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Zugsausfälle: Bahn fahren: Die moderne Odyssee

von Stephanie Heise, Regina Surmont, Thomas Kuhn, Jürgen Berke, Wilfried Eckl-Dorna, Christian Schlesiger, Lothar Schnitzler, Jürgen Salz und Anke Heinrich

Erst das Hitzechaos, dann das Unwetter: Auch etliche WirtschaftsWoche-Redakteure zählten zu den Betroffenen des Deutsche-Bahn-Kollapses. Ihre Erlebnisse: keine Information, keine Klimaanlage, keine Bahn.

Keinerlei Anzeigen

Anzeige
Menschenmassen warten auf dem Quelle: dpa
Menschenmassen warten auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof auf ihre Züge. Die Bahn hatte wegen des Unwetters den Verkehr zeitweise eingestellt. Quelle: dpa

Düsseldorf, Montag, 17:30 Uhr: Ein Kollege stürzt in mein Büro: "Es fahren keine Bahnen mehr nach Köln wegen des Unwetters." Schneller Blick auf die Info-Seite der Deutschen Bahn. Doch, eine S-Bahn um 17.58 Uhr leuchtet hier noch grün mit "pünktlich". Ich eile zum Bahnhof. Unten keinerlei Anzeigen. Oben auf dem S-Bahn-Gleis auch nicht. Es kommt keine S-Bahn und auch kein anderer Zug.

Tausende Menschen auf den Bahnsteigen fragen sich gegenseitig, ob es eine Durchsage gegeben habe. Keiner weiß etwas. Nach etwa einer halben Stunde ohne irgendeine Information kocht die Wut hoch. Nicht weil die Bahn wegen des Unwetters nicht fährt. Sondern weil weder jemand am Lautsprecher die Lage erklärt geschweige denn sich ein Uniformierter auf die Bahnsteige wagt. Dann kommt sie endlich, die Ansage: "Wir wissen nicht, wann der nächste Zug nach Köln fahren kann. Warten Sie auf die Ansage."

Stephanie Heise

Stehplatz ergattert

Düsseldorf, Montag, 17:00 Uhr: Der Bahnhof voller herumirrender Menschen, vor dem einzigen Auskunftsschalter stehen hunderte von Fahrgästen an. Die Anzeigetafeln sind leer oder es stehen die Zugabfahrten von 13.00 – 14.00 Uhr drauf, keinerlei Durchsagen außer „Unterlassen Sie das Sitzen auf den Bahnsteigkanten, es besteht Lebensgefahr“. Ich frage mich durch, ob jemand weiß, wann und wo was nach Köln fährt. Keiner hat Ahnung.

17.30 Durchsage: Auf Gleis 16 steht der nächste Zug nach Köln. ICE – knallvoll, Stehplatz ergattert.

18.00 Uhr: Zug steht immer noch, keine Durchsage, das Fahrtzielschild am Gleis wechselt ständig. Keine Chance, an ein Getränk zu gelangen.

18.20 Uhr: Der Zug setzt sich in Bewegung, Richtung Köln. Kurz vor Köln Durchsage, Zug hält heute nicht in Deutz. Der Zug hielt dann doch in Deutz,

18.45 Uhr: Ausgestiegen. Die Bahn kann nichts für das Unwetter. Aber die Fahrgastinformation ist gleich Null, ob Boden- oder Bordpersonal, keiner weiß was, keiner sagt was. Selbst über die Durchsage „Wir wissen zur Zeit nicht, wann es weitergeht, melden uns aber bei neuen Informationen“, wäre ich superdankbar gewesen. Jetzt warte ich mal gespannt auf die Tarifrunde, die „fünfte Jahreszeit“ der Bahn AG.

Regina Surmont

"Danke, dass Sie trotzdem mit der Deutschen Bahn fahren"

Düsseldorf, Freitag, 09.07.2010, 18:25 Uhr: Mal wieder ein neuer Hitzerekord im Rheinland. Endlich geht's nach Hause. Über dem S-Bahnsteig Bilk im Düsseldorfer Süden verschwimmt der Blick in der heißen Luft. Pünktlich auf die Minute um 18:30 fährt die S 28 ein.

