Unternehmensverkauf mit Tücken: Altlasten trüben die Kauflaune

Unternehmensverkauf mit Tücken: Altlasten trüben die Kauflaune

, aktualisiert 29. Oktober 2016, 23:16 Uhr
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Pensionslasten sorgen bei Firmenübernahmen häufig für ein unkalkulierbares Risiko.

von Florian FlickeQuelle:Handelsblatt Online

Das Umfeld für Übernahmen ist auch wegen des Niedrigzinsumfelds so gut wie selten – wären da nicht die Pensionslasten vieler Mittelständler. Wie verkaufswillige Firmenchefs planen sollten – und welche Fallstricke drohen.

DüsseldorfVon der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank profitieren auch Kaufinteressenten im Mittelstand. Die Minizinsen wirken auf das Geschäft mit Übernahmen und Fusionen wie ein Jungbrunnen. Doch wie beim Brunnen besteht auch bei Mergers & Acquisitions (M&A) Absturzgefahr, wenn der Käufer überhastet vorgeht. „Beim Kauf und Verkauf von mittelständischen Unternehmen kommt der Analyse von Pensionsrückstellungen eine zentrale Bedeutung zu“, sagt Philip Hummert, Senior Berater bei der VR Corporate Finance GmbH in Düsseldorf. Denn die Höhe der zu bilanzierenden Pensionsrückstellung wird zu jedem Bilanzstichtag neu berechnet.

„Gerade in Zeiten der Niedrigzinspolitik bestehen nicht unbegründete Zweifel daran, dass die bilanzierten Rückstellungen dem tatsächlichen Wert entsprechen, der aus den Zahlungsverpflichtungen zukünftig auf das Unternehmen zukommt. Dies gilt besonders, wenn für die Versorgungszusagen nicht ausreichend Deckungsvermögen angespart wurde“, sagt Matthias Dernberger, Geschäftsführer der compertis GmbH aus Wiesbaden.

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Verbleibt die Pensionsverpflichtung nach der Transaktion in der Bilanz des übernommenen Unternehmens, wird der Käufer in aller Regel einen Abschlag vom Kaufpreis für das Risiko fordern. Für Käufer und Verkäufer gilt es, einen Wert für dieses Risiko zu finden, was zu langwierigen oder sogar zum Scheitern der Kaufpreisverhandlungen führt. Eine Alternative wäre die Übernahme des Risikos durch den Verkäufer, indem die Pensionsverpflichtungen zum Beispiel an eine neue Gesellschaft ausgelagert werden. Doch kaum ein Verkäufer lässt sich auf diese Variante ein. Daher hält sich als häufig präferierte Lösung die Übertragung der Pensionsverpflichtung an einen externen Dritten etwa einen Pensionsfonds. Das Problem dabei: die fehlende Liquidität. Das Loswerden der ungenügend finanzierten Risiken hat seinen Preis. Vielen Mittelständlern steht im Vorfeld einer Transaktion nicht genügend Liquidität zur Verfügung, um die Kosten für die Auslagerung zu tragen.

Mittelständler, die den Verkauf ihrer Firma ins Auge fassen, sollten das Thema Pensionsverpflichtungen so früh wie möglich angehen. „Ist das Unternehmen im Vorfeld der Transaktion bereits frei von Pensionsverpflichtungen, entfällt die Debatte über die Auswirkungen auf den Kaufpreis“, sagt Hummert.

Quelle:  Handelsblatt Online
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