Zerschlagungs-Spekulationen: Hält TUI-Chef Frenzel dem Dauerfeuer des Tankerkönigs stand?

Zerschlagungs-Spekulationen: Hält TUI-Chef Frenzel dem Dauerfeuer des Tankerkönigs stand?

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TUI-Chef Michael Frenzel: will sich nun von seiner Schifffahrt-Sparte Hapag-Lloyd trennen

Die TUI stellt sich auf eine Trennung der beiden Geschäftsbereiche Touristik und Schifffahrt ein – aber was wird dann aus Vorstandschef Michael Frenzel?

Eine Nachricht der vergangenen Woche ging im Schlachtenlärm der Auseinandersetzung um die Zukunft des Touristik- und Schifffahrtskonzerns TUI unter: Das Unternehmen bleibt Hauptsponsor von Hannover 96, die bestehende Partnerschaft wird bis zum Ende der Saison 2010/11 verlängert.

Die TUI weiß dabei ziemlich genau, was sie bekommt: einen Bundesligisten, der gut zu ihr passt – auch die Niedersachsen müssen sich wegen mäßiger Performance häufig Kritik gefallen lassen, auch sie haben aktuell ein Abwehrproblem. Umgekehrt ist das nicht ganz so klar: Steht das rote TUI-Grinse-Logo auf den Trikots weiter für einen in der Landeshauptstadt beheimateten Touristik- und Schifffahrtskonzern? Für eine Containerreederei aus Hamburg mit Touristiktochter in London? Oder bald nur noch für ein britisches Reiseunternehmen mit starker Präsenz in Deutschland?

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Die Zukunft der TUI ist so ungewiss wie nie: Seit gut zwei Wochen führt der norwegische Reeder John Fredriksen einen Nervenkrieg gegen den Vorstand des aus der Preussag hervorgegangenen Touristik- und Logistikkonzerns. Ihm geht es um eine schnelle Abspaltung der Containerreederei Hapag-Lloyd, neben der TUI Travel die zweite tragende Säule des Konzerns. Zwar rechnet niemand damit, dass Fredriksen für seine Forderung eine Mehrheit findet. Mittelfristig dürfte die Entwicklung nach Ansicht von Beobachtern aber genau darauf hinauslaufen: „Der Aufsichtsrat wird den Vorstand wohl auffordern, die unterschiedlichen Optionen zu prüfen“, erwartet ein TUI-Insider. Dann müsste Konzernchef Michael Frenzel das tun, wogegen er sich seit Monaten sträubt: ernsthaft nach Wegen suchen, wie sich Touristik und Containerschifffahrt zum finanziellen Nutzen der Aktionäre trennen lassen. Für Frenzel ist das nicht nur der Abschied von seinen bisherigen Plänen – er könnte sich dabei selbst überflüssig machen.

Das Thema Zerschlagung ist bei der TUI ein Dauerbrenner, weil der von Frenzel betriebene Umbau der Preussag nie den versprochenen Erfolg hatte. Weder der mit viel Geld zusammengekaufte Reisekonzern noch der ebenso teure Zukauf der Reederei CP Ships hat sich gelohnt. Stattdessen stieg die Verschuldung auf ein Rekordniveau von 3,4 Milliarden Euro. Die den Aktionären immer wieder versprochene Wertsteigerung ihrer Anteile ist – von kurzfristigen, spekulationsbedingten Kurssprüngen abgesehen – ausgeblieben. „Es gibt eine Logik, die für eine Aufspaltung spricht“, sagt UniCredit-Analyst Christian Obst. Hedgefonds wollten Konzernchef Frenzel deshalb schon vor knapp zwei Jahren zwingen, Hapag-Lloyd zu versilbern, im vergangenen Oktober forderte der US-Investor Guy Wyser-Pratte gar den Kopf des dienstältesten Dax-Chefs, weil der sich stur stellte.

Bisher überstand Frenzel alle Angriffe aufmüpfiger Anteilseigner – auch weil er immer wieder sein Konzept änderte. Mit der Übernahme des britischen Reiseveranstalters First Choice vor einem Jahr und der Ausgliederung der Touristik in die eigenständige, in London gelistete TUI Travel kam er seinen Kritikern ein Stück entgegen. Zumal er die operative Verantwortung für das Reisegeschäft dem erfolgreichen First-Choice-Boss Peter Long überließ.

Im Moment steht der TUI-Konzern gar nicht mal schlecht da: Umsatz und Ergebnis haben deutlich angezogen, die Aussichten sind gut. Aber dennoch: Mit seinem (vorerst letzten) Plan zur Verschmelzung der TUI-Holding in Hannover mit der Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd in Hamburg und dem geplanten Konzern-Umzug an die Elbe überzog Frenzel offenbar. Eigentlich wollte der gewiefte Taktiker damit die Abspaltung der Schifffahrt erschweren. Tatsächlich hat er genau das provoziert – weil sein Gegner aus anderem Holz geschnitzt ist als die früheren.

John Fredriksen, 64 Jahre alter Milliardär aus Norwegen mit steuersparendem zweiten Pass und Wohnsitz auf Zypern, ist Chef der Greenwich Holding, über die er rund 70 Tanker seiner Reederei Front Line kontrolliert. Deren Name ist Programm und war Grundstein für Fredriksens Reichtum: Mit einer billig zusammengekauften Flotte verschiffte der Norweger während des Iran-Irak-Krieges in den Achtzigerjahren unter großem Risiko, aber mit hohen Gewinnen das Öl der Ayatollahs.

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