nun, wie Teldafax praktisch vor den Augen des Insolvenzverwalters zerfiel.

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„Nach den ersten Gesprächen mit der Geschäftsführung ging ich davon aus, dass die bisherigen Gesellschafter der Teldafax-Gruppe möglicherweise einen Beitrag leisten würden, um den Geschäftsbetrieb des Unternehmens aufrecht zu erhalten. Ein solcher Beitrag wurde jedoch am heutigen Tag von den Gesellschaftern abgelehnt“, schrieb Bähr am 17. Juni. Sein Brief war an die Netzbetreiber gerichtet, durch deren Leitungen Teldafax seinen Strom zum Kunden leitete.

Teldafax soll 200.000 Kunden fallenlassen

Ihnen machte der Insolvenzverwalter dann einen radikalen Vorschlag: Bähr empfahl, Teldafax solle sich von allen Kunden trennen, „bei denen den laufenden Energieleistungen keine oder unter den Kosten liegenden Einnahmen gegenüberstehen.“ Dann führte er aus: Von den einst 800.000 Kunden, die Teldafax nach eigener Auskunft noch Mitte März hatte, seien nur 350.000 übrig geblieben. Davon wiederum seien lediglich 150.000 für Teldafax profitabel. Bährs Schlussfolgerung: Teldafax sollte umgehend die anderen 200.000 Kunden fallenlassen.

„Die Alternative wäre eine vollständige Einstellung der Belieferung sämtlicher Kunden. Hierdurch wäre jedoch ein Erhalt des Unternehmens und der damit verbundenen Arbeitsplätze ausgeschlossen“, schrieb der Insolvenzverwalter. „Darüber hinaus wäre diese Lösung ebenfalls nicht im Interesse der Gläubiger, weil ein Verkauf des Unternehmens nicht mehr möglich wäre und erheblichen Liquidationskosten keine Einnahmen gegenüberstünden.“

Genau dieser Fall aber ist nun eingetreten. Während Bähr am Freitagvormittag den totalen Lieferstopp noch als Todesstoß für Teldafax beschrieb, musste er ihn schon am Freitagnachmittag bei einer Betriebsversammlung ausrufen. Am Samstag stellte Teldafax alle Stromlieferungen ein.

Ein Sprecher des Insolvenzverwalters wollte auf Anfrage nicht darlegen, warum Bähr gegen seine eigene Expertise handelte und was dies nun bedeutet. „An Spekulationen beteiligen wir uns nicht“, sagte der Sprecher. Einen Hinweis aber gab der letzte Absatz in Bährs Brief: „Mit den Übertragungsnetzbetreibern und Marktgebietsverantwortlichen werde ich versuchen, bereits diesen Freitagvormittag ein gemeinsames Verständnis zu erzielen.“

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