Zweitgrößte deutsche Bank: Schicksalsjahr für die Commerzbank

Zweitgrößte deutsche Bank: Schicksalsjahr für die Commerzbank

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Martin Blessing

von Mark Fehr und Cornelius Welp

Stress bei der Integration der Dresdner Bank, mieses Privatkundengeschäft, Verluste bei der Immobilientochter – die Jahreszahlen der Commerzbank werden eher schlecht ausfallen. Obwohl sein Vertrag wohl verlängert wird, steht Vorstandschef Martin Blessing ein hartes Jahr bevor.

Es gibt angenehmere Dienstreisen als jene, die Martin Blessing am kommenden Freitag von Frankfurt nach Berlin führt. In einem abhörsicheren Saal muss der Commerzbank-Chef dem parlamentarischen Kontrollausschuss Rede und Antwort stehen, der die Krisenbank seit ihrer milliardenschweren staatlichen Rettung aus der Finanzkrise überwacht. Und zumindest einige der Abgeordneten sind gar nicht gut zu sprechen auf den Gast vom Main.

„Blessing muss uns eine Menge Fragen beantworten“, droht ein Mitglied des Gremiums. Er solle sich schon mal auf „hitzige Diskussionen“ einstellen. Doch die Warnung ist überflüssig, denn der smarte Manager weiß selbst, dass er vor seinem beruflichen Schicksalsjahr steht. Die Commerzbank kaut gerade an der größten Übernahme im deutschen Bankensektor und muss die Mitarbeiter und Systeme der im Jahr 2008 übernommenen Dresdner Bank integrieren. Im April erreicht das Mammutprojekt die entscheidende Phase. Zudem zehrt die Stigmatisierung Blessings als „Staatsbanker“ an seinen Nerven. Wenn die öffentliche Schmähung nicht aufhöre, sagt ein Weggefährte, könnte es sein, dass er irgendwann entnervt das Handtuch wirft. Ohnehin sei das Selbstbewusstsein des ganzen Instituts angeknackst.

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Der Bund hat die Commerzbank auf dem Höhepunkt der Finanzkrise mit insgesamt 18,2 Milliarden Euro Steuergeld vor dem Kollaps gerettet. Davon flossen 16,4 Milliarden Euro in Form einer stillen Einlage, mit dem Restbetrag erwarb der Krisenfonds Soffin ein Viertel der Aktien. Der Staat sitzt dem Institut daher fest im Nacken. Wie kürzlich bekannt wurde, will Blessings Bank innerhalb eines Jahres immerhin die Hälfte der stillen Beteiligung zurückzahlen. Unter Investmentbankern gilt als abgemacht, dass die Commerzbank in einigen Monaten versuchen will, über eine Kapitalerhöhung frisches Geld einzusammeln, um damit einen Teil der staatlichen Last abzuwerfen.

Solide Geschäftszahlen

Dass Blessing es am kommenden Freitag in Berlin wieder schwer haben wird, liegt an den enttäuschten Erwartungen der Politiker bis in die jüngste Gegenwart. Zwar hat die Commerzbank auf ihrer Bilanzpressekonferenz  solide Geschäftszahlen präsentiert. Der Nettogewinn betrug 1,4 Milliarden Euro, Analysten rechneten gemäß internationalen Bilanzregeln mit 1,2 Milliarden Euro Gewinn – ein Lichtblick nach 4,5 Milliarden Euro Verlust im Jahr 2009. (Details dazu hier). Doch im Jahresabschluss nach deutschem Handelsrecht wird Blessing voraussichtlich in die roten Zahlen rutschen. Hauptgrund ist eine Abschreibung auf die Beteiligung an der kriselnden Commerzbank-Tochter Eurohypo in Höhe von etwa einer Milliarde Euro. Deshalb müssen die Steuerzahler wohl auch für 2010 auf Zinsen für die stille Einlage verzichten. Schuld ist der Staat, denn er hat selbst ausgehandelt, dass sich seine Vergütung am Jahresergebnis nach nationalem Recht bemisst.

Blessings zweites großes Reizthema ist die Integration der Dresdner Bank. Nicht nur, dass es in der Belegschaft der einstigen „Beraterbank“ (Eigenwerbung) wegen der zahlreichen Umstellungen rumort. Blessings Arbeitsdirektor Ulrich Sieber hält noch einen weiteren Zankapfel parat, auf den sich die Politiker stürzen werden.

Stress durch Integration

Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche betont Sieber die Pflicht der Commerzbank als Arbeitgeber, Erfolge und außergewöhnliche Verdienste der Mitarbeiter im Zusammenhang mit der Integration der Dresdner Bank „leistungsbezogen und fair zu vergüten“. Damit kommt die Debatte um Boni, die als eine der Triebfedern für die Finanzkrise gelten, wieder auf den Tisch. Allerdings darf kein Commerzbank-Mitarbeiter mehr als eine halbe Million Euro im Jahr verdienen. Wie hoch die variablen Vergütungen für 2010 ausfallen, ist noch Betriebsgeheimnis. Insider rechnen mit einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Die Zahlungen sind zwar mit der Bundesregierung abgestimmt, dürften aber für öffentliche Empörung sorgen.

Unangenehm dürfte in Berlin auch aufstoßen, was über die Zusammenlegung von Dresdner Bank und Commerzbank, den größten Integrationsprozess in der deutschen Bankengeschichte, nach außen dringt. Denn unzufriedene Mitarbeiter kann sich ein Institut, das dem Staat entfliehen will, als Letztes leisten.

Auch wenn interne Umfragen zeigen, dass die meisten Mitarbeiter den Integrationsprozess für fair halten, sind die vergangenen Jahre nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen. Vor allem die durch die Fusion im Jahr 2008 übernommenen Ex-Dresdner-Bank-Kollegen beklagen hohe Belastungen durch Schulungen und Umstellungen bei den Abläufen. Immer wieder aufkommende Gerüchte über einen zusätzlichen Stellenabbau tragen zur Verunsicherung bei, selbst wenn diese laut Betriebsrat bis heute jeder Grundlage entbehren.

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