US-Notenbank Fed: Powell übernimmt einen undankbaren Job

US-Notenbank Fed: Powell übernimmt einen undankbaren Job

, aktualisiert 02. November 2017, 20:19 Uhr
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Er ist schon seit fünf Jahren Gouverneur bei der Fed in Washington.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Jerome Powell beerbt Janet Yellen ab Februar als neuer Fed-Chef. Ihn erwartet ein undankbarer Job. Doch er weiß das bereits, da er eine Menge Erfahrung mitbringt. Und das dürfte auch der Grund für seine Wahl sein.

New YorkSchon vor der offiziellen Ankündigung bekam der künftige Chef der US-Notenbank (Fed) Glückwunsche der besonderen Art. „Willkommen, Jay Powell“, schrieb der Ökonom Torsten Slok von der Deutschen Bank in New York. Powell, mit vollem Vornamen Jerome, soll Janet Yellen ab kommendem Februar an der Spitze der Fed folgen.

Sloks Gruß-Adresse ist allerdings nicht geeignet, Powell Mut zu machen. „Es ist ein undankbarer Job, bei der Fed zu arbeiten“, schreibt er. „Die Notenbank wird ständig kritisiert, von Politikern, den Märkten, manchmal sogar von anderen Notenbankern, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der OECD. Und diese Kritik kommt, obwohl sie in den Jahren 2008 und 2009 die Welt gerettet und seither einen außerordentlich guten Job gemacht hat.“

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Slok erklärt, dass die Erholung der US-Wirtschaft nach der Finanzkrise 2008 wegen der Überschuldung von Banken, Hausbesitzern und Verbrauchern so lange gedauert hat. Er sieht Fehler eher bei der unsystematischen Finanzpolitik in den USA als bei der Fed. Er stellt sich die Frage, ob die Notenbank, entgegen aller Kritik, nicht noch massiver Anleihen hätte ankaufen sollen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Und kommt zu dem Schluss: „Die Fed kann nicht alle Probleme der Welt lösen.“ Zum Beispiel auch nicht, dass in den USA die reichsten 0,1 Prozent der Bevölkerung so viel Vermögen besitzen wie die 90 Prozent am unteren Ende.

Powell weiß das alles bereits. Schließlich ist er schon seit fünf Jahren als Gouverneur bei der Fed in Washington. Diese Tatsache, dass er bereits Erfahrung hat und für Kontinuität steht, dürfte den Ausschlag gegeben haben für seine Wahl.

Neuer Chef, alter Kurs

In der Geldpolitik wird die Fed unter Powell weiter der bisherigen Linie folgen. Und das bedeutet: Kurs auf Normalisierung, weitere Zinserhöhungen. Nach der Fed-Sitzung in dieser Woche ist die Erwartung an den Märkten, dass es schon im Dezember zur nächsten Anhebung kommt, sogar noch etwas gestiegen. Zwar bereitet den Notenbankern nach wie vor Sorgen, dass die Inflation schwach bleibt. Aber die Fed hat sehr deutlich von einer „robusten wirtschaftlichen Entwicklung“ gesprochen. Damit wird der Leitzins wohl im Dezember um einen Viertelprozentpunkt auf eine Spanne zwischen 1,25 und 1,5 Prozent erhöht. Es wäre der dritte Schritt im laufenden Jahr, und 2018 könnten drei weitere folgen. Gleichzeitig läuft das im Oktober gestartete Programm weiter, die Bilanzsumme der Fed langsam schrumpfen zu lassen, indem auslaufende Zinspapiere in ihrem Bestand nicht mehr durch Käufe ersetzt werden.

Die eigentliche Herausforderung für Powell wird kommen, wenn die nächste Rezession in den USA aufzieht. Diese könnte durchaus in seine vierjährige Amtszeit fallen. In dieser Situation ist neben beherztem Handeln vor allem eine gute Kommunikation gefragt. Powell hat als Person zwar kein großes Charisma, er dürfte kaum als geldpolitischer Magier in die Geschichte eingehen. Aber er hat in seiner sachlichen Art an der Wall Street durchaus eine Menge Respekt erworben, obwohl er kein Ökonom, sondern gelernter Jurist ist.

Bei einer Rezession würde sofort die Frage aufkommen, ob die Notenbank allein mit der Zinspolitik reagiert, die Bilanz nicht weiter schrumpft oder sie sogar wieder ausweitet. Im ersten Fall, der eher dem bisherigen Drehbuch entsprechen würde, wäre sie mit den Zinsen schnell wieder bei der Null-Linie. Im zweiten Fall würde sie für Verunsicherung sorgen, weil ihre Politik schwerer zu durchschauen wäre. Powell dürfte sich aller Voraussicht nach, solange es geht, an das geplante Drehbuch halten.

Der neue Fed-Chef muss sich auch mit grundsätzlichen Fragen auseinandersetzen. Schon seit einiger Zeit gibt es zum Beispiel eine Debatte darüber, ob das Inflationsziel der Fed von zurzeit zwei Prozent angehoben werden sollte. Dann muss Powell sich als Vordenker erweisen – keine leichte Aufgabe als Nachfolger der profilierten Janet Yellen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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