US-Attacke in Syrien: Zerstörung bringt der Tomahawk

US-Attacke in Syrien: Zerstörung bringt der Tomahawk

, aktualisiert 07. April 2017, 14:34 Uhr
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Der aktuelle Angriff auf Syrien. Die Tomahawks werden von Kriegsschiffen aus gestartet.

Quelle:Handelsblatt Online

Die USA setzen seit Jahrzehnten ferngelenkte Raketen mit enormer Zerstörungskraft ein – im zweiten Golfkrieg und auch jetzt im Konflikt mit Syrien. Tomahawk-Marschflugkörper sind altbewährt, aber teuer.

Für den russischen Außenminister Sergei Lawrow hat der Angriff der USA auf einen syrischen Flugplatz etwas von einem Déja-Vù: „Uns erinnert das an die Lage 2003, als die USA und Großbritannien mit ihren Verbündeten im Irak intervenierten.“

Lawrow spielt vor allem auf das fehlende Mandat des UN-Sicherheitsrat für die Attacke an, doch es gibt noch eine andere Parallele. Auch damals feuerten die Amerikaner zunächst Tomahawk-Raketen von Kampfschiffen auf den Irak ab.

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In der Nacht zum Freitag schoss die US-Marine 59 Tomahawks von den Kriegsschiffen USS Porter und USS Ross ab – der erste Feuerbefehl von Donald Trump als US-Präsident. Eine Reaktion auf den kürzlich von Assad verordneten Giftgasangriff auf syrischem Boden. Im Irak-Krieg bildeten mehr als 40 Tomahawks den Auftakt einer späteren Invastion. In Syrien ist ein Einsatz von Bodentruppen nicht angekündigt worden.

Die Lage mag sich unterscheiden, doch Tomahawks sind ein wichtiges Werkzeug im Waffenarsenal des Oberbefehlshaber der USA. In Syrien kamen die Marschflugkörper zuletzt im Jahr 2014 unter dem ehemaligen Präsidenten Barack Obama zum Einsatz. Damals schoss das US-Militär insgesamt 47 Raketen ab, um eine Terrorzelle der Al-Qaida zu zerstören.

Der Tomahawk ist altbewährt. Das US-Industrieunternehmen Raytheon Missile Systems (damals noch General Dynamics) begann 1972 mit der Entwicklung der ersten Tomahawks (Block I). Ziel des Unternehmens war es, einen Marschflugkörper – also einen unbemannten Flugkörper, der sich selbst ins Ziel steuert – zu entwickeln, welcher aus der Luft, vom Land und aus dem Wasser abgefeuert werden kann.

Zu Beginn waren die Raketen mit einem Navigationssystem ausgestattet, dass sich beim Flug an Geländepunkten orientiert. Zusätzlich kam noch eine Trägheitsnavigationsplattform zum Einsatz – ein Messsystem zum Überprüfen der geographischen Lage. Das waren so gesehen die Augen des Tomahawk.

Das System hatte allerdings seine Macken: Beim ersten Einsatz im zweiten Golfkrieg 1991 feuerte Kriegsschiffe der US-Navy 297 Raketen ab, doch nach Angaben des Iraks wurden damals 29 der Flugkörper abgeschossen.


Reichweite und Sprengkraft

Die geringe Trefferquote führte dazu, dass Raytheon 1994 das ursprüngliche Navigationssystem durch ein satellitengestütztes GPS ersetzte. Die über eine Tonne schweren Raketen konnten damit Ziele auf 30 Meter genau treffen. Zudem hat ein Tomahawk eine Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern. Zerstörung kann so beispielsweise von Schiffen gebracht werden, die weit entfernt vom Angriffsziel sind. Das macht den Marschflugkörper besonders gefährlich. Zum Vergleich: Der in Bayern produzierte Taurus schafft knapp 500 Kilometer.

Raytheon entwickelte die Raketen über Jahre hinweg weiter und es entstanden die verschiedensten Typen, die darauf vom US-Militär in diversen Auseinandersetzungen genutzt wurden. Zum Beispiel kann der Tomahawk Block IV, der mit einem Zwei-Satelliten-System ausgestattet ist, noch im Flug auf ein anderes Ziel programmiert zu werden. Diese Variante setzte Trump jetzt beim Angriff gegen syrische Regierungstruppen ein. Zudem gibt es noch Tomahawks, die mit einem nuklearen Sprengkopf ausgestattet werden können.

Der Einsatz der Waffe ist jedoch nicht nur wegen der hohen Reichweite heikel, sondern auch aufgrund der großen Sprengkraft. Der Gefechtskopf enthält 450 Kilogramm des Sprengstoffs TNT.

Das US-Militär besitzt derzeitig rund 3.500 Tomahawks im Wert von 2,6 Billionen US-Dollar. Der Großteil davon befindet sich in der Hand der US Navy. Laut US-Verteidigungsministerium kostet eine Rakete je nach Typ zwischen 600.000 und einer Million US-Dollar. Bei Mengeinkäufen zeigt sich Raytheon allerdings wohl zuvorkommend und gibt Rabatte. Außerhalb der Vereinigten Staaten besitzen lediglich Großbritannien und Nordirland Varianten dieses Marschflugkörpers.

In der Vergangenheit nutzte das US-Militär Tomahawks gegen die verschiedensten Parteien. Ob nun 1991 im ersten Golfkrieg, 2003 im zweiten Golfkrieg oder 2017 gegen Syrien. Für Raytheon sind die Raketen ein ertragreiches Geschäft und für das Militär eine gern gewählte Waffe.

Quelle:  Handelsblatt Online
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