US-japanische Golfdiplomatie: Ein Schläger für Donald und ein Hemd für Shinzo

US-japanische Golfdiplomatie: Ein Schläger für Donald und ein Hemd für Shinzo

, aktualisiert 18. November 2016, 15:20 Uhr
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Der japanische Ministerpräsident und der zukünftige US-Präsident tauschten bei ihrem Treffen Golf-Utensilien aus.

von Martin KöllingQuelle:Handelsblatt Online

Donald Trump ist noch nicht im Amt, da hat er auch schon das erste Gipfeltreffen. Der japanische Gast Shinzo Abe appelliert dabei mit einem Geschenk an eine gemeinsame Leidenschaft – das Golfspiel.

TokioGeschichte kennt keine Gnade, auch nicht für US-Präsident Barack Obama. Während er sich auf einer etwas nostalgischen Europatour von Angela Merkel und anderen Verbündeten verabschiedet, beginnt sein gewählter Nachfolger Donald Trump, über die weltpolitische Zukunft zu diskutieren. Der erste Regierungschef, mit dem er sich am Donnerstagabend New Yorker Zeit traf, war kein geringerer als der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe. Und der setzte auf große Symbolik.

Wie sein Großvater, der ehemalige japanische Ministerpräsident Nobusuke Kishi, versuchte er sich in Golfdiplomatie. Als Mitbringsel hatte Abe einen Golfschläger für Trump mitgebracht. Denn der Milliardär besitzt nicht nur Golfplätze, sondern spielt auch begeistert. Trump revanchierte sich mit einem Golfhemd. Auch er hatte inzwischen erfahren, dass Abe ebenfalls ein leidenschaftlicher Golfer ist.

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Die Aufmerksamkeit war nicht nur nett, sondern wie der Besuch bedeutungsschwanger. Abes Großvater spielte 1957 bei einem Amerikabesuch Golf mit dem damaligen Präsidenten Dwight D. Eisenhower, ein Durchbruch in den Beziehungen der beiden Länder, die sich zuvor im zweiten Weltkrieg gegenüber gestanden hatten.

Drei Jahre später unterzeichneten beide Staaten ihr Militärbündnis. Seither ist Japan der engste Verbündete der USA in Asien, mehr noch, ein unsinkbarer Flugzeugträger sowie ein Inselriegel vor der Ostküste Russlands und Chinas.

Abes Botschaft ist klar: Er möchte, dass er und Trump sich persönlich und politisch genauso nahekommen wie die Vorgänger. Doch die große Frage ist, ob dies gelingt. Denn Trump hatte im Wahlkampf verbal auf die Japaner eingedroschen und aus japanischer Sicht die Grundlagen der Allianz in Frage gestellt.

Trump hatte Japan nicht nur als Währungsmanipulator angeprangert, sondern sprach sich auch gegen das pazifische Äquivalent der transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP aus, das für Abe ein Eckstein seiner Wirtschafts- und Außenpolitik ist. Zudem unterstellte Trump Japan, zu wenig für die eigene Verteidigung zu tun und nicht ausreichend für die Stationierung der US-Truppen zu zahlen, obwohl Japan den Großteil der Kosten der US-Truppen schultert. Zu allem Überfluss überlegte er laut, Japan wie auch Südkorea unter Umständen Atombomben zuzugestehen. Doch davon will Japan aus Angst vor einem atomaren Rüstungswettlauf nichts wissen.

Japans Regierung hatte daher unausgesprochen auf Hillary Clinton als Präsidentin gehofft.


Schickt Merkel nun Bernhard Langer vor?

Clinton kannte man wenigstens, zu Trumps Lager gab es keine Verbindungen. Abe setzte daher nach dem Wahlsieg des New Yorkers alle diplomatischen Hebel in Bewegung, um so schnell wie möglich ein persönliches Gespräch mit dem Überraschungssieger zu arrangieren.

90 Minuten sprachen sie immerhin miteinander. Die Japaner feierten das Treffen danach als Erfolg, auch wenn Abe keine Einzelheiten verriet. Stattdessen verströmte er Optimismus. Er glaube, man habe ausführlich und freiheraus miteinander gesprochen, erklärte Abe später. Die Atmosphäre bezeichnete er als „sehr warm“. „Dies stimmt mich zuversichtlich, dass wir zwei eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen können“, sagte Abe. Er sei überzeugt, dass Trump ein Führer sei, „dem man vertrauen kann.“ Man wolle sich wieder treffen. Wer weiß, dann vielleicht auf dem Golfplatz wie Kishi und Eisenhower.

Abe ist allerdings nicht der einzige Regierungschef, der auf Golfdiplomatie setzt. Australiens Ministerpräsident Malcolm Turnbull ließ sich über den australischen Spitzengolfer Greg Norman die Handynummer des US-Präsidenten in spe organisieren, um direkt zu Trump durchzudringen. Norman ist ein Golffreund des Immobilienbesitzers.

In einer Kolumne für das Magazin „Newsweek“ schrieb Norman am Dienstag, dass er seit dem Wahlsieg mehrfach mit Trump gesprochen hätte. Trump werde viele mit seiner Politik überraschen, versprach der Golfer. Vielleicht sollte Angela Merkel nun den deutschen Golfer Bernhard Langer vorschicken, um das Tor zu Trumps Seele zu öffnen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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