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Zugausfälle: Riskante Sparpolitik sorgt für Chaos bei der Bahn

von Christian Schlesiger, Friedhelm Weidelich und Max Haerder (Berlin)

Stundenlange Verspätungen, ausgefallene Züge, überfüllte Waggons: Bahnkunden leiden unter dem Chaos auf den Schienen. Die Deutsche Bahn schiebt die Probleme auf das Wetter. In Wirklichkeit sind sie Folgen einer riskanten Sparpolitik.

Fahrgäste in Göttingen: Die Quelle: dpa
Fahrgäste in Göttingen: Die Zahl der Zugverspätungen im Winter ist deutlich gestiegen Quelle: dpa
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Die Fahrgäste des ICE 104 von Frankfurt Flughafen nach Köln staunten nicht schlecht über die Durchsage des Zugführers am Abend des 14. Januar: „Dieser Zug ist überfüllt und kann so nicht abfahren. Der nächste Zug folgt in wenigen Minuten. Sofern nicht genügend Passagiere aussteigen, muss ich den Zug räumen lassen. Die Bahnpolizei ist informiert.“ Bahnreisende drängten sich in den Gängen des Zuges, Gepäck stapelte sich übereinander. An ein Durchkommen war nicht mehr zu denken. Wenige Minuten später rückten vier uniformierte Polizeibeamte an und forderten die Gäste auf, den Zug zu verlassen. Der Grund für das Chaos: Zug 104 war nur mit halb so vielen Waggons unterwegs wie geplant.

Es war wieder so ein Tag, an dem die Geduld der Fahrgäste auf die Probe gestellt wurde: Diejenigen, die der Aufforderung der Polizei nachkamen, stauten sich im nächsten Zug. Die übrigen drängelten sich in den abfahrenden Wagen. Egal, für welche Option sie sich entschieden: Eine angenehme Reise war es nicht.

Bahn schiebt Ausfälle auf extreme Witterung

Derzeit trifft man kaum Bahnfahrer, die nicht solche oder ähnliche Geschichten von ihrer Reise mitbringen. Die Deutsche Bahn schob die Schuld für Verspätungen und Zugausfälle in den beiden ersten Januarwochen auf die extreme Witterung. Dadurch sei die Zahl der Fahrzeugstörungen „deutlich angestiegen“, sagt Technikvorstand Volker Kefer. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Der Bahnbetrieb leidet vielmehr unter Managementfehlern der Vergangenheit, insbesondere einer riskanten Sparpolitik.

Die Folgen sind unter anderem technische Probleme sowie fehlende Reserven, um Ausfälle bei Schnee und Kälte auszugleichen. Wozu das führt, lässt sich seit Monaten im Berliner S-Bahn-Chaos beobachten, wo die Bahn Wartungsarbeiten aussetzte und nicht mehr zuverlässig fährt. Nun werden Auswirkungen auch immer öfter auf den ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecken sichtbar. Und als sei das noch nicht genug, berichten Lokführer neuerdings von Problemen mit ICE-Zügen wegen unzureichender Wartung.

Grube will nicht vom Wetter reden

Die Deutsche Bahn macht keine gute Figur. Selten zuvor hatte der Mobilitätskonzern mit so vielen Problemen zu kämpfen wie diesen Winter. Knapp neun Monate nach Amtsantritt kann Vorstandschef Rüdiger Grube die Bahn noch nicht als zuverlässiges Transportmittel präsentieren. „Wenn feiner Schnee durch die Ritzen dringt und sich auf die Kondensatoren setzt, gibt es schnell mal einen Kurzschluss“, sagte Grube dem Magazin „Focus“. „Unser Ziel muss sein: Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“

21 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.02.2010, 19:05 UhrAnonymer Benutzer: Ingolf

    Anstatt Züge zu räumen sollte die Polizei mal die Vorstandsetage des bahntowers räumen. Was muss sich der bürger noch alles gefallen lassen (bei den Preisen!!), bis die Versager endlich zur Verantwortung gezogen werden!? Ganz zu schweigen von den vielen ausländischen Fahrgästen, die in aller Welt von ihren Erlebnissen deutscher bahnreisen berichten. Klasse! Und: die vielen bahnangestellten, die ihre Arbeit gut erledigen wollen aber von der Konzernleitung zum Lügen angehalten werden... die können einem wahrlich leid tun. Den begriff FahrGAST kann man aus den bahnflyern streichen, als Gast fühlt sich in dem Unternehmen wohl kaum noch jemand. Senk ju for träwelling wis Deutsche bahn!

  • 26.01.2010, 08:53 UhrAnonymer Benutzer: nachdenklich 2

    Herr Mehdorn hatte wohl seinen beruf verfehlt. Als Manager hat er vollkommen versagt, aber er ist oder war ein Spezi von bundeskanzler a.D. Hr. Schröder, das reicht aus um einen solchen Posten zu besetzen oder???? Wäre er lieber Schauspieler geworden. Er hätte bestimmt eine Rolle in Ottos Film die sieben Zwerge bekommen, als der böse Zwerg. Er hätte sich nicht einmal verstellen brauchen sonder einfach nur sich selbst spielen und die Größe hätte auch noch gepasst. Und Schaden hätte er auch keinen angerichtet.

  • 25.01.2010, 23:42 UhrAnonymer Benutzer: Björn

    Zu dieser riskanten Sparpolitik werden, wie auch zu Anfang diesen Jahres, jedes Jahr die Preise erhöht. ich frage mich, wo das Geld bleibt....

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