US-Vorwahlen 2016: Trump darf hoffen, Clinton muss zittern

US-Vorwahlen 2016: Trump darf hoffen, Clinton muss zittern

, aktualisiert 09. Februar 2016, 21:43 Uhr
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Die letzten Wahllokale werden erst um 2 Uhr MESZ schließen.

Quelle:Handelsblatt Online

Der US-Vorwahlzirkus macht Station in New Hampshire im Nordosten des Landes. Die Bewohner gelten als gemäßigt konservativ – dennoch könnte es für Hillary Clinton ungemütlich werden.

ConcordAmerikanische Flaggen, Adlerfiguren und die Freiheitsstatue im Miniformat - das Auto von Lynda Farley (64) ist ein rollendes Bekenntnis zum Patriotismus. Es ist über und über mit Nippes und Sprüchen dekoriert. Farley ist ein Fan des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Ted Cruz. Die Rentnerin aus Kentucky ist bis nach New Hampshire gefahren, um ihn im Wahlkampf zu unterstützen, wie sie sagt.

Auf der Windschutzscheibe ihres Wagens prangt sein Name neben dem von Jesus. Warum sie ausgerechnet für Cruz ist? „Ich beobachte sie alle schon eine ganze Weile“, sagt sie über die republikanischen Bewerber. Der Senator von Texas sei der einzige, der sich nicht unter Druck setzen lasse und nicht gegen seine Überzeugungen handele.

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Donald Trump oder Ted Cruz, Hillary Clinton oder lieber doch Bernie Sanders: Im nordöstlichen Bundesstaat New Hampshire findet am Dienstag die zweite Vorwahl vor den US-Präsidentschaftswahlen statt.

Ein erstes - freilich nicht aussagekräftiges - Abstimmungsergebnis liegt schon vor: In dem Dorf Dixville Notch nahe der Grenze zu Kanada wurde schon um Mitternacht gewählt, wie es schon seit 1960 Tradition ist. Von den insgesamt neun Stimmen entfielen vier auf den linksgerichteten Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders, der für die Demokraten antreten will. Die ehemalige First Lady und Ex-Außenministerin Hillary Clinton ging leer aus.

Bei den Republikanern lautete das Resultat: drei Stimmen für Ohios Gouverneur John Kasich und zwei für den Immobilientycoon Donald Trump. Ebenfalls vorzeitig gewählt wurde in Hart's Location und in Millsfield. Die Abstimmungen in den drei Orten gelten eher als Kuriosum denn als aussagekräftiger Trend.

In den vergangenen Tagen war der Ton der Präsidentschaftsbewerber schärfer geworden. Manche der republikanischen Bewerber ließen keine Gelegenheit aus, sich gegenseitig zu attackieren. Besonders heftig beleidigten sich Donald Trump und Jeb Bush. Trump nannte Bushs Wahlkampf verzweifelt. Der schrieb auf Twitter, Trump sei nicht nur ein Verlierer, sondern auch ein Lügner und eine Heulsuse. Bush galt im Wahlkampf anfangs als Favorit, konnte dann aber kaum punkten.

In den Umfragen in New Hampshire führte zuletzt Trump vor Marco Rubio und Ted Cruz. Laut der Internetseite realclearpolitics.com kam Trump in Umfragen auf gut 30 Prozent. Rubio, den einflussreiche Republikaner zunehmend als letzte Hoffnung gegen Trump und Cruz sehen, folgte demnach mit rund 16 Prozent. Trump hatte freilich auch vor dem Vorwahlauftakt am Montag vergangener Woche in Iowa in Umfragen vorn gelegen, landete dann aber hinter Cruz nur auf dem zweiten Platz. Cruz sahen Meinungsforscher bei rund zwölf Prozent.

Bei den Demokraten bahnte sich in New Hampshire eine Niederlage für Ex-Außenministerin Hillary Clinton an. Ihr Konkurrent Bernie Sanders lag in Umfragen deutlich vorne. Der 74-Jährige ist Senator aus dem Nachbarstaat Vermont.

Die Wählerschaft in New Hampshire gilt als gemäßigt konservativ, evangelikale Christen haben weniger Einfluss als in Iowa. Die letzten Wahllokale sollten um 20.00 (Ortszeit/02.00 MEZ) schließen.


Neuer Präsidentschaftsbewerber?

Vom Ausgang der Vorwahl in dem kleinen Ostküsten-Bundesstaat dürfte auch mit abhängen, ob ein weiterer Anwärter das Rennen um die Nachfolge von Präsident Barack Obama aufmischt: New Yorks Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg. Seit Jahren werden dem Gründer der nach ihm benannten Finanznachrichtenagentur Ambitionen auf das Amt nachgesagt. In einem Interview der „Financial Times“ sagte er nun, er prüfe alle Optionen. Die bisherigen Debatten seien eine Beleidigung für die Wähler. Die Amerikaner hätten Besseres verdient.
Schaden dürfte eine Kandidatur Bloombergs nach Ansicht vieler Experten vor allem den Demokraten, denn sie stehen für eine Reihe von Positionen, die auch Bloomberg vertritt, etwa wenn es um schärfere Waffengesetze und den Umweltschutz geht. In Bloombergs Umfeld heißt es, bis spätestens Anfang März wolle er entscheiden, ob er seinen Hut in den Ring werfe. Er rechne sich gute Chancen aus, wenn Republikaner und Demokraten Kandidaten kürten, die für Außenseiter-Positionen stünden, wie der populistische Trump oder der erzkonservative Senator Ted Cruz auf der einen Seite und der selbst ernannte demokratische Sozialist Sanders auf der anderen.

Sanders hat auf Spekulationen rund um Bloomberg gelassen reagiert. Mit dem 73-Jährigen würde lediglich ein weiterer Milliardär antreten. Wenn das passiere, sei er zuversichtlich, dass er gewinnen werde, sagte Sanders unlängst. Die Botschaft des für amerikanische Verhältnisse ausgesprochen linken Senators, der gegen die Macht der Wall Street zu Felde zieht, fand zuletzt immer mehr Anhänger.

Im Clinton-Lager sorgt das für Unruhe. Berichte über geplante personelle Änderungen in ihrem Wahlkampfstab wies sie zwar zurück. Aber eine blamable Niederlage in New Hampshire dürfte nicht ohne Konsequenzen bleiben, auch wenn sie deswegen kaum das Handtuch werfen wird. Für Sanders wäre eine Schlappe dagegen ein harter Schlag, zumal die Vorwahl dort als Heimspiel für den Senator aus dem Nachbarstaat Vermont gilt.

Bei den Vorwahlen sieben die beiden großen Parteien ihre Bewerber aus. Republikaner und Demokraten befinden in allen 50 Bundesstaaten über ihre Präsidentschaftskandidaten, die im Juli offiziell gekürt werden. Noch im Februar folgen die Staaten South Carolina und Nevada.

Eine Vorentscheidung fällt am 1. März, dem „Super Tuesday“ mit Vorwahlen in 15 Einzelstaaten. In Kentucky, der Heimat von Patriotin und Cruz-Unterstützerin Lynda Farley, wird erst im Mai gewählt. Bis dahin dürfte sich das Bewerberfeld bei den Republikanern schon verkleinert haben. „Wenn wir unsere Vorwahl haben, ist nichts mehr übrig“, klagt Farley. „Und ich habe es satt, für das kleinere Übel zu stimmen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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