US-Präsidentenwahl: „Das werden wir sehen, wenn es soweit ist“

US-Präsidentenwahl: „Das werden wir sehen, wenn es soweit ist“

, aktualisiert 20. Oktober 2016, 06:28 Uhr
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Donald Trump trinkt während der Debatte ein Glas Wasser. Wird er das Wahlergebnis anerkennen?

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Eklat bei der Debatte: Donald Trump weigert sich, zu versprechen er werde die Wahlergebnisse anerkennen. Hat er damit höchstpersönlich den letzten Nagel in seinen politischen Sarg gehämmert? Eine Analyse.

San FranciscoWird Donald Trump das Wahlergebnis im November akzeptieren? Es war eine einfache Frage, aber die Antwort war verstörend. „Das werden wir sehen, wenn es soweit ist“, lautete die trotzige Antwort des republikanischen Kandidaten auf die Frage des Moderators. Eisern hält er an seiner Behauptung fest, diese Wahl sei „getürkt“. Schon alleine, weil Hillary Clinton kandidieren dürfe, weil sie „schwerer Verbrechen“ beschuldigt sei.

Der tapfere Moderator Chris Wallace hakte noch einmal nach, wollte Trump eine Brücke bauen, erinnerte ihn, dass Amerika nach jedem Wahlkampf, so heftig dieser auch war, wieder zusammengefunden habe. Aber Trump wich keinen Millimeter: „Die Medien vergiften die Situation.“ Das sei „entsetzlich“, mischt sich jetzt Hillary Clinton ein. „So ist das immer, wenn etwas nicht so läuft, wie er will. Dann ist immer alles getürkt.“
Es war irgendwie ganz passend für diesen ohnehin längst aus dem Ruder gelaufenen Wahlkampf, dass sich die beiden Präsidentschaftskandidaten zum entscheidenden Schlagabtausch in der Spielerstadt Las Vegas in der Wüste von Nevada trafen. In der roten Ecke ein mäßig erfolgreicher Casinobetreiber und in der blauen eine angeschlagene Berufspolitikerin mit einem Glaubwürdigkeitsproblem.

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Wieder verweigerten die Kontrahenten den Handschlag zu Beginn, was nicht einmal Boxer im Ring in Las Vegas machen, die sich hinterher verprügeln. Und es war ein Menetekel für das, was kommen sollte. Moderator Chris Wallace hatte stellenweise erhebliche Mühe, die Kontrahenten unter Kontrolle zu halten.

Donald Trump griff an, wie jemand, der nichts mehr zu verlieren, sondern nur noch zu gewinnen hat. Er war nach kompromittierenden Tonaufnahmen bereits angezählt in die Veranstaltung gegangen und versuchte nun, einen schnellen K.o. zu erzielen. Er wusste, ein Punktsieg bringt ihn nicht mehr weiter.

Zuerst punktete er auch beim Thema Einwanderung und Grenzschutz. Aber nichts wies darauf hin, dass er sich besser auf die Themen vorbereitet hatte als bei den ersten beiden Debatten. War er einmal im Vorteil, verlor er den Faden, wechselte das Thema oder ließ sich von Clinton die Themen aufzwingen.

Der gelang es, die Putin-Karte zu spielen und Trump in die kommunistische Ecke zu drücken. Schon musste er sich verteidigen, und auf die Bemerkung, Putin habe keinen Respekt vor Clinton, verfing die Antwort „weil er gerne eine Puppe als Präsidenten sehe“. Trump konnte nur noch zurückbrüllen: „Du bist die Puppe, du bist die Puppe.“ Am Ende musste er noch beteuern, dass er nicht hinter angeblichen russischen E-Mail-Hacks gestanden hat.

Hillary Clinton duckte sich unter seinen Attacken regelrecht weg, um gleichzeitig eine neue Falle auszulegen. Bei den delikaten Fragen zu Abtreibung und Waffenkontrolle behielt sie die Oberhand. Sie war überwiegend sachlich, aber auch aggressiv und ließ sich nicht, wie früher oft, vom Gegner unterbrechen. Der wiederum hielt sich, verglichen mit den früheren Debatten, sehr zurück und ging auch auf Sachfragen ein.

Trump verfing sich aber in einem gefährlichen Spiel, indem er immer wieder darauf hinwies, die frühere Außenministerin habe 30 Jahre lang „nichts gemacht“ und ihre politische Erfahrung sei in der Tat da. Es sei nur eben eine schlechte Erfahrung. Da fängt man sich halt Antworten ein, wie „Als ich im Situation Room (Lagezentrum im Weißen Haus, Anm. d. Red.) war und verfolgte, wie Osama Bin Laden gefangen wurde, hast du eine neue Folge deiner Reality-Show aufgezeichnet.“

Ein Ausflug Trumps in die internationale Wirtschaftspolitik und die Aussage, China und Mexiko hätten Jobs und Industrien aus Amerika gestohlen, provoziert eine trockene Replik Clintons: „Und das Trump-Hotel in Las Vegas ist mit chinesischen Stahl gebaut.“ Wenn er dazu ansetzte, über illegale Arbeiter zu sprechen, die Amerikanern die Arbeit wegnähmen, musste er sich anhören, dass Illegale auch am Trump Tower in New York gearbeitet hätten.

Die Trump-Anhänger geben sich dennoch nicht geschlagen. Auf sozialen Netzwerken wiesen sie immer wieder darauf hin, dass auch ihr großes Vorbild Ronald Reagan 1979 zwei Wochen vor der Wahl acht Punkte in den Umfragen zurückgelegen und dann doch noch gewonnen hatte.

Und dann müsse man ja auch noch sehen, ob man das Wahlergebnis überhaupt akzeptieren werde. Das war die mit Abstand wichtigste und am meisten verstörende Botschaft dieses Abends.

Quelle:  Handelsblatt Online
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