Unwetter kosten Versicherer Milliarden: Teure Fluten

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Unwetter kosten Versicherer Milliarden: Teure Fluten

von Kerstin LeitelQuelle:Handelsblatt Online

Die heftigen Unwetter in Deutschland machen gerade Pause, nun wird aufgeräumt und Bilanz gezogen. Auf die Versicherer kommt nach Hochrechnungen von Experten ein Milliardenschaden zu.

Über Bayern strahlt die Sonne – dabei herrscht in manchen Orten des Bundeslandes Chaos: Straßenzüge sind von dickem, stinkendem Schlamm bedeckt, Menschen schaufeln und versuchen, ihr Hab und Gut von dreckigem Morast zu befreien. Gut eine Woche, nachdem zahlreiche Wohngegenden durch Wassermassen verwüstet wurden, laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Viele freiwillige Helfer sind im Einsatz, sogar die Bundeswehr ist mit Baggern und Schaufeln angerückt.

Die Helfer sind schockiert von dem Anblick, der sich ihnen bietet. „So stellt man sich den Krieg vor“, schildert ein junger Mann im Örtchen Simbach dem Bayerischen Rundfunk. Auch die wirtschaftlichen Schäden der Unwetter sind beträchtlich: Nach Einschätzung der Versicherungsexperten der Ratingagentur Fitch haben die Unwetter der vergangenen zwei Wochen versicherte Schäden von bis zu einer Milliarde Euro verursacht.

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Die meisten Schäden werden ihren Prognosen zufolge auf Gebäude-, Hausrat- und Kraftfahrzeugversicherungen sowie in geringerem Umfang die Betriebsunterbrechungsversicherung zukommen. Besonders tief in die Tasche greifen müssen vermutlich die öffentlichen Versicherer, und damit besonders die Versicherungskammer Bayern sowie die SV Sparkassenversicherung, in deren Geschäftsgebiet die von den Unwettern am stärksten heimgesuchten Regionen liegen, wie die Experten sagen. Die SV Sparkassenversicherung rechnet allein mit einer Schadenhöhe im zweistelligen Millionenbereich, wie ein Sprecher dem Handelsblatt sagte.

Zunehmende Unwetterschäden Worauf es beim Versicherungsschutz gegen Sturm und Hochwasser ankommt

Allmählich wird das ganze Ausmaß der Unwetterschäden der vergangenen Tage sichtbar. Viele Betroffene hoffen nun auf die schnelle Hilfe ihrer Versicherung - manchmal vergeblich.

Nach den schweren Unwettern im Südwesten und in Nordrhein-Westfalen rechnet die Versicherungsbranche mit hohen Schäden. Quelle: dpa

Dabei kommt die Versicherungsbranche nur für einen Teil der Schäden auf, der gesamte Schaden der Wassermassen dürfte wesentlich höher liegen.

Schäden an Gebäuden und am Hausrat, die durch Überschwemmungen oder Hochwasser entstehen, werden als Elementarschäden bezeichnet. Dafür benötigen Immobilienbesitzer eine eigene Elementarschadenversicherung, die mit der Hausrat- und Wohngebäudeversicherung abgeschlossen werden kann. Nur jede dritte Gebäudeversicherung umfasst auch Elementarschäden.

Aber da viele der nun verursachten Flutschäden in Gegenden verursacht wurden, die nicht als Hochrisikozone angesehen werden, dürften viele Hausbesitzer einfach und zu günstigen Konditionen ihr Hab und Gut versichert haben, meinen die Experten von Fitch. „Insofern könnte der Anteil der versicherten Schäden bei der jetzigen Flut- und Regenwelle höher sein als bei der letzten großen Flutkatastrophe 2013.“ Schäden in der von ihnen erwarteten Größenordnung würden zwar die Gewinne aus dem Versicherungsgeschäft der deutschen Schaden-/Unfallversicherer schmälern, „aber eigentlich keine Bedrohung für die Kreditwürdigkeit darstellen“, schlussfolgert Fitch.

Ziehen Versicherer die Zügel an?

Doch viele Versicherer werden in Zukunft wohl noch genauer hinschauen, wem sie eine Police verkaufen - und im Zweifel lieber auf die Prämien verzichten: „Es ist zu befürchten, dass immer weniger Verbraucher diese wichtige Police erhalten“, sagen Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen und Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten. „Wir erwarten mehr Ablehnungen, höhere Prämien und auch Kündigungen bestehender Verträge“, sagt Heyer.

Bei der Versicherungskammer Bayern will man jedoch nicht an der Preisschraube drehen oder Policen kündigen. „Wegen eines einzelnen Ereignisses werden wir nichts an unserer Zeichnungspolitik ändern“, sagte ein Unternehmenssprecher dem Handelsblatt. Sollten derartige Wetterkapriolen in Zukunft aber häufiger auftreten „und sich die Wahrscheinlichkeiten ändern“, werde man das in Betracht ziehen müssen. 99,8 Prozent der Gebäude in Bayern seien versicherbar - und auch beim Rest „finden wir eine Lösung“.

Verbraucherschützer fordern gleichwohl die Einführung einer gesetzlichen Versicherungspflicht gegen Elementarschäden. „Jeder Hauseigentümer muss dann eine solche Versicherung abschließen – ohne dass es die Versicherer ablehnen können.“ Ein Ansinnen, das von Seiten der Versicherer abgelehnt wird. „Der Gedanke liegt nahe, ist aber dennoch grundfalsch: Eine Pflichtversicherung nimmt etwa jeden Anreiz, die geschilderten Probleme in den Gemeinden nachhaltig anzugehen“, warnt man beim GDV.

Quelle:  Handelsblatt Online
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