
Zwischenfall bei der Anhörung von Rupert Murdoch im britischen Parlament: Ein Mann aus dem Publikum hat bei der Ausschusssitzung versucht, den Medienmogul mit weißer Farbe zu bewerfen. Fernsehbilder zeigten, wie Murdochs Frau Wendi offenbar zurückschlug. Auch sein Sohn James sprang von seinem Sitz auf, um dem Vater zu Hilfe zu kommen. Verletzt wurde anscheinend niemand. Der Angreifer wurde von Polizisten in Handschellen abgeführt. Die Sitzung wurde nach etwa 15 Minuten fortgesetzt.
Während der Befragung zuvor wirkte Rupert Murdoch fahrig, er versteht die Fragen der Abgeordneten schlecht, beugt sich nach vorn, fragt nach. Teilweise braucht er mehr als zehn Sekunden um eine Antwort zu formulieren. Er sitzt in einem Untersuchungsausschuss ohne juristische Befugnisse. Dennoch steht er vor einem Tribunal. Denn genau dazu wurde der parlamentarische Untersuchungsausschuss in London, der am Dienstag Murdoch und seine Getreuen vorgeladen hat.
Sein Sohn James bietet mehrmals an, für seinen Vater zu antworten. "Ihr Vater ist verantwortlich für die Unternehmensführung. Deshalb würde ich ihm gerne weiter die Fragen stellen", unterbricht ihn ein Abgeordneter. Er und seine Kollegen stellen den Murdochs viele Fragen. Doch sie zielen alle auf dasselbe ab: Was wusste Rupert Murdoch persönlich von den kriminellen Methoden, die die Journalisten seiner Zeitung "News of the World" anwendeten, um an Informationen zu kommen?
"Tag größter Demut"
„Das ist der Tag der größten Demut in meinem Leben“, sagte Rupert Murdoch zu Beginn der Anhörung. Die Befragung durch die Abgeordneten begann mit fünf Minuten Verspätung. Rupert Murdoch saß mit versteinertem Gesicht vor den Parlamentariern. Das Erscheinen des 80-Jährigen gilt als Sensation und als Höhepunkt in der bisherigen Arbeit des 1979 gegründeten Parlamentsausschusses.
Der Australier mit US-Pass galt in Großbritannien bisher als nahezu unantastbar. Sein Sohn James entschuldigte sich zu Beginn der Befragung für die Verfehlungen bei „News of the World“, die den Skandal ausgelöst hatte.
Mit der Unantastbarkeit des Medienmoguls in Großbritannien scheint es nun vorbei zu sein. "Warum betraten sie die Downing Street No. 10 durch den Hintereingang?", will einer der Abgeordneten wissen. "Weil ich darum gebeten wurde", antwortet Murdoch. Aus dem Publikum bricht Gelächter hervor.
Zur Sache konnte Murdoch wenig Erhellendes beisteuern: Er habe keine Beweise gesehen, dass Angestellte seiner Medien sich illegal in die Mailboxen von Terroropfern des 11. September eingehackt hätten. Alle Medien würden bei ihren Recherchen Privatdetektive engagieren, meinte der Medienmogul. Er habe keinerlei Kenntnis des Fehlverhaltens von Mitarbeitern gehabt.
Wer war dann verantwortlich für das, was bei News of the World passierte? "Die Leute, denen ich die Zeitung anvertraut habe und vielleicht die Leute, denen sie vertrauten", sagte Murdoch. Er sei über die Vorwürfe gegen seinen Konzern absolut schockiert, entsetzt und beschämt gewesen. Aus diesem Grund habe er auch die „News of the World“ eingestellt. Er verwahrte sich aber zugleich gegen den Vorwurf, dass sein Unternehmen untätig gewesen sei.
Schmiergeldzahlungen seien ihm nicht bekannt gewesen. Auch seine inzwischen als Chefin der britischen Zeitungsgruppe von New Corp zurückgetretene Vertraute Rebekah Brooks habe nichts davon gewusst. News Corp werde die Schuldigen des Skandals ausfindig machen und zur Rechenschaft ziehen. Über die Höhe der Abfindungen ihrer ehemaligen Topmanager Rebekah Brooks und Les Hinton schwiegen sich die Murdochs allerdings aus.













