US-Notenbank: Die Fed ist ratlos

US-Notenbank: Die Fed ist ratlos

, aktualisiert 17. August 2017, 04:54 Uhr
von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Das Protokoll der letzten Fed-Sitzung zeigt, die Geldpolitiker sind sich nicht einig, wie sie die wirtschaftliche Situation einschätzen sollen. Sie werden deshalb womöglich die Zinsen langsamer als geplant anheben.

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Die Protokolle der jüngsten Fed-Sitzung zeigen, die Währungshüter sind sich nicht sicher, wie sie die wirtschaftliche Situation einzuschätzen haben.

New YorkIn der US-Notenbank (Fed) herrscht offenbar Verwirrung, wie das Protokoll der Juli-Sitzung zeigt, das am Mittwoch veröffentlicht wurde. Und diese Verwirrung übertrug sich anschließend auch auf die Märkte.

Allen Experten fiel auf, dass die Geldpolitiker besonders intensiv über die Ursachen und Perspektiven der Inflation diskutiert haben. „Die Teilnehmer waren sich einig, dass ein Niedergang der langfristigen Inflationserwartungen unerwünscht wäre, aber sie hatten unterschiedliche Einschätzungen, ob die Inflationserwartungen gut verankert seien“, heißt es zum Beispiel im Protokoll. Und weiter: „Die Teilnehmer diskutierten die Gründe für das gleichzeitige Auftreten von niedriger Inflation und niedriger Arbeitslosigkeit.“

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Nach der bisher herrschenden und für die Fed maßgeblichen Theorie sollte eine niedrige Arbeitslosigkeit zu einem Anziehen der Preise führen, weil die Unternehmen dann höhere Löhne zahlen, um sich gegenseitig Mitarbeiter abzuwerben. Die Arbeitslosigkeit in den USA ist aber mittlerweile auf rund 4,3 Prozent gesunken, ohne dass die Inflation anziehen würde. Die Fed strebt einen Wert von zwei Prozent bei der Inflationsrate an, die Werte bleiben aber seit Langem hartnäckig darunter.

Die Diskussion im geldpolitischen Komitee zeigt, dass es auch dort mittlerweile Zweifel gibt, ob die bisherige Theorie noch Gültigkeit hat. Das dürfte dazu führen, dass die Fed noch vorsichtiger mit Zinserhöhungen wird, glaubt Erik Schiller, Zins-Experte und Portfolio-Manager bei PGIM, der Anlagegesellschaft des US-Versicherers Prudential.

Bisher galt die Erwartung, dass die Notenbank im September ankündigen wird, mit dem Abbau ihrer Bilanzsumme zu beginnen, um dann im Dezember die Zinsen weiter zu erhöhen. „Möglicherweise wird die Erhöhung noch einmal verschoben“, sagt Schiller. Eigentlich sollte diese Erwartung die Aktienkurse stützen, die in der Regel von niedrigen Zinsen profitieren. Offenbar befürchten einige Investoren aber auch, dass die Fed die Zinsen trotz der Unsicherheit weiter erhöht. Deswegen reagierten die Märkte schwankend, aber ohne klare Richtung auf die Veröffentlichung des Protokolls.

Schiller gibt zu bedenken, dass auch die Politik in Washington eine Rolle spielt. Er hält eine baldige Zinserhöhung für unwahrscheinlich, falls US-Präsident Donald Trump und die mit ihm verbündeten Republikaner im Kongress bis Ende des Jahres weiterhin keine wichtigen Entscheidungen zustande bringen. Diese Erwartung wird durch das Protokoll gedeckt. Dort heißt es: „Einige Teilnehmer berichteten, dass die Unsicherheit über den Kurs der Regierungspolitik, einschließlich der Bereiche Steuern, Handel und Gesundheit, tendenziell die Ausgaben der Unternehmen und die Pläne, Mitarbeiter einzustellen, gebremst hätten.

Ein paar von ihnen vertraten die Meinung, dass die Wahrscheinlichkeit eines baldigen fiskalischen Stimulus gesunken sei, oder dass dieser kleiner als bisher erwartet ausfallen dürfte.“ Tatsächlich dürfte die Fed aber Trump in die Hände arbeiten, wenn sie die Zinsen länger niedrig hält, weil damit das Wachstum weiter künstlich angetrieben wird.

Schiller glaubt, dass unabhängig von der Fed-Entscheidung die langfristigen Zinsen niedrig bleiben, weil sie im Vergleich zu den Papieren in Europa und Asien deutlich mehr für die Investoren bringen. Er glaubt daher an eine gute Entwicklung der langfristigen US-Zinspapiere. Skeptisch ist er aber gegenüber Unternehmensanleihen.

„Die Risikoaufschläge sind zum Teil schon auf das Niveau vor Ausbruch der Finanzkrise gesunken“, sagt er. Sprich: Der Anleger bekommt zu wenig Mehr-Rendite für das höhere Risiko dieser Papiere gegenüber Staatsanleihen. Schiller setzt daher mehr auf strukturierte Papiere, also verschiedene Arten von verbrieften Krediten. „Die haben in der Finanzkrise eine verhängnisvolle Rolle gespielt, deswegen haben sie immer noch einen schlechten Ruf“, sagt er. Und als erfahrener Investor weiß er: Wenn der Ruf schlechter als die Qualität ist, dann sind die Preise nicht zu hoch.

Quelle:  Handelsblatt Online
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