Zugausfälle: Riskante Sparpolitik sorgt für Chaos bei der Bahn

Zugausfälle: Riskante Sparpolitik sorgt für Chaos bei der Bahn

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Fahrgäste in Göttingen: Die Zahl der Zugverspätungen im Winter ist deutlich gestiegen

Stundenlange Verspätungen, ausgefallene Züge, überfüllte Waggons: Bahnkunden leiden unter dem Chaos auf den Schienen. Die Deutsche Bahn schiebt die Probleme auf das Wetter. In Wirklichkeit sind sie Folgen einer riskanten Sparpolitik.

Die Fahrgäste des ICE 104 von Frankfurt Flughafen nach Köln staunten nicht schlecht über die Durchsage des Zugführers am Abend des 14. Januar: „Dieser Zug ist überfüllt und kann so nicht abfahren. Der nächste Zug folgt in wenigen Minuten. Sofern nicht genügend Passagiere aussteigen, muss ich den Zug räumen lassen. Die Bahnpolizei ist informiert.“ Bahnreisende drängten sich in den Gängen des Zuges, Gepäck stapelte sich übereinander. An ein Durchkommen war nicht mehr zu denken. Wenige Minuten später rückten vier uniformierte Polizeibeamte an und forderten die Gäste auf, den Zug zu verlassen. Der Grund für das Chaos: Zug 104 war nur mit halb so vielen Waggons unterwegs wie geplant.

Es war wieder so ein Tag, an dem die Geduld der Fahrgäste auf die Probe gestellt wurde: Diejenigen, die der Aufforderung der Polizei nachkamen, stauten sich im nächsten Zug. Die übrigen drängelten sich in den abfahrenden Wagen. Egal, für welche Option sie sich entschieden: Eine angenehme Reise war es nicht.

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Bahn schiebt Ausfälle auf extreme Witterung

Derzeit trifft man kaum Bahnfahrer, die nicht solche oder ähnliche Geschichten von ihrer Reise mitbringen. Die Deutsche Bahn schob die Schuld für Verspätungen und Zugausfälle in den beiden ersten Januarwochen auf die extreme Witterung. Dadurch sei die Zahl der Fahrzeugstörungen „deutlich angestiegen“, sagt Technikvorstand Volker Kefer. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Der Bahnbetrieb leidet vielmehr unter Managementfehlern der Vergangenheit, insbesondere einer riskanten Sparpolitik.

Die Folgen sind unter anderem technische Probleme sowie fehlende Reserven, um Ausfälle bei Schnee und Kälte auszugleichen. Wozu das führt, lässt sich seit Monaten im Berliner S-Bahn-Chaos beobachten, wo die Bahn Wartungsarbeiten aussetzte und nicht mehr zuverlässig fährt. Nun werden Auswirkungen auch immer öfter auf den ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecken sichtbar. Und als sei das noch nicht genug, berichten Lokführer neuerdings von Problemen mit ICE-Zügen wegen unzureichender Wartung.

Grube will nicht vom Wetter reden

Die Deutsche Bahn macht keine gute Figur. Selten zuvor hatte der Mobilitätskonzern mit so vielen Problemen zu kämpfen wie diesen Winter. Knapp neun Monate nach Amtsantritt kann Vorstandschef Rüdiger Grube die Bahn noch nicht als zuverlässiges Transportmittel präsentieren. „Wenn feiner Schnee durch die Ritzen dringt und sich auf die Kondensatoren setzt, gibt es schnell mal einen Kurzschluss“, sagte Grube dem Magazin „Focus“. „Unser Ziel muss sein: Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“

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21 Kommentare zu Zugausfälle: Riskante Sparpolitik sorgt für Chaos bei der Bahn

  • Na da hat der Mehdorn aber einen schönen Sauhaufen hinterlassen. Die boni für seine vermutlich frisierten bilanzen hat er aber bereits kassiert und muss sie auch nicht mehr zurückzahlen. So läuft es in der Wirtschaft und die Politik spielt mit. Wie lange lassen wir uns noch verarschen???????????????

  • Als regelmäßiger bahnkunde will ich hier nur einmal ein paar wenige beispiele für Ausreden der letzten Wochen für Zugverspätungen und Ausfälle nennen. Personenschaden: Die bahn schafft es nicht, an neuraligen Stellen, die Gleise durch Zäune zu sichern. Wegen Kälte, funktionieren die Kupplungen zwischen den Waggons am iCE nicht! (Ohne Worte). Montags im Regionverkehr sind regelmäßig die Waggons von aussen beschmiert und müssen dan einen Tag in die Reinigung (kann man die nachts nicht bewachen???). im übrigen hat man in England und Argentinen ja gesehen, wohin die Privatisierung führt: Die Abschreibungen werden an die Shareholder ausgeschüttet und dann wird die öffentliche Hand um Hilfe gebeten. Aus Sicht eines moralfreine Shareholder-Value-Ansatzes absolut logisches Verhalten. Pfui!

  • Ja, das "SYstem Mehdorn" lebt weiter. Gewinne zu Laster der Kunden, Sicherheit zu Lasten der Kunden, kapitale Ausfälle zu Schaden des Einzelnen und der Volkswirtschaft. Hat sich die Politik - egal welche Partei - die Privatisierung so vorgestellt ? Die Politik hatte Zeit genug dieses zu ändern - egal welche nun regierte - man nahm aber lieber den "Gewinn" und spekulierte auf den börsengang. Wie lange wird das noch gutgehen oder wie lange akzeptieren die Kunden dieses ?

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