Zweitgrößter Autobauer: Der verrückte Börsengang der Opel-Mutter General Motors

Zweitgrößter Autobauer: Der verrückte Börsengang der Opel-Mutter General Motors

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GM Montage

von Martin Seiwert

Nur 40 Tage brauchte General Motors, um aus der Insolvenz aufzuerstehen. Gut ein Jahr später will die Konzernmutter von Opel wieder aufs Parkett. Es wird einer der größten und riskantesten Börsengänge aller Zeiten.

Freitag, 30. Juli, das Werk Hamtramck von General Motors (GM) nahe Detroit. In einer Fabrikhalle steht US-Präsident Barack Obama neben dem Elektroauto Chevrolet Volt und lauscht den Preisungen von Werksleiterin Teri Quigley. Begeistert schwingt sich der Präsident hinters Steuer und fährt den Wagen vom Band. Die Werkschefin sitzt auf dem Beifahrersitz und kann ihr Glück nicht fassen. Die umstehenden GM-Manager lächeln stolz, und die Fließbandarbeiter in orangefarbenen T-Shirts mit Obama-Konterfei applaudieren heftig.

GM, so hat es den Anschein, feiert seinen Retter. Die US-Regierung hat den Autobauer 2008 und 2009 mit über 50 Milliarden Dollar vor dem Aus bewahrt und ist nun mit knapp 61 Prozent größter Aktionär des Konzerns. Doch die Harmonie beim Präsidentenbesuch war vor allem eines – Show. In Wirklichkeit ist das GM-Management längst in Gedanken beim geplanten Börsengang, sprich: bei der Frage, wie es den amerikanischen Staat loswerden kann. „Das ist es, was uns im Moment am meisten beschäftigt“, sagt GM-Chef Ed Whitacre nur wenige Tage nach dem Obama-Besuch in Detroit und kurz bevor er seinen Rücktritt bekannt gab. „Wir wollen nicht länger ‚Government Motors‘ geschimpft werden. Wir wollen die Regierung raus haben.“

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Damit ist der Countdown zu einem Börsengang angelaufen, der nicht nur als einer der größten der USA, sondern wohl auch als einer der riskantesten und ausgefallensten in die Geschichte eingehen wird. Nie zuvor wagte ein Unternehmen dieser Größe nur eineinhalb Jahre nach der Insolvenz einen Neustart auf dem Parkett – obwohl es noch viele, große Baustellen im Konzern gibt und die künftige Strategie allenfalls schemenhaft erkennbar ist. Nie zuvor auch wurde ein Börsengang dieses Umfangs von einer Regierung gesteuert. Und wohl auch nie wurde ein Mega-Börsengang mit so heißer Nadel gestrickt und so offenkundig schöngeredet (siehe Grafik).

Neuanfang in der Insolvenz

Stärken und Schwächen von General Motors

Stärken und Schwächen von General Motors

Vermutlich noch im Spätherbst soll es so weit sein, und beide Seiten machen Druck. Das GM-Management hatte es so eilig, dass der Verwaltungsrat am 12. August in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Dan Akerson zum neuen Vorstandschef machte. Der Spezialist im Geschäft mit Firmenbeteiligungen (Private Equity) tritt im September an und soll mit seiner reichen Wall-Street-Erfahrung den Börsengang zum Erfolg machen. Obama wiederum will die GM-Aktien des Staates zu Geld machen und den Erfolg der Rettungsaktion möglichst noch vor den Kongresswahlen am 2. November verkünden.

Die Rückkehr an die Wall Street wird ein neues Kapitel in der 102-jährigen Geschichte von General Motors aufschlagen. 1908 als Muttergesellschaft der Automarke Buick in Michigan im Nordosten der USA gegründet, versammelte der Konzern in den darauffolgenden Jahrzehnten immer mehr Automarken unter seinem Dach. 1931 wurde GM der größte Autobauer der Welt – und blieb es ununterbrochen 76 Jahre lang, bis 2007.

Auch die deutsche Autogeschichte ist ohne GM kaum denkbar. Das Unternehmen übernahm 1929 die damals schwer angeschlagene Marke Opel und bewahrte sie vor dem Aus.

Auf dem Papier passabel

Auf dem Papier steht GM, gemessen am Niedergang der Vorjahre, heute vergleichsweise passabel da. Als der Konzern am 1. Juni 2009 Insolvenz anmelden musste, addierte sich das Unternehmensvermögen, etwa in Form von Maschinen, Grundstücken oder Patenten, auf rund 82 Milliarden Dollar. Dies sei jedoch ein Buchwert, gab der Insolvenzrichter zu bedenken, der tatsächliche Wert betrage weniger als zehn Prozent dieser Summe. Diesem Betrag standen Verbindlichkeiten von 172 Milliarden Dollar gegenüber.

Während der 40-tägigen Insolvenz ging die alte General Motors Corporation in der Motors Liquidation Company auf. Diese wiederum übertrug alle Firmenwerte auf die neu gegründete General Motors Company, auch „New GM“ genannt, die nun an die Börse strebt. 60,8 Prozent von „New GM“ hält die US-Regierung, die über 50 Milliarden Dollar in den Konzern gesteckt hat. 11,7 Prozent gehören der kanadischen Regierung, die zusammen mit der Provinz Ontario 9,5 Milliarden Dollar beisteuerte, weil GM auch Fabriken in Kanada unterhält. 17,5 Prozent der Aktien gingen an einen Fonds der Autogewerkschaft UAW, der künftig Gesundheitsleistungen pensionierter Mitarbeiter bezahlt. Die Gewerkschafter verzichteten im Gegenzug auf Forderungen bei der Erstattung von Gesundheitskosten. Die restlichen zehn Prozent wurden unter den Gläubigern gestreut, die einen Großteil ihrer Milliardenforderungen und Kredite abschreiben mussten.

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