US-Bankenaufsicht: Ein Dickicht von Vorschriften

US-Bankenaufsicht: Ein Dickicht von Vorschriften

, aktualisiert 28. Februar 2017, 17:10 Uhr
Bild vergrößern

Internationale Zusammenarbeit bei Regulierungsfragen angemahnt.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Die US-Bank JP Morgan macht auf ihrem Investorentag deutlich, was die Finanzbranche von der US-Regierung erwartet: Nicht unbedingt weniger Regulierung, sondern weniger Chaos und mehr Abstimmung – auch auf internationaler Ebene.

Marianne Lake, Finanzvorstand bei JP Morgan, ist bekannt für ihren präzisen, sachlichen Stil. Beim Investorentag ihrer Bank skizzierte sie kurz, was sich aus ihrer Sicht bei der Bankenaufsicht ändern sollte. „Wir brauchen nicht unbedingt weniger Regulierung“, sagte sie. Es geht ihr um mehr „Konsistenz und Flexibilität“ bei den Vorgaben für Kapital und Liquidität.

„Bisher legen verschiedene Aufsichtsbehörden die Regeln zum Teil unterschiedlich aus“, sagte sie. In den USA gibt es mit der Notenbank (Fed), Einlagensicherung (FDIC), Wertpapieraufsicht (SEC), Derivateaufsicht (CFTC), dem Währungsbüro (OCC) und dem Büro zum Konsumentenschutz (CFPB) allein sechs nationale, breit aufgestellte Behörden, deren Kompetenzen sich zum Teil überschneiden, dazu kommen weitere Aufseher mit spezielleren Aufgaben oder auf Ebene der Bundesstaaten. Der Wettbewerb der Aufseher verhindert, dass sie sich zu sehr von den Banken beeinflussen lassen, führt aber auch zu einem Dickicht von Vorschriften.

Anzeige

Lake mahnt auch eine enge internationale Zusammenarbeit an. Wegen der nationalen Ausrichtung der neuen Regierung in den USA gibt es vor allem in Europa Befürchtungen, diese Kooperation könne Schaden nehmen. Tatsächlich haben internationale Banken wie JP Morgan aber ein dringendes Interesse, ihr Geschäft möglichst ungestört von nationalen oder regionalen Differenzen in Fragen der Regulation zu betreiben.

Erste Äußerungen von Finanzminister Steven Mnuchin und Gary Cohn als Berater von US-Präsident Donald Trump lassen darauf schließen, dass sie an den hohen Kapital- und Liquiditätsanforderungen, die nach der Finanzkrise beschlossen wurden, nicht grundsätzlich rütteln wollen. Eine interessante, bisher weniger diskutierte Frage ist, wie künftig die sogenannten Stresstests aussehen werden, bei denen Krisensituationen und deren Auswirkungen auf die einzelnen Banken simuliert werden.

In Europa können die Geldhäuser dafür eigene Modelle nutzen, die aber von der Europäischen Zentralbank überwacht werden. Die US-Notenbank (Fed) benutzt dagegen eigene Modelle. Aus der Branche kam immer wieder die Kritik, die Kriterien der Fed-Modelle seien zu intransparent, was es für die Branche schwer mache, sich darauf einzustellen. Cohn, der vor seinem Wechsel zur Regierung stellvertretender Chef von Goldman Sachs war, gilt als Anhänger interner Modelle. Möglicherweise wird es in dem Bereich daher zu mehr Flexibilität zu kommen.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%