US-Präsidentschaftsrennen: Libertarians hoffen auf den Trump-Effekt

US-Präsidentschaftsrennen: Libertarians hoffen auf den Trump-Effekt

, aktualisiert 29. Mai 2016, 19:49 Uhr
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FILE - In this May 18, 2016 file photo, Libertarian presidential candidate, former New Mexico Gov. Gary Johnson leaves the Utah State Capitol after meeting with with legislators, in Salt Lake City. He has virtually no money, no strategy to compete in battleground states and no plan to stop talking about his drug use. Yet with the Republican Party facing the prospect of a Donald Trump presidency, Libertarian presidential hopeful Gary Johnson could be a factor in 2016. The former two-term New Mexico governor, a Republican businessman perhaps best known for his years-long push to legalize marijuana, has a sobering message for a “never-Trump” movement desperately seeking a viable alternative. (AP Photo/Rick Bowmer, File)

Quelle:Handelsblatt Online

Ihr bestes Ergebnis im Präsidentschaftsrennen waren bisher 1,3 Prozent. Der ungewöhnliche US-Wahlkampf gibt diesmal aber sogar den Libertarians Hoffnung auf einen Aufschwung – weil die Konkurrenten so unbeliebt sind.

OrlandoDas US-Präsidentschaftsrennen ist schon vor der eigentlichen Nominierung der Kandidaten zu einem erbitterten Zweikampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump geworden. Heftige Anwürfe, scharfzüngige Repliken, Tiefschläge – beide lassen schon ein halbes Jahr vor dem Wahltermin am 8. November wenig aus. Im Schatten von Demokraten und Republikanern schwingt sich derweil eine dritte Partei auf, die zwar nicht auf Sieg spielt, aber sich als ernstzunehmende Alternative präsentieren will und vielleicht die Rolle als Zünglein an der Waage einnehmen könnte: die Libertarians.

Auf ihrem Parteitag in Orlando (Florida) wählten sie am Sonntag den ehemaligen Gouverneur von New Mexico, Gary Johnson, zu ihrem Kandidaten.

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Die Libertarians stehen für einen schlanken Staat, aber auch für soziale Gerechtigkeit und außenpolitische Zurückhaltung – liegen politisch also irgendwo zwischen Demokraten und Republikanern. Der vor allem von Polit-Clown Donald Trump dominierte Wahlkampf in seiner bisher vorgetragenen Form treibt ihnen ungeahnte Sympathien zu. „Unser bisher bestes Ergebnis bei einer Präsidentschaftswahl waren 1,3 Prozent der Stimmen“, sagt Carla Howell, politische Direktorin der Libertarians, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Einer Umfrage der Monmouth University zufolge liegen sie derzeit zwischen zehn und elf Prozent.

„Dieses Jahr ist für uns definitiv ein gutes Jahr“, sagt Carla Howell. Die Zahl der zahlenden Parteimitglieder sei seit Januar um 30 Prozent auf 14 500 gestiegen, die Zahl der registrierten Wähler auf über 400 000. Die Summe der Parteispenden, die bei früheren Wahlen um diese Zeit bei rund 1,5 Millionen Dollar gelegen haben, habe sich verzehnfacht.

Das alles ist freilich nichts gegen die Zahlen der großen Parteien: Clintons Demokraten etwa haben weit über 40 Millionen Mitglieder, die frühere Außenministerin und Trump werden am Ende des Wahlkampfes bis zu einer Milliarde Dollar an Spenden ausgegeben haben. Dennoch sind die Libertarians optimistisch: „2016 wird eine ganze andere Melodie gespielt“, sagt Howell.

Der Wind für die dritte Partei scheint sich in der Tat ein wenig gedreht zu haben. „Die Übertragung des Parteitages der Libertarians hat in früheren Jahren so viele Zuschauer angesprochen wie eine Dokumentation über Türgriffe aus dem 18. Jahrhundert“, schreibt der „Boston Herald“ in einem Kommentar. Heute ist das anders. „Wir haben ein Medieninteresse wie noch nie“, jubelt Carla Howell. Allerdings gilt: Auch wenn fast jedes US-Medium die kleine Partei würdigt - von einer Dauer-Berichterstattung wie über Trump und Clinton ist sie noch weit entfernt.

Gary Johnson (63) gilt vielen als der beste Präsidentschaftsbewerber, den die Republikaner nicht aufgestellt haben. Der Mann, der acht Jahre für die Republikaner als Gouverneur arbeitete, hofft vor allem auf Stimmen aus der Anti-Trump-Bewegung der Konservativen. Dort war die Suche nach einer unabhängigen Alternative zu dem schrillen Immobilien-Milliardär erfolglos geblieben - ein Ex-Republikaner könnte aus Sicht von manchen also die Rettung an der Wahlurne sein.

In einem Wahlkampf, in dem Donald Trump mit 60 Prozent so unbeliebt ist wie keiner seiner Vorgänger und Hillary Clinton nicht viel besser abschneidet, setzt Johnson auf Stimmen aus beiden Lagern. Vielleicht könnten sogar ein paar Anhänger von Clintons Konkurrent Bernie Sanders ins Johnson-Lager wechseln. Nicht umsonst macht der sich für mehr Freiheit im Umgang mit Schusswaffen und für weiche Drogen stark.

Die Hoffnungen werden indes ausgerechnet von den Leuten gedämpft, die Johnson und seine Libertarians jetzt bei zweistelligen Prozentsätzen sehen - den Meinungsforschern. „Es gibt viele Wähler die jetzt auf eine dritte Partei setzen. Am Ende wollen sie dann aber doch nicht ihre Stimme verschwenden“, sagt Monmouth-Wahlexperte Patrick Murray.

Im Moment wird die Partei in 32 Staaten auf dem Stimmzettel für die Präsidentschaftswahl am 8. November aufgelistet. Die Partei versucht noch, auch in den übrigen auf die Wahlzettel zu kommen.

Die Hoffnung bleibt für die Libertarians, das Zünglein an der Waage zu spielen. Vorbilder gibt es: Im Jahr 2000 staubte der Kandidat der Grünen, Ralph Nader, in Florida fast 100 000 Stimmen ab - die Meinung, er habe damit die Präsidentschaft des späteren Klimaschutz-Aktivisten Al Gore verhindert, hält sich hartnäckig.

Quelle:  Handelsblatt Online
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