US-Geldpolitik: Warum ein Hedgefonds-Guru zum Goldkauf rät

US-Geldpolitik: Warum ein Hedgefonds-Guru zum Goldkauf rät

, aktualisiert 06. Mai 2016, 12:55 Uhr
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Der Hedgefonds-Manager führt die Firma Duquesne Family Office.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Stanley Druckenmüller lässt kein gutes Haar an der Politik der amerikanischen Notenbank. Andere Finanzmanager wettern gegen die ultralockere Geldpolitik in Europa und Japan – ohne einen wirklichen Ausweg zu sehen.

Der bekannte Hedgefonds-Manager Stanley Druckenmiller hat seine Kritik an der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erneuert. Seiner Meinung nach hat die Fed erst unter ihrem Vorsitzenden Ben Bernanke, der die Zentralbank bis Anfang 2014 geführt hatte, und jetzt unter der amtierenden Janet Yellen zu lange eine Politik des leichten Geldes verfolgt. Nach dem Abflauen der Finanzkrise hätte schneller mit höheren Zinsen reagiert werden müssen.

„Würde man nach den Maßstäben der Vorgänger wie Paul Volcker und Alan Greenspan rechnen, dann müsste der Leitzins jetzt bei drei Prozent stehen“, sagte er. Die Fed hatte jedoch erstmals im Dezember vergangenen Jahres erstmals seit der Finanzkrise den Leitzins von nahe Null auf gut 0,25 Prozentpunkt erhöht. Es war die erste Zinserhöhung seit fast zehn Jahren.

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„Noch nie hat die Fed so lange Kaufkraft von der Zukunft geborgt“, fügte Druckenmiller hinzu. Der Hedgefons-Manager hatte einen zwölf Milliarden Dollar (zehn Milliarden Euro) schweren Fonds im Jahr 2010 für externe Investoren geschlossen, ist aber immer noch einer der renommiertesten Vertreter der Branche. Der 62-Jährgige mokierte sich auf einer Konferenz in New York darüber, dass schon ein kleiner Einbruch des Aktienmarktes die Geldpolitiker dazu bringe, selbst kleinste Zinsschritte gleich wieder zu verschieben.

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Vor allem Paul Volcker, der in den 1980er-Jahren mit hohen Zinsen die Inflation in den USA bezwungen hatte, ist Druckenmillers Held. Das damals teure Geld habe Unternehmen und Politiker zur Disziplin gezwungen. Heute verführe das billige Geld dagegen Unternehmen dagegen dazu, sich auf Übernahmen und Aktienrückkäufe statt auf reale Investitionen zu konzentrieren. Und der Politik ermögliche es, die dringend nötige Steuerreform immer weiter aufzuschieben. Der Milliardär malte das Bild der wirtschaftlichen Entwicklung tief schwarz und empfahl seinen Zuhörern, Gold zu kaufen.

Ähnlich redet der bekannte Manager, der seinen Hedgefonds mittlerweile in das „Duquesne Family Office“ umgewandelt hat, schon seit Jahren. Die Fed begründet ihre niedrigen Leitzinsen damit, dass der „neutrale“ Zins, bei dem die Geldpolitik die Wirtschaft weder antreibt noch bremst, heute deutlich niedriger liege als früher.

Bond-Guru verzweifelt an negativen Zinsen

Auch Jeffrey Gundlach, der wegen seiner Erfolge im Anleihemarkt vielfach als „Bond-König“ gilt, sparte nicht an Kritik. Er äußerte sich allerdings nicht klar zur Politik der US-Notenbank. Dafür goss er seinen Spott über der Europäischen Zentralbank (EZB) und der japanischen Notenbank aus.

Er prangerte in New York an, es gebe mittlerweile weltweit 7,8 Billionen Dollar an Anleihen, die nur negative Zinsen einbrächten. „Negativer Zins bedeutet Deflation“, sagte er. „Ich lege Geld an und bekommen später nominal weniger Geld zurück.“ Seiner Meinung nach versuchen Europäer und Japaner, Deflation mit Deflation zu bekämpfen, wenn sie mit negativen Zinsen sinkende Preise verhindern wollen. Der Chef und Gründer von Double Line Capital sprach sich freilich auch nicht deutlich für höhere Leitzinsen aus. Er sieht Europäer in einer Zwickmühle, wo hohe und niedrige Zinsen gleichermaßen schlecht sind.

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Die Nachfrage nach Gold ist zuletzt gestiegen, der Preis für den Rohstoff steigt am Donnerstag sogar auf den höchsten Stand seit neun Monaten. Und die Aktionäre von Minenbetreibern können sich besonders freuen.

Goldbarren in verschiedenen Größen. Quelle: dpa

Gundlach riet den US-Anlegern von Versorger-Aktien ab, die schon zu teuer seien, und riet ihnen, Anteilsscheine von Gesellschaften zu kaufen, die in Hypotheken investieren. Im Fachjargon: „Gehen Sie 'short' mit Versorgern und 'long' mit Mortgage-Reits.“ Beide Wertpapiere bewegten sich langfristig in einem ähnlichen Trend, seien aber zuletzt deutlich auseinander gelaufen, weil die Anleger zu viel Vertrauen in angeblich sichere Versorger-Aktien und zu wenig in Hypotheken hätten.

Adam Fischer, Chef-Stratege von Commonwealth Opportunity Capital, glaubt, dass die Zinsen in Japan noch lange niedrig bleiben. Seiner Meinung nach wird die Regierung in Tokio weiter Schulden machen und die Notenbank sie aufkaufen, möglicherweise sogar im Laufe der Zeit sogar alle Staatsanleihen aufsaugen. „Warum auch nicht?“ fragte Fischer.

In Europa werde sich die Politik einer immer weiter durch die EZB finanzierten Staatsverschuldung dagegen nicht durchhalten lassen. „Das werden die Deutschen nicht mitmachen“, sagte er. „Sie könnten bei negativen Zinsen heute Geld leihen und nach ein paar Jahre weniger zurückzahlen, was eigentlich ein gutes Geschäft wäre“, sagte er. „Aber sie werden es nicht tun.“ Angelsächsische Ökonomen haben immer wieder gefordert, Deutschland solle die extrem niedrigen Zinsen zu Investitionen in Infrastruktur nutzen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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