Zur Belebung des US-Geschäfts: T-Mobile klaut E-Plus-Konzept

Zur Belebung des US-Geschäfts: T-Mobile klaut E-Plus-Konzept

von Jürgen Berke

Billiger, schneller, aggressiver – T-Mobile kopiert die Mehrmarkenstrategie des deutschen Konkurrenten und will damit zur Nummer drei in den USA aufsteigen.

Bild vergrößern

Einige Nutzer des Smartphones Sidekick von T-Mobile USA haben derzeit wenig Freude an ihren Geräten

Die Blaupause liegt in einer der Schreibtisch-Schubladen von E-Plus-Chef Thorsten Dirks. Vor nunmehr sechs Jahren arbeitete die damalige Führungsmannschaft von E-Plus den größten Strategiewechsel aus, den bisher auf dem deutschen Mobilfunkmarkt gegeben hat. Flatrate statt Minutentakt, einfach zu verstehende Discountangebote anstelle undurchsichtiger Zweijahresverträge, neue kundenspezifische Marken statt einer Dachmarke und ein überaus schlanke Organisation, die alle nicht zum Kerngeschäft gehörenden Aktivitäten vom Netzbetrieb bis zum Callcenter an Drittfirmen auslagert und dadurch operative Kosten in Milliardenhöhe spart. Das waren die Kernelemente einer Strategie, die noch heute Gültigkeit hat und die den E-Plus-Machern viele Lorbeeren eingebracht hat.

Gestern stellten Telekom-Chef René Obermann und sein US-Statthalter Philipp Humm in New York einen Strategiewechsel für das schwächelnde US-Geschäft vor, der genau dieselben Elemente enthält. Und das ist kein Zufall. Denn die Lage von T-Mobile in den USA ist sehr gut mit der von E-Plus in Deutschland vor fünf Jahren vergleichbar. Beide sind Verfolger von zwei starken Marktführern in einem heiß umkämpften Markt, T-Mobile hatte wie E-Plus zuletzt Marktanteile verloren und muss nicht nur lukrative Vieltelefonierer und -surfer zurückgewinnen, sondern auch die operativen Gewinne deutlich steigern. Denn aus dem Ballast, der die Börsenbewertung eher drückt, so die Vorgaben der Muttergesellschaft, soll eine Vorzeigetochter werden, die irgendwann einmal den Aktienkurs beflügelt.

Anzeige

Deshalb hat Obermann seinem US-Statthalter sehr konkrete Planzahlen mitgegeben, die äußerst ehrgeizig sind: Bis 2014 soll der Umsatz um drei Milliarden Dollar und die operative Gewinnmarge von derzeit 29 auf bis zu 40 Prozent steigern. Mit diesen Zahlen will die Telekom die Analysten beruhigen, die in regelmäßigen Abständen einen Verkauf des US-Geschäfts fordern. Das prestigeträchtigste Ziel versteckte Humm in einem Nebensatz. T-Mobile soll zur Nummer Drei auf dem US-Markt aufsteigen. Um das zu schaffen, müsste er in den nächsten Jahren 15 Millionen Kunden mehr gewinnen als der derzeit Drittplatzierte Sprint. Das, sagen Insider, ist kaum zu schaffen.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%