In Weiß und Rot lackiert unterscheidet sich der S-Bahn-Zug der örtlichen Regiobahn schon auf den ersten Blick von den rund um Düsseldorf sonst knallroten S-Bahnen der Deutschen Bahn AG. Und auch beim Service macht die S-Bahn einen Unterschied, die von einem Gemeinschaftsunternehmen der Städte Düsseldorf, Neuss, und Kaarst sowie den Kreisen Mettmann und Neuss und den Stadtwerken Wuppertal betrieben wird. Denn als der vom Hersteller Bombardier gebaute Talent-Triebwagen hält, weht mir aus Türen bereits die angenehme Kühle einer Klimaanlage entgegen.

Dankbar genieße ich die erfrischende Fahrt bis Neuss, wo ich noch einmal umsteigen muss. In einen weiteren Talent-Triebwagen – diesmal aber betrieben von der Deutschen Bahn. Und mit defekter Klimaanlage. "Bei den Temperaturen", erklärt der Fahrzeugführer entschuldigend und mit schweißdurchnässtem Hemd, "versagen unsere Klimaanlagen regelmäßig". Warum die Kühlung bei der Konkurrenz funktioniere, will ich wissen. Das, sagt der Bahner, wüsste er auch gerne, und bittet die Fahrgäste um Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten. "Danke, dass Sie trotzdem mit der Deutschen Bahn fahren."

Thomas Kuhn

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9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.07.2010, 23:28 UhrAnonymer Benutzer: M.

    in meinen Augen ist die aktuelle Anti-bahn Kampagne dem Sommerloch zuzuschreiben. Ja auch ich habe eine bahnCard 50 und Ja ich sahs auch schon einige male in einem Db Zug ohne funktionstüchtige Klimananlage, auch sahs ich schon einigemael in einem iCE fest, weil sich wieder jemand an einem Freitag Nachmittag ausgerecnet auf der Schnellfahrstrecke das Leben nehmen wollte. Denoch sahs ich auch schon mehrmals im Auto mit defekter Klimaanlage stand schon unzählige Stunden im Stau und an roten Ampeln. ich finde die bahn hat einen fairen Vergleich verdient und auch beim Konkurenzprodukt Auto ist nich gerade alles rosig. bitte demnächst fair berichten und ein fairer Umganga mit der bahn, klar ist die bahn kann und muss besser werden, dazu bedarf es aber konstruktiver Kritik und nicht bloß großer Schlagzeilen.

  • 18.07.2010, 22:51 UhrAnonymer Benutzer: Klaus Grelle

    Das Chaos, das unter dem Dach der Frau aus und in berlin abläuft, scheint mittlerweile deutsche Tugend zu sein: Ministerpräsidenten-Chaos, Steuer-Chaos, Ab-baustellen-Chaos, Schul-Chaos, Gesundheits-Chaos, EU-Chaos, bürokratie-Chaos und natürlich das bahn-Chaos mit deren Führungs-Chaos. War es das schon? bitte weitere Aufzählung - das gibt es sicherlich noch etliche weitere Chaos-Scenarien...
    conforma

  • 18.07.2010, 03:24 UhrAnonymer Benutzer: bahnfahrer

    Die bester Maßnahme:

    den kompletten Vorstand der bahn in den Zügen arbeiten lassen! Und auch als Vorstand kenntlich machen! Sowohl im Winter, als auch im Herbst, wenn wegen Laub kein Zug fährt, oder im Sommer, wenn es überrraschend heiss wird und kein Zug fährt/kalt ist.
    Dann bekommen wenigstens die Richtigen (Vorstände) die Wut der Fahrgäste ab und nicht die kleineren Rädchen Zugbegleiter!
    Ein Herr Grube, bahnchef, würde in einer Woche Arbeit als Zugbegleiter viel lernen!!!!

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