Zukunftstechnologie: Platinpreis hemmt Brennstoffzelle

Zukunftstechnologie: Platinpreis hemmt Brennstoffzelle

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Brennstoffzelle im Auto: Platinpreis hemmt die Entwicklung

von Martin Seiwert

Der hohe Preis für Platin könnte den Autobauer Daimler bei der Entwicklung der Brennstoffzelle behindern.

Die Ingenieure um Daimler-Forschungschef Herbert Kohler sind zuversichtlich. Seit fast zwei Jahrzehnten tüfteln sie an der wasserstoffbetriebenen Brennstoffzelle, die den Verbrennungsmotor ersetzen soll. Mehr als eine Milliarde Euro butterte der Stuttgarter Autobauer in die Entwicklung des klimaschonenden Antriebs. Zwar werden noch Jahre vergehen, bis die komplizierte Technik die Serienreife erreicht. Doch die größten technischen Probleme scheinen inzwischen gelöst, die horrenden Herstellungskosten wurden gedrückt, und der Klimawandel könnte dem emissionsfreien Antrieb endlich die nötige Nachfrage bescheren.

Wäre da nicht das Problem mit dem Platin. Denn in jeder Brennstoffzelle stecken gut 60 Gramm des teuren Edelmetalls, das quasi das Herzstück der neuen Technik bildet. An Platin-Elektroden reagiert der Wasserstoff, den das Brennstoffzellen-Auto tankt, mit Sauerstoff zu Wasser. In den Elektroden entsteht dabei der Strom, mit dem der Elektromotor des Autos angetrieben wird.

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3000 Euro pro Brennstoffzelle

Der hohe Platinpreis könnte die Brennstoffzelle wirtschaftlich abwürgen. Mit rund 3000 Euro schlägt das Metall bereits heute pro Zelle zu Buche, Tendenz stark steigend. Innerhalb nur eines Jahres kletterte der Preis für die Unze Platin (31 Gramm) von 800 auf über 1400 Euro. In den kommenden Jahren gehe der Preisanstieg weiter, schätzt der weltweit drittgrößte Platinproduzent Lonmin aus Großbritannien. Von 2011 an könne es sogar zu Engpässen am Markt kommen.

Grafik: Platinpreise

Grafik: Platinpreise

Die Manager von Toyota sind deshalb alarmiert. Beim weltgrößten Autobauer, der ebenfalls mit Hochdruck und Milliardeninvestitionen an der Brennstoffzelle forscht, heißt es hinter vorgehaltener Hand bereits: „Platin ist der wichtigste Kostenfaktor der Brennstoffzelle und damit die größte Hürde für die Markteinführung.“ 2015, so schätzen Toyota-Entwickler, könnten die ersten serienreifen Wasserstoff-Autos am Start sein. Allerdings seien sie wegen der Mehrkosten der Brennstoffzelle noch mindestens 10 000 Euro teurer als ein verbrauchsarmes Auto mit Verbrennungsmotor und deshalb am Markt zunächst chancenlos. „Frühstens ab 2020 könnten die Kosten der Brennstoffzellen-Fahrzeuge auf einem wettbewerbsfähigen Niveau liegen“, sagt ein Toyota-Manager.

Die Daimler-Leute hoffen trotzdem, 2015 ein Brennstoffzellen-Auto auf den Markt zu bringen, sagt Entwicklungschef Kohler, das preislich „im Bereich eines Dieselhybrid-Fahrzeugs liegt“. Das wollen die Schwaben schaffen, indem sie den Platinanteil pro Brennstoffzelle drastisch senken. „Platin spielt bei der Kostenreduzierung eine entscheidende Rolle“, sagt Kohler. „Ziel ist es, den Platingehalt eines Brennstoffzellen-Systems in eine ähnliche Größenordnung zu bringen wie der bei einem Katalysator für ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.“ Das heißt in Zahlen: Daimler will künftig statt 60 weniger als 10 Gramm Platin in eine Brennstoffzelle stecken.

Wettbewerber halten das Ziel für extrem ambitioniert. Doch ein Blick auf die verfügbaren Platinmengen zeigt, dass die Brennstoffzellen-Entwickler keine andere Wahl haben: Die Produktion herkömmlicher Katalysatoren verschlingt schon heute zwei Drittel des weltweit geförderten Platins. Würden alle Autos und Lkws mit Brennstoffzellen heutiger Bauart ausgerüstet, wären sämtliche Platinressourcen, die noch im Boden schlummern, auf einen Schlag aufgebraucht.

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